25 Jahre Frauen, Frieden und Sicherheit: Versprechen, Rückschläge und feministische Perspektiven
Neuer Sammelband zum aktuellen Stand, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der UN-Agenda erschienen
Frankfurt am Main, 12. März 2026: 2025 jährte sich zum 25. Mal die Verabschiedung der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrats zu Frauen, Frieden und Sicherheit (WPS). Aus diesem Anlass widmete das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) der WPS-Agenda eine Blog-Reihe, die nun als E-Book verfügbar ist. Das Buch vereint Beiträge von Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Künstler*innen und bietet eine einzigartige Vielfalt an Perspektiven auf den Stand der Agenda in Zeiten des globalen anti-feministischen Backlashs.
Entstanden durch jahrelangen Druck von Zivilgesellschaft und Frauenrechtsaktivistinnen, legte Resolution 1325 den Grundstein für eines der sichtbarsten Rahmenwerke zur Förderung der Geschlechtergleichstellung in globalen Friedens- und Sicherheitsinstitutionen – die WPS-Agenda: Auf Resolution 1325 folgten neun weitere Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, mehr als 100 nationale Aktionspläne und eine breite Übernahme der Agenda durch regionale Organisationen wie die EU und die Afrikanische Union. Heute steht die WPS-Agenda jedoch zunehmend unter Beschuss: Mehrere Staaten haben ihre Aktionspläne nicht verlängert oder ihren vollständigen Rückzug aus den entsprechenden Verpflichtungen angekündigt. Besonders deutlich wurde das durch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der im April 2025 ankündigte, das WPS-Programm seines Ministeriums abzuschaffen. Diese Entwicklung spiegelt den gegenwärtigen Umbruch der globalen Ordnung wider, der sich durch illiberalen Backlash, den Aufstieg rechtsextremer Regierungen und den zunehmenden Einfluss antifeministischer Bewegungen äußert. Gleichzeitig räumen westliche Regierungen zunehmend der Militarisierung Vorrang vor multilateraler Zusammenarbeit ein – mit schwerwiegenden Folgen für die internationale Friedensagenda und die politische und finanzielle Unterstützung feministischer Friedensarbeit.
Herausgegeben von Clara Perras und PD Dr. Simone Wisotzki, untersucht „25 Years of Women, Peace and Security: Promises, Backlash, and Feminist Reimagining” die Wissenssysteme, die sich rund um die WPS-Agenda entwickelt haben. Das E-Book beinhaltet Fallstudien, Berichte und Interviews von 20 Mitwirkenden, die von dekolonialer Kritik an der Umsetzung der Agenda bis hin zu ihrer Institutionalisierung eine Bandbreite an Fragestellungen abdecken. Darüber hinaus befassen sich die Beiträge mit dem gegenwärtigen anti-feministischen Backlash und reflektieren, wie die WPS-Agenda neu gedacht werden kann, um ihr transformatives Potenzial in einer sich schnell verändernden Welt zu verwirklichen.
Während eines Webinars zur Buchveröffentlichung am 10. März erläuterte Mitherausgeberin Clara Perras die Idee hinter der Reihe:
„Als sich letztes Jahr der Jahrestag der Resolution 1325 näherte, fragten wir uns: Was bedeutet die WPS-Agenda heute – in einer sich wandelnden und zunehmend militarisierten Weltordnung? Mit dieser Blog-Reihe wollten wir daher einen Raum schaffen, um kritisch über die WPS-Agenda nachzudenken – über ihre Erfolge, aber auch über ihre Grenzen, ihre Zukunftsvisionen und Möglichkeiten.“
Toni Haastrup, feministische Friedensforscherin und Inhaberin des Lehrstuhls für Globale Politik an der Universität Manchester, hob die wertschätzende Haltung der Beiträge gegenüber der WPS-Agenda hervor und betonte insbesondere die hoffnungsvolle Perspektive des E-Books:
„Durch das E-Book habe ich mich mit meinem Unbehagen gegenüber der Idee auseinandergesetzt, dass WPS am Ende sei. Denn ich denke, dass die Aussage ‚WPS ist am Ende‘ bedeutet, die Arbeite derjenigen zu missachten, die überhaupt erst zur Resolution des Sicherheitsrats geführt haben. Das soll nicht leugnen, dass die WPS-Agenda in einigen Fällen verwässert wurde oder dass wir uns zunehmend mit ihrer Militarisierung abzufinden scheinen – aber das ist nicht das letzte Wort zu WPS. Es gibt noch viel Raum für Hoffnung.“
Pressekontakt
Helen Breunig
Volontärin Wissenschaftskommunikation
PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
Telefon: +49 69 959104-65
presse(at)prif.org
Über das Buch
Der Sammelband „25 Years of Women, Peace and Security: Between Promises, Backlash, and Feminist Reimagining“ basiert auf der gleichnamigen PRIF-Blog-Reihe und ist Teil der PRIF-Blog-Reihe zu feministischer Friedensforschung: https://blog.prif.org/en/category/series/feminist-peace-research/
Das Buch ist frei zum Download verfügbar (Open Access, barrierefreies PDF): https://www.prif.org/fileadmin/Daten/Publikationen/Sonstige/Perras-Wisotzki_25-years-of-wps_eBook.pdf
Über PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
PRIF ist eines der führenden Friedensforschungsinstitute Europas. Es wurde 1970 als Stiftung öffentlichen Rechts gegründet und wird vom Land Hessen und der Bundesregierung finanziert. Ziel des Instituts ist es, die Ursachen internationaler und nationaler Konflikte zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Das Institut ist in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken aktiv. Seit 2009 ist das PRIF Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das PRIF verbindet interdisziplinäre Grundlagenforschung mit dem Transfer von Wissen in Politik, Medien und Gesellschaft.
Auf dem PRIF Blog veröffentlicht das Institut Artikel und Kommentare zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatten über Frieden und Sicherheit, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf wichtigen Themen und Regionen liegt, die in den Medien im Hintergrund stehen. Der PRIF Blog hat sich zum Ziel gesetzt, Forschung auf zugängliche und verständliche Weise zu präsentieren. Zu diesem Zweck werden alle Artikel von PRIF-Kolleg*innen begutachtet. https://www.prif.org/ | Blog: https://blog.prif.org/
Originalpublikation:
Perras, Clara; Wisotzki, Simone (eds) (2026): 25 Years of Women, Peace and Security. Promises, Backlash, and Feminist Reimagining, PRIF Blog Series on Feminist Peace Research, Frankfurt/M . DOI: https://doi.org/10.48809/25wps
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