Innovationspotenzial im Mittelstand liegt brach
EFI: Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wenig innovativ – Einführung einer steuerlichen Innovationsförderung notwendig – Fachkräftemangel und Finanzierung werden zu Innovationshemmnis – Bedingungen für Start-up-Finanzierung verbessern.
In ihrem neuen Jahresgutachten, das am 17. Februar der Bundeskanzlerin in Berlin übergeben wurde, behandelt die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) die Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und ihre Innovationsleistungen. KMU werden gemeinhin als eine der besonderen Stärken der deutschen Volkswirtschaft bezeichnet. Dabei wird vor allem auf ihre große Bedeutung für Beschäftigung und Innovation verwiesen. Aber, so präzisiert Prof. Monika Schnitzer von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied der Expertenkommission, „dies gilt insbesondere für die Teilgruppe der sogenannten ‚Hidden Champions’, also der eher unbekannten, aber innovativen und besonders erfolgreichen Unternehmen, die zumeist zu den größeren KMU zu rechnen sind. Die Gesamtgruppe der KMU jedoch ist in ihrer Innovationsleistung deutlich schwächer.“
Prof. Uwe Cantner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ebenfalls Mitglied der Expertenkommission ergänzt, dass der Trend seit Jahren negativ sei. „Die Bereitschaft der KMU, in Innovationsaktivitäten wie auch in Forschungsprojekte zu investieren, hat seit Jahren abgenommen." Dies verdeutliche, dass hier inzwischen großer Handlungsbedarf bestehe. Auch der Vergleich mit dem Ausland gebe Anlass zur Sorge. „Die Innovationsausgaben der KMU in Deutschland sind geringer als in den Vergleichsländern“, so Prof. Cantner. Patentaktivitäten und Innovationserfolge deutscher KMU wiesen im internationalen Vergleich „ein gemischtes Bild“ auf: Während deutsche KMU bei der Häufigkeit der Produkt- oder Prozessinnovationen führten, erreichten sie bezüglich der Patentintensität und des Umsatzanteils mit neuen Produkten im europäischen Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld.
„Durch den Mangel an internen Finanzierungsquellen und den zunehmenden Mangel an Fachkräften liegt vorhandenes Innovationspotenzial von KMU in Deutschland brach“, so Prof. Cantner.
Prof. Schnitzer weiter: „In Deutschland werden nur 14 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) von KMU aus staatlichen Quellen finanziert. In den meisten Vergleichsländern, die neben der direkten Förderung auch über eine steuerliche FuE-Förderung verfügen, ist dieser Anteil mehr als doppelt so hoch.“ Bei dieser Förderung werde den Unternehmen eine Steuergutschrift proportional zur Höhe ihrer FuE-Ausgaben gewährt. Das Instrument stehe Unternehmen in den meisten OECD-Ländern zur Verfügung, Deutschland jedoch mache bislang hiervon noch keinen Gebrauch.
Die Expertenkommission unter Vorsitz von Prof. Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb setzt sich bereits seit einiger Zeit nachdrücklich für die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung in Deutschland ein. Sollten Budgetrestriktionen im Bundeshaushalt nur eine begrenzte steuerliche Förderung ermöglichen, könne sie zunächst vornehmlich für KMU oder mit einer Begrenzung der Fördersumme eingesetzt werden. Prof. Schnitzer: „Die Bundesregierung muss hier endlich handeln.“
Um die Finanzierungssituation von KMU zu verbessern, empfiehlt die Expertenkommission:
Die bisher verwendeten Förderinstrumente sollten um die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung unter besonderer Beachtung der KMU-Belange ergänzt werden.
Um die Rahmenbedingungen für Wagniskapital (als Eigenkapital zur Verfügung gestellte Mittel für Existenzgründer und junge Unternehmen) und damit die Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen zu verbessern, müssen endlich die im Koalitionsvertrag 2013 angekündigten gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden. Dabei sollte das Hauptaugenmerk der Politik darauf liegen, die private Finanzierung von Unternehmensgründungen zu erleichtern.
Abschließend weist Prof. Schnitzer darauf hin, dass „im Zuge der demografischen Entwicklung und der Wissensintensivierung der Wirtschaft der Fachkräftemangel zunehmend zu einem Innovationshemmnis zu werden droht. Das Angebot an Fachkräften ist insgesamt zu erhöhen. Politik, Kammern und Verbände sollten ihre Unterstützungsmaßnahmen für KMU, die ausländische Fachkräfte rekrutieren, intensivieren und eine entsprechende Informationskampagne für KMU in Deutschland starten.“
Weitere Informationen:
http://tinyurl.com/EFI-2016
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