Sicherheits-Management und Sicherheits-Kultur: Erfahrungen aus der Luftfahrt
Sicherheits-Management und Sicherheits-Kultur sind die zentralen Themen des ersten großen Vortrags im Wintersemester des Studium Generale der Hochschule Aalen. Top-Referent Manfred Müller, Leiter Flugsicherheitsforschung Deutsche Lufthansa AG, überträgt seine Erfahrungen aus der Luftfahrt auf modernes Management, wenn er unter näher beleuchtet: Welche Faktoren haben wiederholt zu Unfällen in der zivilen Luftfahrt geführt? Was hat man im Luftfahrt-Sicherheits-Management daraus gelernt? Welche Maßnahmen wurden zur Risikoreduzierung ergriffen? Haben sich diese bewährt, wo sind Korrekturen erforderlich? Lassen sich diese Konzepte auf den allgemeinen (Arbeits-)Alltag übertragen?
Durch soziale Interaktion im Team können rund 80 Prozent aller "Human Errors" in komplexen Situationen entschärft werden. Capt. Manfred Müller, Leiter der Flugsicherheitsforschung der Deutsche Lufthansa AG und Dozent für Risikomanagement an der Hochschule Bremen, hält als Top-referent den ersten großen Vortrag im Rahmen des Wintersemesters im Studium Generale am Montag, 14. Oktober, 19 Uhr.
In der Regel ist das Gefühl von Sicherheit sehr subjektiv und steht in keiner Korrelation zu tatsächlichen Bedrohungen. Die Akzeptanz von Risiken ist in erster Linie vom Grad der subjektiv eingeschätzten Selbst- bzw. Fremdbestimmtheit abhängig. Ein Beispiel: Der Beifahrer „fühlt“ im Auto das Risiko intensiver als der Fahrer. Wenn komplexe, risikoreiche Aufgaben unter Zeitdruck im Zusammenspiel von Mensch(en) und Technik bewältigt werden müssen, liegt der wichtigste Schlüssel zur Erhöhung der Sicherheit in einer "Verhaltensoptimierung" der Menschen und einer Optimierung der Organisationsabläufe. Durchdachte SOP (Standard Operating Procedures), Training (Simulation von Risikosituationen), mentales Training und Wiederholungstraining sind eine Grundvoraussetzung für hohe menschliche Leistungsfähigkeit. Gegenseitige Überwachung – in einem optimalem Hierarchiegefälle – die Fähigkeit aktiv und passiv mit Kritik umzugehen und die Akzeptanz der eigenen Fehlerhaftigkeit sind Grundvoraussetzung für gute Teamarbeit. Defizite in der Teamzusammenarbeit wirken auf das Bedrohungsgemisch aus Arbeitsfehler und Komplikation wie ein Turbolader.
Der gesunde Menschenverstand ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Umgang mit komplexer Technik. Im realen Leben muss in vielen Fällen an einer Stelle des Arbeitsablaufes vom vorher festgelegten (programmierten) Weg abgewichen werden. Um die tatsächliche Arbeitsqualität bewerten und um Systemschwachstellen erkennen und beheben zu können, benötigt eine Organisation ein non-punitives Meldesystem: Analog zum Beichtgeheimnis der Kirche ist der Meldende vor jeglicher Sanktion geschützt und kann angstfrei seine Erfahrungen schildern.
Capt. Manfred Müller geht in seinem Vortrag am Montag, 14. Oktober, 19 Uhr denn auch näher auf die folgenden Fragen ein: Welche Faktoren haben wiederholt zu schweren Unfällen in der zivilen Luftfahrt geführt? Was hat man im Luftfahrt-Sicherheits-Management daraus gelernt? Welche Maßnahmen wurden zur Risikoreduzierung ergriffen? Haben sich diese bewährt, wo sind Korrekturen erforderlich? Lassen sich diese Konzepte auf den allgemeinen (Arbeits-)Alltag übertragen? Welche Rolle spielt der Mensch in einem HITEC-Umfeld? Wie werden Systemschwachstellen in einem Flugbetrieb identifiziert?
Termin: Montag, 14. Oktober 2013
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Ort: Aula der Hochschule Aalen, Beethovenstraße 1
Zum Referenten:
Nach fünf Semestern Physik- und Mathematik-Studium begann Manfred Müller seine Ausbildung zum Berufsflugzeugführer an der Lufthansa-Flugschule in Bremen und Phoenix, USA. Im Anschluss war er als Erster Offizier auf den Flugzeugmustern B737, B747 und A340 tätig. Müller absolvierte als Referent der Flugsicherheitsabteilung eine Ausbildung zum Flugunfalluntersucher an der University of Southern California. 1995 wurde er zum stellvertretenden Sicherheitspiloten der Lufthansa ernannt. Seit 2002 hatte er die Leitung des Bereiches Flugsicherheit des Unternehmens inne. 2007 erfolgte die Ernennung zum Trainings- und Check-Kapitän auf Flugzeugen des Typs Airbus 330 und 340. Im Jahre 2010 wurde Manfred Müller vom Vorstand zum Leiter der Flugsicherheitsforschung des Lufthansa Konzerns ernannt. Seit 2009 leitet Müller ein interdisziplinäres Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie unter der Projektträgerschaft des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), zum Thema „quantitative Ermittlung und Bewertung von Flugsicherheitsrisiken“ (Safety Performance Indicators). Bei diesem Projekt geht es darum, Flugunfallrisiken und die Wirksamkeit von Abwehrmaßnahmen mit Hilfe statistischer Methoden genauer zu erfassen und zu bewerten. Ausgehend von einem definierten Sicherheitsziel (Acceptable Level of Safety, ALoS) wird das aktuelle Sicherheitsniveau gemessen und – sofern erforderlich – durch entsprechende Maßnahmen korrigiert. Die hierbei entwickelten grundsätzlichen Vorgehensweisen lassen sich auch auf andere Branchen übertragen.
Manfred Müller beschäftigt sich seit 1995 auch mit dem Thema „Risikomanagement in der Medizin“ und entwickelt hierfür Seminare für medizinisches Personal. Seit 2002 wurde die Seminar- und Vortragstätigkeit auf zusätzliche Branchen ausgeweitet. Neben dem Bergbau, der Kraftwerkstechnik, der Ölindustrie und dem Maschinenbau gehören auch das Bankenwesen und allgemeine Aspekte der strategischen Unternehmensführung zum Themenspektrum. Neben seiner Tätigkeit bei der Deutschen Lufthansa ist Manfred Müller Dozent für Risikomanagement an der Hochschule Bremen.
Weitere Informationen:
http://www.htw-aalen.de/sg
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