Ein Muss für jeden Wagnerianer
Anfang dieses Jahres ist die Edition der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“ des Würzburger Musikwissenschaftlers Ulrich Konrad erschienen. Jetzt ist das Werk mit dem Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition“ ausgezeichnet worden.
„Dieser Tristan wird was furchtbares! Dieser letzte Akt!“ „Ich fürchte die Oper wird verboten – falls durch schlechte Aufführung nicht das Ganze parodirt wird –: nur mittelmässige Aufführungen können mich retten! Vollständig gute müssen die Leute verrückt machen.“ Schon während der Arbeit an der Partitur hat sich Richard Wagner äußerst selbstbewusst über sein musikalisches Drama „Tristan und Isolde“ geäußert. Tatsächlich erwies sich die radikale Neuartigkeit des Werkes als ebenso einzigartig wie zukunftsweisend.
Die Edition „Tristan und Isolde“
Zum Jubiläumsjahr 2013 – Wagner wurde vor 200 Jahren geboren – hat der Würzburger Musikwissenschaftler Professor Ulrich Konrad dieses bahnbrechende Werk in Zusammenarbeit mit dem Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth in einer neuen Faksimile-Edition des Autographs, also der originalen Werkniederschrift des Komponisten herausgegeben. Konrad hat an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Musikwissenschaft I inne.
Neben der Gesamtpartitur enthält die Ausgabe den autographen Konzertschluss des Vorspiels sowie drei Blätter, die Wagner während der Niederschrift aussonderte und für Skizzen weiterverwendete. Darüber hinaus schildert Konrad in seinem ausführlichen Kommentar die Entstehungs- und Aufführungsgeschichte des Werkes, er beschreibt die äußere Beschaffenheit des Autographs und gibt Einblicke in den Wagner'schen Schreibkosmos.
Die Auszeichnung
Jetzt wurde die Edition mit dem Gütesiegel „Best Edition“ des Deutschen Musikverlegerverbands DMV ausgezeichnet. „Die hervorragende Wiedergabe eines der wichtigsten Opernwerke des 19. Jahrhunderts überzeugt durch die großzügige Ausstattung und die vorbildliche Reproduktion des Originals“, heißt es in der Begründung der Jury. Das Werk sei „ein Muss für jeden Wagnerianer“, nachdem das lang verschollene Autograph damit endlich wieder zugänglich ist.
Insgesamt 75 Einsendungen von 24 Verlagen hatten sich um diesen Preis beworben; neun Ausgaben deutscher Musikverlage tragen nun das Gütesiegel „Best Edition“. Eine hochkarätig besetzte Jury aus den Bereichen Musikwissenschaft, Musikalienhandel, Konzert, Graphik und Musikkritik hat sie als herausragende Musikeditionen ausgewählt.
Das Gütesiegel „Best Edition“
Der Deutsche Musikeditionspreis „Best Edition“ wird vom DMV für herausragende Qualität bei Notenausgaben und Musikbüchern verliehen. „Der Verband und seine 400 Mitgliedsverlage würdigen damit in Zeiten der Nivellierung kultureller Leistungen und des Überhandnehmens von billigen Vervielfältigungen besondere editorische Leistungen”, sagte Dagmar Sikorski, DMV-Präsidentin.
Weiter heißt es in der Pressemitteilung des DMV: „In einer Zeit, in der professionelle Musiker, Lehrer und die Vielzahl musizierender Laien vielfach mit durch wirtschaftliche Zwänge bedingten Provisorien vorlieb nehmen mussten, scheint es angezeigt, Musikalien und Musikbücher von herausragender Qualität mit einer besonderen Auszeichnung zu prämieren.“ Damit will der Verband die Leistung der an der Produktion Beteiligten würdigen, vor allem aber auch das Qualitätsbewusstsein der Öffentlichkeit ansprechen.
Im deutschen Musikfachhandel sind nach Angaben des DMV über 300.000 Notenausgaben deutscher Verlage im Angebot, jährlich kommen etwa 6.000 Neuerscheinungen hinzu.
Für Ulrich Konrad ist diese Auszeichnung übrigens nicht die erste: Drei seiner Mozart-Publikationen erhielten in den vergangenen Jahren ebenfalls schon den Editionspreis des DMV.
„Richard Wagner: Tristan und Isolde. Autograph“. Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth. Herausgegeben von Ulrich Konrad im Bärenreiter-Verlag. 405 S. ISBN: 9783761822708 Erschienen in der Reihe Documenta musicologica II, Band 45, Bärenreiter Facsimile.
Kontakt
Prof. Dr. Ulrich Konrad, (0931) 31-82828, ulrich.konrad@uni-wuerzburg.de
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