Wissenschaftsrat: Vier Entscheidungen im Verfahren der Institutionellen Akkreditierung
Auf seinen Sommersitzungen hat der Wissenschaftsrat vier Verfahren der Institutionellen Akkreditierung und Reakkreditierung – im Einzelnen der Provadis School of International Management and Technology in Frankfurt a. M., der Hochschule Weserbergland, Hameln, der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften (AH), Berlin, sowie der Fachhochschule Dresden (FDH) – beraten. In drei Fällen gelangte er zu einer positiven und in einem Fall zu einer negativen Entscheidung. Die Ergebnisse im Einzelnen:
Die Provadis School of International Management and Technology in Frankfurt a. M. wird vom Wissenschaftsrat für fünf Jahre institutionell reakkreditiert.
Die Provadis Hochschule wurde 2003 gegründet und 2010 unbefristet staatlich anerkannt. Sie bietet ihren 938 Studierenden an den drei Fachbereichen Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und Chemieingenieurwesen fünf Bachelor- und zwei Masterstudiengänge in dualer bzw. berufsbegleitender Form an. Hauptstandort der Hochschule ist Frankfurt a. M.; einzelne Studiengänge werden auch in Berlin, Bonn und Darmstadt angeboten. Der Wissenschaftsrat bescheinigt der Provadis Hochschule insgesamt eine positive Entwicklung seit der Erstakkreditierung. Besonders gewürdigt werden unter anderem das schlüssige Leitbild und Profil der Hochschule, die sich als die Hochschule der Industrie für berufstätige Studierende versteht, die Höhe der eingeworbenen Drittmittel sowie der für die Größe der Hochschule beachtliche akademische Mittelbau. Verbesserungsbedarf wird hingegen bei der Ausstattung mit professoralem Personal sowie bezüglich der Entwicklung des Standorts Berlin konstatiert. Zudem müssen die Forschungsaktivitäten unter anderem durch Einrichtung eines Forschungsbudgets gesteigert und die Bibliotheksausstattung verbessert werden. Die Reakkreditierung ist daher mit mehreren Auflagen verbunden.
Die Hochschule Weserbergland, Hameln, wird vom Wissenschaftsrat ebenfalls für fünf Jahre institutionell reakkreditiert.
Die Hochschule Weserbergland ist aus einer 1989 gegründeten Berufsakademie hervorgegangen und seit 2010 als Fachhochschule staatlich anerkannt. Das Studienangebot umfasst mittlerweile duale und berufsbegleitende Bachelorstudiengänge in den Bereichen Betriebswirtschafslehre, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen sowie einen berufsbegleitenden Masterstudiengang General Management. Aus Sicht des Wissenschaftsrates hat die Hochschule den Übergang von einer Berufsakademie zu einer Hochschule erfolgreich absolviert und in den ersten Jahren ihres laufenden Hochschulbetriebs mit Ausnahme der Etablierung eines Fachbereichs Gesundheit alle im Rahmen der Erstakkreditierung formulierten Entwicklungsziele realisiert. Der Wissenschaftsrat bescheinigt der Hochschule Weserbergland weitgehend hochschulförmige Leitungs- und Entscheidungsstrukturen. Besonders gewürdigt werden unter anderem ihr schlüssiges Profil als Hochschule für Praxisintegration, die Vertiefungsrichtungen der Studienangebote im Bachelorbereich und das bestehende Anreizsystem für Forschung. Verbesserungsbedarf besteht hingegen hinsichtlich der Personalausstattung im ingenieurwissenschaftlichen Bereich sowie in einer Stärkung der akademischen Selbstverwaltungsstrukturen. Die Reakkreditierung ist daher mit zwei Auflagen verbunden.
Die Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften (AH), Berlin, wird vom Wissenschaftsrat unter einer Voraussetzung für drei Jahre institutionell akkreditiert.
Die AH wurde im Jahr 2009 gegründet und im selben Jahr befristet staatlich anerkannt. Sie bietet vier Bachelor-Studiengänge in den Bereichen Pflege und Bevölkerungsschutz an. Der Wissenschaftsrat bewertet die Leistungsbereiche Forschung und Lehre als angemessen entwickelt. Zugleich erkennt er den zentralen Anspruch der AH an, einen Beitrag zur Professionalisierung und Akademisierung der Bereiche Pflege und Bevölkerungsschutz zu leisten, und würdigt die Öffnung der AH für Berufstätige und Auszubildende sowie ihr spezifisch auf diese Gruppen ausgerichtetes Studienangebot. Der Wissenschaftsrat stellt allerdings gravierende Mängel im Bereich der Verwaltung fest, die sich auch auf andere Bereiche der Hochschule nachteilig auswirken. Er macht daher die Professionalisierung der Hochschulverwaltung zur Voraussetzung für die Wirksamkeit der positiven Akkreditierungsentscheidung. Zur Sicherung der Wissenschaftsfreiheit und der Funktionsfähigkeit der Hochschule hat der Wissenschaftsrat außerdem verschiedene Auflagen zur Änderungen der Grund- und Berufungsordnung ausgesprochen.
Im Fall der Fachhochschule Dresden (FHD) hat der Wissenschaftsrat sich gegen eine positive Reakkreditierung ausgesprochen.
Die Hochschule, die ihre staatliche Anerkennung im Jahre 2010 erhielt, bietet ihren 446 Studierenden primärqualifizierende Studiengänge mit den thematischen Schwerpunkten Business Administration, Tourismus und Event Management, Sozialpädagogik und Management, Pflege‐ und Gesundheitsmanagement sowie Mode‐ und Grafikdesign an. Der Wissenschaftsrat stellt fest, dass die FHD über alle Prüfbereiche hinweg zahlreiche Defizite aufweist, die in der Summe so schwerwiegend sind, dass die Hochschulförmigkeit der Einrichtung nicht sichergestellt ist. Die Leitungsstruktur der Hochschule liegt unterhalb der Erwartungen an eine akademische Einrichtung, da sie die Freiheit von Lehre und Forschung nicht institutionell abzusichern vermag. Die mehrfachen Wechsel im Studienangebot, eine in einzelnen Bereichen unterkritische Personalausstattung, das Fehlen eines Forschungsanreizsystems sowie ein defizitäres Dokumentations- und Berichtswesen zeugen insgesamt von einem mangelnden Verständnis für Hochschulförmigkeit. Aufgrund der zahlreichen Monita, die nicht durch Voraussetzungen und Auflagen zu heilen sind, stellt der Wissenschaftsrat fest, dass die Fachhochschule Dresden den Maßstäben einer Hochschule derzeit nicht entspricht.
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/4694-15.pdf - Provadis School of International Management and Techology (Drs. 4694-15)
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/4696-15.pdf - Hochschule Weserbergland, Hameln (Drs. 4696-15)
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/4697-15.pdf - Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften (Drs. 4697-15)
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/4695-15.pdf - Fachhochschule Dresden (Drs. 4695-15)
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