Weiterbildung: Viele Menschen sind über Förderungen nicht informiert
JLU-Forschungsteam untersucht Einstellungen zum Lebenslangen Lernen
Fortbildungen ermöglichen eine berufliche und private Weiterentwicklung. Doch viele Menschen in Deutschland sind über die Förderung von Weiterbildungen nicht informiert, wie eine aktuelle Studie aus der Erziehungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zeigt. Dabei gibt es in zwölf Bundesländern Bildungszeitgesetze, die eine Weiterbildung zeitlich möglich machen. Rund 500.000 Menschen pro Jahr beanspruchen ihr Recht auf Bildungszeit bzw. Bildungsurlaub. Die Studie zeigt, dass vor allem subjektive Einstellungen, das soziale Umfeld, schulische und berufliche Abschlüsse sowie das Haushaltseinkommen die Sicht auf Weiterbildung beeinflussen. Insbesondere bei Frauen spielt die Finanzierbarkeit einer Bildungszeit eine Rolle für die Inanspruchnahme von Weiterbildungen.
In dem Projekt „Einstellungen zum Lebenslangen Lernen in der Bevölkerung“ (EIBE) unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Käpplinger, Professur für Weiterbildung an der JLU, hat das Forschungsteam 3.122 Menschen zwischen 18 und 67 Jahren in Deutschland für das Jahr 2024 befragt. Dabei wurden den Befragten unter anderem verschiedene Situationsbeschreibungen vorgelegt, um herauszufinden, für welche Weiterbildungen sie sich interessieren würden. Die Befragung erfolgte unter Mitarbeit von Dr. Martin Reuter und Caroline Dietz und in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Verian (Frauke Bilger und Rita Reimer); die Hans-Böckler-Stiftung hat das 18-monatige Forschungsprojekt gefördert. Dabei kam heraus, dass fast 60 Prozent der Menschen gar nicht wissen, welche öffentlichen Weiterbildungsförderungen es in Deutschland bereits gibt. Nur 34 Prozent der Befragten waren korrekt informiert.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass allgemein und zielgruppenspezifisch mehr Werbung für Weiterbildung gemacht werden müsste und dies möglichst konkret“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Bernd Käpplinger. „Das bedeutet: Die Menschen benötigen weniger allgemeine Hinweise auf eine Internetseite oder Plattform, sondern konkrete Hilfe, was sie zum Beispiel tun können, wenn ihre Stelle durch KI wegrationalisiert wird.“ Die Studie zeigt auch, dass insbesondere Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund sehr weiterbildungsinteressiert sind und überwiegend positive Einstellungen zu Weiterbildungen haben.
Ein weiteres Ergebnis: Die finanzielle Verantwortung für Weiterbildung sehen die Befragten insbesondere beim Arbeitgeber, aber auch beim Staat. Dies betrifft vor allem Frauen: „Erwerbstätige Frauen nehmen fast doppelt so häufig wie Männer an berufsbezogenen Weiterbildungen teil, die sie meist selbst finanzieren müssen. Sie wünschen sich mehr finanzielle Unterstützung sowie mehr Information und Beratung“, so Prof. Käpplinger. „Staatliches und betriebliches Handeln ist hier gefragt, wobei auch zu klären wäre, wie viele Menschen eine Weiterbildung nicht zahlen können – oder nicht dazu bereit sind.“
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernd Käpplinger
Professur für Weiterbildung
Institut für Erziehungswissenschaft
E-Mail: bernd.kaepplinger@erziehung.uni-giessen.de
Originalpublikation:
Käpplinger, B., Reuter, M., Dietz, C., Bilger, F. & Reimer, R. (2026). Einstellungen zum Lebenslangen Lernen in der Bevölkerung – Sichtweisen auf Weiterbildung, Teilnahme an Weiterbildung. Working Paper 392. Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf.
https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?produkt=HBS-009316
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