Unsicherheit ist messbar und beherrschbar - IESE Business School entwickelt IESE Economic Uncertainty Index
Die IESE Business School führt einen internationalen Index zur Messung wirtschaftlicher Unsicherheit ein. Der IESE Economic Uncertainty Index, kurz I3E, misst täglich die globale Volatilität in 24 großen Volkswirtschaften, die 80 Prozent des weltweiten BIP ausmachen. „Unsicherheit zu verstehen beseitigt zwar keine Risiken, hilft aber, fundiertere Entscheidungen zu treffen“, so IESE-Professor Miguel Ángel Ariño.
Wirtschaftliche Schocks, unerwartete politische Entscheidungen, geopolitische Krisen. Der I3E Index der IESE Business School, die einen Campus in München unterhält, will da Orientierung geben. Entwickelt wurde das neue Tool von den IESE-Professoren Roberto García-Castro und Miguel Ángel Ariño, Experten für Entscheidungsanalyse und Unternehmensführung. „Der Index ist ein praktisches Instrument für Führungskräfte“, so die IESE-Autoren. Der täglich aktualisierte Index lässt Führungskräfte plötzliche Veränderungen im Umfeld erkennen und hilft Investitions- oder Einstellungsentscheidungen anzupassen.
Der neue Indikator erfasst vier Schlüsselvariablen in jedem Land: den heimischen Aktienindex, die Renditen heimischer 10-jähriger Staatsanleihen, die Wechselkurse und den Preis für Brent-Rohöl. Zusammen liefern sie ein genaues Bild davon, wann die Unsicherheit zunimmt und wann nicht. Der Index will Unternehmen und Führungskräften helfen, das wirtschaftliche Umfeld besser zu verstehen und mit größerer Sicherheit zu planen.
Die vom I3E Index erfassten Volkswirtschaften sind Indien, Saudi-Arabien, Australien, Österreich, Belgien, Brasilien, Kanada, China, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Japan, Mexiko, Niederlande, Polen, Südafrika, Südkorea, Spanien, Türkei, Vereinigtes Königreich und die Vereinigten Staaten.
Radar für Ereignisse, die die Weltwirtschaft erschüttern. Schocks vom Brexit über COVID-19 bis zu den Liberation-Day-Zöllen, die Donald Trump im April 2025 angekündigt hat, hinterlassen unmittelbare Spuren auf den Märkten. Der Index der IESE Business School erfasst diese Schwankungen und zeigt Spitzenwerte bei der Unsicherheit auf, die tendenziell schnell abklingen, wenn sich die Märkte an die „neue Normalität“ anpassen.
„Manche Berichterstattung rückt das Dramatische in den Vordergrund, spiegelt aber nicht immer wider, was die Märkte wirklich denken“, bemerkt IESE-Professor Roberto García-Castro. „Der Index ermöglicht es uns, über die Schlagzeilen hinauszublicken und zu verstehen, wie die Wirtschaftsakteure das Umfeld interpretieren.“ Die Daten zeigen auch, wie sich die durch den russischen Einmarsch in die Ukraine ausgelöste Unsicherheit insbesondere in benachbarten Volkswirtschaften wie Polen oder Deutschland verstärkte, nach den ersten Monaten des Konflikts jedoch wieder abnahm.
Der IESE Economic Uncertainty Index, so die Autoren, bezieht finanzielle, geopolitische und geoökonomische Elemente ein. Der Index liefert eine hochfrequente Messgröße, die länderübergreifend vergleichbar ist. Ein Beispiel veranschaulicht dies: der CBOE Volatility Index (VIX) erreichte Ende November 2025 einen Wert von 26, ein Niveau, das Investoren oft beunruhigt. Der I3E Index blieb niedrig, was darauf hindeutete, dass die finanzielle Unsicherheit nicht mit bedeutenden geoökonomischen oder politischen Veränderungen einherging. Wochen später kehrte auch der VIX auf ein niedriges Niveau zurück.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Miguel Ángel Ariño
https://www.iese.edu/faculty-research/faculty/miguel-angel-arino/
Prof. Roberto García-Castro
https://www.iese.edu/faculty-research/faculty/roberto-garcia-castro/
Originalpublikation:
https://i3e-index.github.io/
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