Wissenschaftsrat empfiehlt erste europäische Ionenstrahlen-Therapieanlage zur Krebsbehandlung
Zur Aufnahme in den 31. Rahmenplan für den Hochschulbau hat der Wissenschaftsrat unter anderem eine Schwerionen-Therapieanlage empfohlen. Bei ihr werden Protonen und Ionen für die Strahlenbehandlung von Krebskranken eingesetzt. Die Protonen-Therapie ist vor allem für die Behandlung kleiner Tumoren, z.B. des Auges, geeignet. Insbesondere bei tieferliegenden Tumoren zeichnen sich die Strahlen von Schwerionen durch hohe Wirksamkeit aus. Die Anlage, die vom Universitätsklinikum Heidelberg betrieben werden soll, steht allen anderen Bundesländern zur Nutzung offen und wird in ihrer Art vorerst einzigartig in Deutschland und Europa sein. Die Gesamtkosten von rund 142 Mio. DM sollen im Rahmen des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern übernommen werden. Von den Kosten entfallen 91 Mio. DM auf Geräte und 51 Mio. DM auf den Bau.
Zur Vorbereitung der Therapieanlage wurde seit 1994 im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg, der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) Darmstadt und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg in Kooperation mit dem Forschungszentrum Rossendorf (FZR) ein Pilotvorhaben zur Tumortherapie mit Ionenstrahlen durchgeführt. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit hat eine technologische Innovation erbracht, die es ermöglicht, im Unterschied zur herkömmlichen Photonentherapie Strahlung genauestens zu dosieren und diese Dosis zudem punktgenau zum Einsatz zu bringen. Das Verfahren, das bisher nur für wenige Patienten eingesetzt werden konnte, soll nun klinisch genutzt werden.
Aufbauend auf den Erfahrungen mit dem Pilotprojekt ist der Bau der medizinischen Therapieanlage vorgesehen, an der sowohl Protonen als auch verschiedene Ionen (Helium, Kohlenstoff, Sauerstoff) eingesetzt werden. Es sollen weiterführende klinische Erfahrungen für die Strahlentherapie gesammelt werden, um daraus verbesserte Behandlungsmethoden abzuleiten. Die Kapazität der Einrichtung soll bei etwa 1.000 Patienten pro Jahr liegen. Unter der Voraussetzung, daß die Entwicklungsarbeiten noch 2001 anlaufen, könnte mit der ersten Klinikanlage für Teilchentherapie in Deutschland und Europa ab 2007 Patienten behandelt werden.
Hinweis: Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung sowie des Hochschulbaus.
Belegexemplar erbeten an:
Dr. Dietmar Goll
Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates
Brohler Straße 11
50968 Köln
Telefon: 0221/3776 - 228
Telefax: 0221/38 84 40
E-Mail: goll@wissenschaftsrat.de
Pressemitteilungen und Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de
Die semantisch ähnlichsten Pressemitteilungen im idw
