"sprachhaus buchkammer" – Marcel Beyer und Peer Trilcke im Gespräch über Thomas Klings Bibliothek
Am Mittwoch, 9. November, um 19.30 Uhr sprechen Marcel Beyer, Schriftsteller und Träger des diesjährigen Georg-Büchner-Preises, und der Potsdamer Literaturwissenschaftler Peer Trilcke im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums in Weimar über die Bibliothek des Lyrikers und Essayisten Thomas Kling. Die Veranstaltung findet im Rahmen der internationalen Tagung "Autorschaft und Bibliothek" statt, die der Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) vom 8. bis 10. November 2016 in Weimar veranstaltet.
Der „Bücherschrank“ seines Großvaters könne – so hat der 2005 verstorbene „Sprachinstallateur“ Thomas Kling bemerkt – als „Schibboleth“ seiner Autorschaft gelten. Gleiches lässt sich über die etwa 5.500 Bände umfassende Privatbibliothek sagen, die Kling neben den ererbten Büchern des Großvaters im Laufe seines Lebens zusammentrug, in die er sich einschrieb, aus der er, mit charakteristischen Exkursen und Exkursionen, sein literarisches Werk erarbeitete. Wie aber geht man mit einer solchen, einst lebendigen, doch nun vom Autor verlassenen Bibliothek um? Wie liest sich das literarische Werk mit und in ihr? Wie überhaupt liest man eine Bibliothek?
An Fotos und Gedichten entlang werden Marcel Beyer, enger Freund Thomas Klings und Mitherausgeber von dessen „Gesammelten Gedichten“ (2006), und der Potsdamer Literaturwissenschaftler Peer Trilcke, der für seine Dissertation „Historisches Rauschen“ (2012) in der Nachlassbibliothek Klings auf der ehemaligen Raketenstation Hombroich forschte, Wege und Irrwege durch dieses „sprachhaus“, diese „buchkammer“ suchen. Sie werden von ihren Arten der Begegnung mit Klings Bibliothek berichten, werden sich an Fundstücken aufhalten, in Lesespuren wie in Texten verzetteln – und sich dabei fragen, was wir uns eigentlich davon versprechen, eine Nachlassbibliothek zu lesen.
Marcel Beyer, geboren 1965, lebte bis 1996 in Köln, seitdem in Dresden. Vier Romane (zuletzt „Kaltenburg“, 2008), Gedichtbände (zuletzt „Graphit“, 2014), Essays (zuletzt „Sie nannten es Sprache“, 2016). Im Februar 2017 erscheint „Das blindgeweinte Jahrhundert. Bild und Ton“. Für sein literarisches Werk wurde Beyer vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Georg-Büchner-Preis 2016. 1984 erste Begegnung mit dem Werk von Thomas Kling („Literaturtelefon“!), vier Jahre später erste Begegnung mit Thomas Kling, Freundschaft seit 1996. Nach Klings Tod 2005 gemeinsam mit dessen Frau Ute Langanky allererste, grobe Sichtung des Nachlasses, 2006 mit Christian Döring Edition einer ersten Sicherung, „Gesammelte Gedichte“ von Thomas Kling.
Peer Trilcke, geboren 1981, Studium in Kiel, von 2006 bis 2016 Doktorand, Postdoktorand und Vertretungsprofessor am Lehrstuhl für Neuere deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft von Heinrich Detering an der Universität Göttingen. Seit April 2016 Juniorprofessor für deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts an der Universität Potsdam. Im April 2017 wird er die Leitung des Theodor-Fontane-Archivs in Potsdam übernehmen. Für seine Dissertation „Historisches Rauschen. Das geschichtslyrische Werk Thomas Klings“ (2012), ausgezeichnet mit dem Christian-Gottlob-Heyne-Preis, hat er im Nachlass und in der Nachlassbibliothek Klings geforscht. Er ist Mitherausgeber des Sammelbandes „Das Gellen der Tinte. Zum Werk Thomas Klings“ (2012) und des Kompendiums „Geschichtslyrik“ (2013). Demnächst erscheint der Tagungsband „Phänomene des Performativen in der Lyrik“ (2017).
Das Gespräch zwischen Marcel Beyer und Peer Trilcke findet im Rahmen der internationalen Tagung „Autorschaft und Bibliothek. Sammlungsstrategien und Schreibverfahren“ statt, die der Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel vom 8. bis 10. November 2016 im Goethe-Nationalmuseum in Weimar veranstaltet. Die Tagung widmet sich der Arbeit von Autorinnen und Autoren mit ihren Büchern von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Sie öffnet den Raum für konkrete Rekonstruktionen und Befragungen dieser Arbeit, nimmt aber auch zeitliche und mediale Umbrüche in den Blick, die für den Status der Autorenbibliothek im Zusammenhang literaturwissenschaftlicher, wissenschafts- und ideengeschichtlicher Forschung entscheidend sind.
Im Forschungsverbund MWW haben sich im Herbst 2013 das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Klassik Stiftung Weimar und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel zusammengeschlossen. Ziel von MWW ist es, die Sammlungen dieser drei Einrichtungen durch gemeinsame Forschungsprojekte, Tagungen und Ausstellungen national wie international noch stärker in den Fokus von Wissenschaft und Öffentlichkeit zu rücken und dadurch der geisteswissenschaftlichen Forschung zukunftsweisende Impulse zu geben.
Veranstaltungsdaten:
„sprachhaus buchkammer“ – Marcel Beyer und Peer Trilcke im Gespräch über Thomas Klings Bibliothek
9. November 2016 | 19.30 Uhr
Goethe-Nationalmuseum | Festsaal
Frauenplan 1 | 99423 Weimar
Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.
Kontakt Presse Forschungsverbund MWW:
Nicole Alexander
Tel.: +49 (0)30 89001-453
E-Mail: nicole.alexander@mww-forschung.de
Kontakt Presse Klassik Stiftung Weimar:
Franz Löbling
Tel.: +49 (0)3643 545-113
E-Mail: franz.loebling@klassik-stiftung.de
Weitere Informationen:
http://www.mww-forschung.de/veranstaltungen
Die semantisch ähnlichsten Pressemitteilungen im idw
