Start des Forschungsprojekts CritSupPort - Neue Ansätze für resiliente Lieferketten bei eingeschränktem Hafenbetrieb
Wie kann die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern gesichert werden, wenn zentrale Häfen über längere Zeit nur eingeschränkt arbeiten können? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue Forschungsprojekt CritSupPort, das in diesem Monat gestartet ist. Ziel des Verbunds aus Forschungseinrichtungen und Praxispartnern ist die Entwicklung von Strategien und Verfahren, um kritische Lieferketten auch unter Krisenbedingungen stabil zu halten.
Häfen als kritische Knotenpunkte der Versorgung
Häfen sind zentrale Drehscheiben der globalen Logistik. Kommt es dort zu Störungen – etwa durch Extremwetter, technische Ausfälle, Cyberangriffe oder politische Konflikte – können weitreichende Folgen für die Versorgung entstehen. Bereits eine mehrwöchige Einschränkung des Hafenbetriebs kann erhebliche Verzögerungen und Ausfälle entlang der nachfolgenden Lieferketten für wichtige Güter verursachen. Besonders betroffen wären kritische Bereiche wie die Versorgung mit Lebensmitteln oder medizinischen Produkten.
Das Projekt CritSupPort untersucht deshalb, wie für solche Engpasssituationen frühzeitig Vorsorge getroffen werden kann. Ausgangspunkte sind dabei die beiden bedeutenden deutschen Logistikstandorte Hamburg und Duisburg. Anhand ausgewählter Lieferketten aus den Sektoren Ernährung und Gesundheit analysieren die Projektpartner Risiken, Abhängigkeiten und potenzielle Kaskadeneffekte innerhalb dieser komplexen logistischen Netzwerke bis hin zu den Endkunden. Ziel ist es, kritische Knotenpunkte entlang der Lieferketten zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung der Versorgung zu entwickeln.
Datenbasierte Analyse kritischer Lieferketten
Ein zentraler Baustein des Projekts ist die Entwicklung datenbasierter Methoden zur Bewertung der Kritikalität von Gütern und Lieferketten. Hierfür werden digitale Analysearchitekturen aufgebaut, die Informationen über Nachfrage, Verfügbarkeit und logistische Abhängigkeiten zusammenführen. Auf dieser Grundlage sollen Entscheidungshilfen entstehen, mit denen im Krisenfall priorisiert werden kann, welche Güter beim Umschlag und Transport besonders berücksichtigt werden müssen.
Neben der technischen Analyse steht auch die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure im Fokus. Häfen, Logistikunternehmen, Behörden und weitere Organisationen müssen im Krisenfall eng zusammenarbeiten, um Engpässe zu bewältigen. CritSupPort entwickelt daher auch Konzepte für Kommunikation und Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren entlang der Lieferketten. Geplant sind unter anderem Workshops, Planspiele und Simulationen, in denen mögliche Krisenszenarien erprobt und gemeinsame Handlungsstrategien entwickelt werden.
„Globale Lieferketten sind hochkomplex und zugleich verletzlich. Wenn zentrale Knotenpunkte wie Häfen ausfallen oder eingeschränkt arbeiten, können schnell Dominoeffekte entstehen“, sagt Projektleiter Axel Dierich vom inter 3 Institut für Ressourcenmanagement. „Mit CritSupPort wollen wir gemeinsam dazu beitragen, kritische Lieferketten besser zu verstehen und im Krisenfall handlungsfähig zu bleiben.“
Interdisziplinäres Konsortium und Wissenstransfer
Gemeinsam bringen die Partner des interdisziplinären Konsortiums Expertise aus den Bereichen maritime Logistik, Risiko- und Krisenmanagement, Datenanalyse sowie Praxiswissen aus Hafenbetrieb und Lieferkettenmanagement ein.
Neben der Gesamtkoordination übernimmt inter 3 die Analyse der politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen und von möglichen Szenarioverläufen. Die TU Hamburg bringt ihre wissenschaftliche Expertise in maritimer Logistik und Analyse kritischer Infrastrukturen ein, während die TH Köln insbesondere zu Methoden des Risiko- und Krisenmanagements sowie zur Lieferkettenanalyse arbeitet. Die HAW Hamburg entwickelt ein Schulungsmodul und bringt ihre Kompetenz im Medizinbereich ein.
Die Logistik-Initiative Hamburg Management GmbH leitet die Entwicklung der Entscheidungs- und Priorisierungsverfahren und übernimmt eine wichtige Rolle beim Transfer in die Praxis sowie bei der Vernetzung mit Unternehmen der Logistikbranche. Bonn Consulting Group GmbH entwickelt Softwaremodule und Architekturen für den Daten- und Informationsfluss entlang der Lieferketten.
Das Projekt wird von zahlreichen Praxispartnern begleitet. Dazu gehören nationale und internationale Hafen- und Logistikunternehmen, Wirtschaftsverbände und Behörden aus den Bereichen Katastrophenschutz, Wirtschaft und Infrastruktur. Sie nehmen die praktische Perspektive ein und unterstützen das Projekt bei der Validierung der Ergebnisse.
Die im Projekt entwickelten Methoden und Werkzeuge sollen nicht nur für die untersuchten Häfen anwendbar sein, sondern auch auf andere Standorte und Logistiksysteme übertragen werden können. Damit leistet CritSupPort einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Resilienz kritischer Infrastrukturen und zur Sicherung der Versorgung in Deutschland.
Das dreijährige Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms „Forschung für zivile Sicherheit“ (SIFO) gefördert.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Axel Dierich
inter 3 Institut für Ressourcenmanagement
dierich@inter3.de
+49(0)30 34 34 74 49
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