Studie zeigt: Neue Spritpreis-Regeln belasten Autofahrer
Politiker in Deutschland und Österreich wollen die hohen Spritpreise senken. Doch die diskutierten Modelle verfehlen ihr Ziel und verteuern das Tanken. Eine Studie der Universität Liechtenstein belegt dies. Die Verbraucher zahlen die Zeche.
Der Krieg im Nahen Osten treibt die Spritpreise in die Höhe. Ein Liter Diesel kostet oft über zwei Euro. Die Politik reagiert: Deutschland plant, das österreichische Modell zu übernehmen. Tankstellen dürfen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, aber jederzeit senken. Österreich verschärft diese Regel und erlaubt Erhöhungen nur dreimal pro Woche.
Oft heisst es, der Wissenschaft fehlten Daten zu solchen Eingriffen. Das stimmt nicht. Martin Angerer, Finanzexperte der Universität Liechtenstein, hat diese Preisregeln in einem Laborexperiment untersucht. Seine Studie „Regulation of Retail Gasoline Prices“ zeigt klar: Die diskutierte Preisbremse funktioniert nicht.
Warum das Modell scheitert
Dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, aber beliebig oft senken, starten die Betreiber morgens mit extrem hohen Preisen. So sichern sie sich Spielraum nach unten. Die Folge: Die Preise schwanken stärker als in einem freien Markt. Insgesamt steigen die Preise, und die Gewinne der Tankstellen wachsen – auf Kosten der Autofahrer. Angerer zeigt, dass dieses System Kunden benachteiligt.
Die Lösung: Ein fester Tagespreis schützt Verbraucher
Die Studie der Universität Liechtenstein bietet auch eine Lösung: das 24-Stunden-Preismodell, bekannt als „One Day Fixing“ (ODF). Western Australia wendet es bereits an.
Die Regel ist einfach: Tankstellen müssen ihren Preis einen Tag im Voraus festlegen. Er bleibt konstant für den nächsten Tag. Weder Erhöhungen noch Senkungen sind erlaubt.
Für die Anbieter bedeutet das ein Risiko. Wer morgens einen zu hohen Preis ansetzt, verliert Kunden. Der Tankstellen-Chef kann seinen Fehler nicht korrigieren, um Autofahrer mit Rabatten zurückzulocken.
Dieser Zwang wirkt. Er zwingt die Konzerne in echten Wettbewerb. Angerers Experiment zeigt: Im Vergleich zum unregulierten Markt sinken ihre Gewinne um durchschnittlich 54 Prozent. Was die Konzerne schmerzt, freut die Verbraucher: Kein anderes Modell schützt Autofahrer so wirksam vor Preistreiberei.
Ein drittes Modell, ein fester Preisdeckel, bringt laut der Untersuchung kaum Veränderungen zum freien Markt.
Experte steht für Interviews bereit
Martin Angerer steht Medienvertretern für Interviews und Erläuterungen zu seiner Studie und den politischen Vorschlägen zur Verfügung.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
https://www.uni.li/de/martin.angereruni
Originalpublikation:
https://dx.doi.org/10.1016/j.frl.2019.101331
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