Falsche Steuerung – schlechteres Outcome – höhere Kosten
Die Gesundheitsausgaben für herzkranke Diabetiker sind höher, als wenn man die Summe der Ausgaben für Diabetes und Herzerkrankungen zusammenzieht. Dies ist ein Indikator für Versorgungsprobleme im System.
Rund 16 Mrd. an direkten Kosten werden jährlich für Diabetes ausgegeben. Nicht der Patient ohne Komplikationen sei das Problem, sondern der Diabetiker mit kardiovaskulärer Komorbidität, sagte Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jürgen Wasem vom Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen beim Pressegespräch der Stiftung DHD in Berlin. Die Interaktion von Diabetes und Herzerkrankung exponenziere das Risiko. „Für die gesetzlichen Krankenkassen ist das ein riesiger Kostenblock. 1,8 Mio. Patienten in Deutschland sind betroffen.“ Hier würden die Kosten je nach Morbiditätsgruppe im Schnitt bei 20000 bis 21000 Euro im Jahr liegen. „Dass ein gesetzlich Versicherter mit Diabetes und Herzproblem deutlich teurer ist als ein Patient, der nur eines von beidem hat, ist ein Indikator für Versorgungsprobleme im System.“ Es werde zu viel Geld für eine schlechte Versorgung ausgegeben. Die indikationsübergreifende Steuerung müsse verbessert werden. Wenn aus Anreizgründen nicht getan werde, was erforderlich sei, gebe es auch ein ethisches Problem. Dann müsse man primär mit der Konsequenz leben, ein schlechteres Outcome zu produzieren. Das werde langfristig zu mehr Folgekosten führen und kurzfristige Einsparungen überlagern.
Der herzkranke Diabetiker sei ein typisches Beispiel der Unterversorgung in der Überversorgung. „Was bei ihm notwendig ist, kommt trotz gesicherter Datenbasis in der Versorgung nicht an“, kritisierten Endokrinologe Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe und Kardiologe Prof. Dr. Wolfgang Motz von der Stiftung DHD. Da würden Leitlinien als Empfehlung zur gemeinsamen Behandlung, die auf große Zustimmung bei Medizinern stoßen, auch nach Jahren noch nicht umgesetzt. Der herzkranke Diabetiker sei ein Patient, der nicht in eine Tätigkeitsschublade allein passe. Hier brauche es mehr Verknüpfung und eine bessere Allokation der ärztlichen Disziplinen.
„Beide Erkrankungen existieren nicht parallel nebeneinander, sie verstärken sich gegenseitig. Sie sind auf mechanistischer Ebene miteinander vernetzt, weil die Pathomechanismen gemeinsam zutreffen“, ergänzte Prof. Dr. Dr. Wolfram Döhner von der Charité Berlin. Wenn nur allein bei herzinsuffizienten Patienten die metabolische Situation im Detail angeschaut werde, dann sehe man unter Laborbedingungen bei etwa 70 Prozent der Herzinsuffizienten Auffälligkeiten im Glukosestoffwechsel. Bei der Hälfte der Patienten könne Diabetes diagnostiziert werden, die andere Hälfte werde in den nächsten Jahren die Stoffwechselstörung entwickeln.
Mit Sorgfalt um herzkranke Diabetiker kümmern, das forderte auch der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, in Berlin. Die Allokation der Mittel sollte so stattfinden, dass man sagen kann, es werde gute Medizin gemacht, stellte Reinhardt klar. Ratsam sei, vorurteilsfrei miteinander zu diskutieren und von der Notwendigkeit vernünftiger und effizienter Versorgung zu kommen, nicht immer gleich mit dem Ansatz, dass mehr Geld benötigt werde. „Wir müssen uns konzertiert auf den Weg machen seitens der Ärzteschaft, auch begleitend, informierend und nicht intervenierend. Wenn wir es nicht tun, werden Kosten auf uns zu kommen, die schwierig zu stemmen sein werden.“
Konzertiert auf dem Weg gemacht haben sich im letzten Jahr schon die AHA (American Heart Association) und die ADA (American Diabetes Association). "Know Diabetes by Heart" heißt die strategische Allianz, die auf die enge Verbindung Herz und Diabetes hinweist und das Ziel hat, Patienten und Ärzte zu informieren.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
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Vorsitzender der Stiftung DHD
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E-Mail: info@stiftung-dhd.de
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