Störungen auf den Grund gehen: Humboldt-Forschungspreisträger zu Gast an der RUB
Die Deformation komplexer Strukturen durch kleine Störungen erforscht Prof. Dr. Ragnar-Olaf Buchweitz von der Universität Toronto (Kanada) in Bochum gemeinsam mit Mathematikern der Ruhr-Universität. Auf Vorschlag von Prof. Dr. Hubert Flenner (RUB) und Prof. Dr. Gert-Martin Greuel (Universität Kaiserslautern) erhielt Buchweitz den mit 60.000 Euro dotierten Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung. In den nächsten zwei Jahren wird Buchweitz für insgesamt fünf Monate zu Gast in Bochum sein.
Bochum, 11.5.2010
Nr. 143
Störungen auf den Grund gehen
Humboldt-Forschungspreisträger zu Gast an der RUB
Mathematiker Prof. Ragnar-Olaf Buchweitz erforscht Deformationstheorie
Die Deformation komplexer Strukturen durch kleine Störungen erforscht Prof. Dr. Ragnar-Olaf Buchweitz von der Universität Toronto (Kanada) in Bochum gemeinsam mit Mathematikern der Ruhr-Universität. Auf Vorschlag von Prof. Dr. Hubert Flenner (RUB) und Prof. Dr. Gert-Martin Greuel (Universität Kaiserslautern) erhielt Buchweitz den mit 60.000 Euro dotierten Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Preisträger finanzieren damit selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen. In den nächsten zwei Jahren wird Buchweitz für insgesamt fünf Monate zu Gast in Bochum sein; er hält sich zunächst für den Monat Mai hier auf.
Zusammenarbeit seit 20 Jahren
In einem gemeinsamen Projekt am Lehrstuhl für Algebra und Geometrie gehen Prof. Buchweitz und Prof. Flenner den Deformationen komplexer Strukturen mathematisch auf den Grund. Sie erforschen, wie geometrische Objekte – zum Beispiel Räume – in Form und Eigenschaft variieren, wenn sich die bestimmenden Parameter verändern. In den Blickpunkt nehmen sie die Veränderung der geometrischen Struktur bei kleinen Störungen und die Restriktionen, denen diese Störungen unterliegen. „Daran arbeiten Professor Flenner und ich schon seit rund 20 Jahren“, so Prof. Buchweitz. In der Theorie sei das Phänomen bereits gut verstanden, erklärt der Forscher, praktische mathematische Anwendungen seien aber immer mit einem großen technischen Aufwand verbunden.
Von der Geometrie zur Stringtheorie
Forschungsschwerpunkt von Prof. Buchweitz sind solche Anwendungen in Algebra und Geometrie, die auch weit in die theoretische Physik reichen. Er zählt zu den führenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet. Bereits zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere publizierte er herausragende Arbeiten, in denen er grundlegende Methoden entwickelte. Seine Arbeiten zu maximalen Cohen-Macaulay-Moduln und Matrixfaktorisierungen spielen heute in der String-Theorie in der Physik eine wesentliche Rolle. Das ist ein noch junges Erklärungsmodell für den Kleinstzustand der Materie, in dem man sich etwa Elementarteilchen wie ein Knäuel von Fäden (Strings) vorstellen kann. Sie lassen sich mit Hilfe der mathematischen Konzepte beschreiben, die Buchweitz und Flenner entwickelt haben.
Vita Prof. Buchweitz
Ragnar-Olaf Buchweitz wurde am 18. März 1952 in Neuruppin geboren. Das Mathematik- und Physikstudium schloss er 1972 mit dem Diplom an der Universität Hannover ab, wo er 1976 promoviert und 1982 habilitiert wurde. Nach einer Assistenzprofessur an der Brandeis University
in den USA war er von 1984 bis 1987 Heisenberg-Stipendiat; seit 1987 ist Buchweitz Professor an der Universität Toronto. Prof. Buchweitz absolvierte zahlreiche, teils längere Gastaufenthalte an verschiedenen Universitäten – unter anderem in Bochum, Kaiserslautern, Paris, Grenoble, Lincoln und Sofia.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Hubert Flenner, Lehrstuhl für Mathematik I, Algebra und Geometrie, Fakultät für Mathematik der RUB; Tel. 0234/32-28241, -23241, E-Mail: hubert.flenner@rub.de
Prof. Dr. Ragnar-Olaf Buchweitz, Tel. 0234/32-23240, E-Mail: ragnar@utsc.utoronto.ca
Redaktion: Jens Wylkop
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