Deutsch-französischer KI-Dialog überreicht französischen und deutschen Behörden KI-Bericht
Sieben Schlüsselsektoren, klare industriepolitische Prioritäten und strategische Handlungsempfehlungen: Der deutsch-französische KI-Dialog setzt ein starkes Signal für eine souveräne, wettbewerbsfähige und vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz in Europa. Beim Deutsch-Französischen Forum für Industrielle KI im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium wurde der Abschlussbericht offiziell an Vertretende beider Regierungen übergeben. Er zeigt auf, wie Deutschland und Frankreich gemeinsam – im Schulterschluss mit Industrie, Forschung und Politik – den Aufbau eines leistungsfähigen europäischen KI-Ökosystems vorantreiben wollen.
Im Rahmen des Deutsch-Französischen Forums für Industrielle KI, das am Freitag im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium stattfand, wurde der Bericht des KI-Dialogs offiziell an Thomas Courbe, Abteilungsleiter für Unternehmen, und Dr. Beate Baron, Abteilungsleiterin für Industriepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, überreicht. Unter Federführung der französischen Botschaft in Berlin und koordiniert von der Fraunhofer-Gesellschaft, Inria und dem IMT, schlägt der Bericht konkrete Maßnahmen zum Aufbau eines souveränen, wettbewerbsfähigen und nachhaltigen europäischen KI-Ökosystems vor.
Initiiert von der französischen Botschaft und gemeinsam geleitet von Inria, dem IMT und der Fraunhofer-Gesellschaft, kamen im Januar 2025 führende Akteure aus Industrie, angewandter Forschung und Universitäten beider Länder zu einem offenen Austausch zusammen. Mit der Überreichung des Berichts wurden nun die Ergebnisse des Dialogs vorgestellt.
Vorgestellt wurde der Bericht von Bruno Sportisse, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Inria, Boris Otto, Institutsleiter des Fraunhofer ISST und Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie, sowie Cécile Dubarry, geschäftsführende Präsidentin des IMT. Mit der gemeinsamen Präsentation unterstrichen die drei Forschungsorganisationen die Bedeutung des Zusammenspiels ihrer jeweiligen Kompetenzen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen: der Schaffung eines souveränen, wettbewerbsfähigen und nachhaltigen europäischen KI-Ökosystems. Darüber hinaus stellt die gebündelte Fachkompetenz bei technischen Innovationen und Wirtschafts- und Governance-Modellen für Wertschöpfung mittels integrierter Daten und KI eine wirkungsvolle Ergänzung der Industrieaktivitäten im Rahmen der Strategie »European AI Continent« dar.
Gemeinsame Prioritäten für souveränere industrielle KI in Europa
Von Anfang an zielte der Dialog darauf ab, die strategischen Prioritäten beider Länder aufeinander abzustimmen. Die dabei identifizierten gemeinsamen Herausforderungen reichen vom Abbau regulatorischer Hürden über die Stärkung der KI-Infrastruktur und den Ausbau von Rechenkapazitäten in Europa bis hin zu einem sicheren Zugang zu erneuerbaren Energien und der Qualifizierung von Fachkräften. Beide Seiten sind zudem fest entschlossen, ihre Bemühungen auf strategische Industriezweige zu konzentrieren und KI-Lösungen zu fördern, die sowohl leistungsstark als auch vertrauenswürdig sind.
Sieben Handlungsfelder – von der Analyse bis zum Projekt
Im Rahmen spezieller Branchenworkshops wurden dabei mehr als hundert Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft eingebunden. Sie ermittelten konkrete Anwendungsszenarien und Investitionsschwerpunkte in mehreren Schlüsselbereichen, darunter Produktion, Energie, Gesundheit, Agrar- und Lebensmittelsektor sowie Medien und Telekommunikation. Die vorgelegten Vorschläge basieren auf detaillierten Kenntnissen der Industriebedarfe und verfolgen einen konsequent praxisorientierten Ansatz.
Strukturierter Überblick über Prioritäten im Bereich industrielle KI in Europa
Der Bericht gliedert sich in sieben einander ergänzende Handlungsfelder. Sie bieten jeweils einen strukturierten Überblick über Bedarfe und die auf europäischer Ebene in Bewegung zu setzenden Hebel und sprechen Empfehlungen aus.
1. Digitale und IT-Infrastruktur
Aufbau einer robusten europäischen Infrastruktur (Cloud, Netzwerke, Rechenkapazitäten, Datenräume), die den Einsatz von KI-Lösungen im großen Maßstab ermöglicht und gleichzeitig deren Interoperabilität und energieeffizienten Betrieb gewährleistet
2. Staatliche Souveränität und rechtlicher Rahmen
Klärung und Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, um Anforderungen im Hinblick auf Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität zu harmonisieren, insbesondere bei der Umsetzung der europäischen KI- und Datenbestimmungen sowie bei der Ausweitung des Cybersicherheitssiegels für Cloudumgebungen auf Datenräume
3. Gesundheit
Beschleunigte Einführung von KI im Gesundheitswesen durch einfacheren Zugriff auf Daten, verbesserte Interoperabilität und validierte Lösungen, um Versorgung und Systemeffizienz zu optimieren
4. Produktion
Förderung der Integration von KI in industrielle Prozesse, insbesondere in KMU und Mittelstand, zwecks Produktionsoptimierung, Erhöhung der Resilienz und zusätzlichem Kompetenzaufbau; Senkung der Technikkosten durch die Einführung von Unterstützungsmechanismen
5. Medien
Wahrung von Informationssouveränität und Geschäftsmodellen vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von KI; Stärkung von Inhalten und Daten sowie Regulierung der Nutzung, insbesondere im Hinblick auf das Training von KI
6. Energie
Nutzung von KI zur Optimierung von Energiesystemen, zur Erhöhung der Resilienz und zur Unterstützung beim Umstieg auf nachhaltigere und emissionsärmere Modelle, beispielsweise durch den Einsatz dedizierter großer Sprachmodelle (LLMs)
7. Agrar- und Lebensmittelsektor
Nutzung von KI für höhere Leistung, bessere Rückverfolgbarkeit und mehr Nachhaltigkeit in den Wertschöpfungsketten der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie
Praxisorientierter Ansatz zur Stärkung europäischer Projekte
Die Ergebnisse wurden erstmals im November 2025 auf dem Adopt AI Summit vorgestellt und in einem Bericht zusammengefasst, der den französischen und deutschen Behörden am 17. April 2026 vorgelegt wurde. Der Bericht umfasst eine strukturierte Grundlage für die Ausgestaltung von staatlichen Maßnahmen, Forschungsprogrammen und Brancheninitiativen auf europäischer Ebene.
Im Mittelpunkt der Initiative steht ein praxisorientierter Ansatz, bei dem die Bedarfe der Industrie direkt in Roadmaps und künftige Initiativen einfließen. Dies ist entscheidend, um konkrete Projekte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas im Bereich KI zu realisieren. Die im Bericht dargelegten Vorschläge sollen in das IPCEI AI (Important Project of Common European Interest) einfließen und so zur Ausgestaltung und Konsolidierung strategischer Industrieprojekte auf europäischer Ebene beitragen.
Originalpublikation:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2026/april-2026/deutsch-franzoesischer-ki-dialog-bericht.html
Weitere Informationen:
https://www.imt.fr/wp-content/uploads/2026/04/Inria_French-German-Report_GB_final.pdf
Ähnliche Pressemitteilungen im idw