Smart Contracts im Gerichtslabor: Simulationsstudie eines Präzedenzfalls wird veröffentlicht
Lange bevor der erste echte Fall ansteht, zeigt ein Präzedenzfall auf, wie Gerichte und IT-Sachverständige in Zukunft automatisierte Vertragsschlüsse beurteilen können. Forschung und Praxis haben hierfür ein Gerichtsverfahren für die Industrie 4.0. simuliert. Am 18. März stellt das Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes unter Leitung von Professor Georg Borges um 15 Uhr in Frankfurt am Main die Simulationsstudie „Smart Contracts“ vor. Medien und Interessierte sind eingeladen. Die Veranstaltung wird online live übertragen.
Das Ergebnis einer ungewöhnlichen Gerichtsverhandlung stellt das Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes gemeinsam mit Partnern der Plattform Industrie 4.0 am 18. März vor. Den zugrunde liegenden Fall gibt es noch gar nicht in der realen Welt. Doch vergleichbare Fälle werden kommen. Verträge, die ohne menschliches Zutun entstehen, werden schon bald zum Alltag vieler Unternehmen gehören: Maschinen bestellen Ersatzteile, organisieren Transporte oder veranlassen Reparaturen. Dabei wird absehbar einiges schiefgehen. Dann stellt sich die Frage: Wer trägt die Verantwortung? Genau hierum dreht sich die Simulationsstudie.
Das Team unter Leitung von Professor Georg Borges hat einen vollständigen Gerichtsprozess nachgestellt. Beteiligt waren echte Richter, echte Anwälte und echte Sachverständige. Das Verfahren fand vor dem fiktiven „Landgericht Südlingen“ statt, das nur für diese Studie geschaffen wurde. Der Fall wurde von Anfang bis Ende so behandelt, als ginge es um einen echten Rechtsstreit: ein Labor für die Digitalisierung der Industrie. Ein solches Experiment hat es in Deutschland bislang noch nicht gegeben.
Mit der Simulationsstudie kann die Praxis Risiken und Lösungen anschaulich nachvollziehen. Im Mittelpunkt des Verfahrens standen automatisierte Verträge, die künftig über Onlineplattformen abgeschlossen werden: Maschinen verhandeln dabei mit Maschinen und treffen Absprachen, beanstanden Mängel, lösen Bestellungen oder Zahlungen aus. Die Simulationsstudie veranschaulicht, wie ein Gericht dabei Streitfälle prüfen kann. Die Dokumentation des Verfahrens umfasst mehrere hundert Seiten sowie Filmaufnahmen der simulierten Verhandlung. Auch ein Kurzfilm wurde erstellt.
Die Studie wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unterstützt. Sie ist Teil des Projekts „Industrie 4.0 Legal Testbed“, das ebenfalls vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird.
Die Veranstaltung in Frankfurt am Main (Thurn-und-Taxis-Platz 6) wird am 18. März ab 15 Uhr online live übertragen. Eine Teilnahme ist nach Anmeldung vor Ort und online möglich. Die Veranstaltung richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, und alle, die sich mit digitaler Produktion, automatisierten Abläufen oder den Folgen für rechtliche Standards beschäftigen.
Anmeldung per E-Mail an: jonesday.frankfurt.invite@jonesday.com
Weitere Informationen unter https://simulationsstudie.rechtsinformatik.saarland
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Georg Borges: 0681/302-3105; E-Mail: ls.borges@uni-saarland.de
Weitere Informationen:
https://simulationsstudie.rechtsinformatik.saarland - Simulationsstudie Smart Contracts
https://www.rechtsinformatik.saarland - Institut für Rechtsinformatik
https://legaltestbed.org - Projekt „Industrie 4.0 Legal Testbed“
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