Carl-Zeiss-Stiftung fördert Forschungsvorhaben
Am Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) in Jena, konnte im Januar 2026 eine neue Forschungsgruppe unter der Leitung des experimentellen Biologen Dr. Dennis de Bakker ihre Arbeit aufnehmen. Ermöglicht wurde dies durch das Programm Nexus der Carl-Zeiss-Stiftung, das Postdocs die Möglichkeit bietet, eine eigene interdisziplinäre Forschungsgruppe aufzubauen. Die Fördersumme beträgt bis zu 1,5 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren. Vorrangiges Ziel der Forschungsgruppe ist es, die Mechanismen der Gehirnalterung durch artenübergreifende Vergleiche aufzudecken.
Jena. Dem experimentellen Biologen Dr. Dennis de Bakker, spezialisiert auf die Alterung des Gehirns und neurodegenerative Erkrankungen, gelang es, sich in einem wettbewerblichen Verfahren des Nexus-Programms der Carl-Zeiss Stiftung mit seinem Projekt "Unveiling the mechanisms of brain aging through cross-species comparison" (“Aufdeckung der Mechanismen der Gehirnalterung durch artenübergreifende Vergleiche”) durchzusetzen.
Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson könnten bis zum Jahr 2050 weltweit bis zu 150 Millionen Menschen betreffen. Obwohl das Altern den wichtigsten Risikofaktor für die meisten dieser Krankheiten darstellt, sind die genetischen und molekularen Prozesse, die zur Alterung des Gehirns beitragen, bislang nur unzureichend verstanden. Diese Wissenslücke erschwert die Entwicklung effektiver Präventionsstrategien gegen altersbedingte neurodegenerative Erkrankungen erheblich.
Die Forschung von Dr. Dennis de Bakker zielt darauf ab, die genetischen und molekularen Mechanismen zu identifizieren, die die Gehirnalterung bei Wirbeltieren vorantreiben. “Zu diesem Zweck untersuchen wir, welche genetischen und molekularen Faktoren die Unterschiede in der Geschwindigkeit der Gehirnalterung zwischen eng verwandten Arten mit unterschiedlichen Alternsverläufen bestimmen”, sagt Dr. de Bakker. Diese Ergebnisse könnten als Basis für Strategien dienen, die darauf abzielen, die Gehirnalterung zu verlangsamen und das Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen beim Menschen hinauszuzögern.
“Unsere Arbeit konzentriert sich auf zwei Killifischarten: Nothobranchius kadleci, der eine langsame Gehirnalterung aufweist, und Nothobranchius furzeri, der eine schnelle Gehirnalterung zeigt.” Die kurze Lebensdauer von 4–9 Monaten sowie die ausgeprägten altersbedingten Gehirnphänotypen bei Nothobranchius furzeri, machen diese Art zu einem leistungsfähigen und gut handhabbaren Modellsystem.
„Mit einem Multi-Omics-Ansatz möchten wir genetische und molekulare Faktoren identifizieren, die entweder vor beschleunigter Gehirnalterung schützen oder ihr Fortschreiten fördern. Mithilfe von künstlicher Intelligenz und bioinformatischen Methoden untersuchen wir potenzielle Zielstrukturen für molekulare Interventionen – darunter Proteine oder genetische Loci –, die geeignet sein könnten, die Gehirnalterung zu verlangsamen“, erklärt Dr. de Bakker. Anschließend werden molekularbiologische und gentechnische Ansätze eingesetzt, um diese Ziele gezielt zu modulieren und die altersbedingten Veränderungen im Gehirn hinauszuzögern.
Welche Bedeutung es für Dennis de Bakker persönlich hat, diese Forschungsgruppe zu gründen, beschreibt er wie folgt: “Die Gründung meiner eigenen Forschungsgruppe war in den letzten 12 Jahren ein großes persönliches Ziel für mich. Ich bin der Carl Zeiss Stiftung und dem FLI zutiefst dankbar für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung bei der Verwirklichung dieses Ziels.”
“Dank meiner hervorragenden Teammitglieder und der bemerkenswerten Unterstützung durch Kollegen aus dem gesamten Institut, haben mir die ersten zwei Monate viel Freude bereitet. Wir freuen uns sehr darauf, unsere Arbeit aufzunehmen und Kooperationen innerhalb des FLI und darüber hinaus zu initiieren.”
Kontakt
Christel Werner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 03641-656374, E-Mail: presse@leibniz-fli.de
###
Hintergrundinformation
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena widmet sich seit 2004 der biomedizinischen Alternsforschung. Rund 350 Mitarbeiter aus ca. 40 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alternsprozessen und alternsbedingten Krankheiten. Näheres unter https://www.leibniz-fli.de/de/.
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der Leibniz-Wissenschafts-Campi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Die Leibniz-Institute unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Finanzvolumen liegt bei 2,3 Milliarden Euro. (www.leibniz-gemeinschaft.de).
Ähnliche Pressemitteilungen im idw