Psychische Gesundheit im Betrieb: ifaa Trendstudie zeigt Handlungsbedarf
Das ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. – legt neue Ergebnisse seiner Trendstudie zur psychischen Gesundheit im Betrieb vor. Die Studie zeigt: Während die große Mehrheit der Unternehmen gesetzliche Anforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz erfüllt, wünschen sich viele Betriebe zusätzliche Unterstützung im Umgang mit psychischer Gesundheit. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen benötigen niedrigschwellige, praxisnahe Angebote. Die komplette Trendstudie ist hier abrufbar: www.arbeitswissenschaft.net/trendstudie-psychische-gesundheit
Psychische Gesundheit ist eine zentrale Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit. Mehr als jeder vierte Erwachsene ist innerhalb eines Jahres von einer psychischen Störung betroffen. In den Gesundheitsberichten der gesetzlichen Krankenversicherungen zeigt sich: Treten psychisch bedingte Ausfallzeiten auf, sind sie mit durchschnittlich rund fünf Kalenderwochen besonders lang. Für das Jahr 2024 zählten psychische Störungen in den Gesundheitsberichten zu den drei Erkrankungsarten, die die meisten Fehlzeiten verursachten.
„Dies kann sowohl für den einzelnen Beschäftigten als auch für den Betrieb mit erheblichen negativen Konsequenzen verbunden sein“, erklärt Dr. Catharina Stahn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifaa.
Kernaussagen der Studie:
Relevanz psychischer Gesundheit
• Psychische Störungen sind für 71 % der befragten Betriebe ein relevantes Thema.
• 48 % berichten den Eindruck steigender Fälle in den vergangenen Jahren.
• Psychische Störungen basieren auf vergleichsweise wenigen Fällen, verursachen jedoch lange Ausfallzeiten von durchschnittlich fünf Wochen.
Wissensstand von Führungskräften
• 88 % der Führungskräfte fühlen sich gut über Gesundheit informiert.
• 78 % haben Wissen speziell zur psychischen Gesundheit.
• Dennoch wünschen sich 38 % zusätzliche Informationen oder Unterstützung.
Betriebliche Umsetzung gesetzlicher Anforderungen
• 91 % der Betriebe führen eine Gefährdungsbeurteilung durch.
• 73 % berücksichtigen dabei auch psychische Belastungsfaktoren.
• Gespräche im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) sind in 91 % der Betriebe etabliert.
Unterstützungsbedarf und Rolle von Arbeitgeberverbänden
• Betriebe wünschen stärker niedrigschwellige Materialien, Hinweise auf Anlaufstellen und Informationsangebote.
• Arbeitgeberverbände können eine Brückenfunktion neben Krankenkassen und Rehabilitationsträgern übernehmen – besonders relevant für KMU.
Übergreifendes Fazit
• Problembewusstsein ist vorhanden, gesetzliche Instrumente werden umgesetzt.
• Die Herausforderung liegt nun darin, diese Grundlagen in praxisnahe Präventions- und Unterstützungsangebote zu überführen.
Handlungsempfehlungen des ifaa
• Psychische Gesundheit als kontinuierliches Thema verankern – etwa in Teamgesprächen oder Führungsrunden.
• Verbindliche Instrumente konsequent nutzen – insbesondere Gefährdungsbeurteilung und BEM.
• Freiwillige Gesundheitsförderung ausbauen – z. B. durch Stressbewältigungstrainings oder Angebote zur Stärkung persönlicher Ressourcen. Die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) geht über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Sie ist für Arbeitgeber nicht verpflichtend, kann aber einen sinnvollen und wirksamen Beitrag zur Stärkung von Gesundheit im Unternehmen leisten. Unterstützung erhalten Betriebe hierbei unter anderem durch Krankenkassen, etwa in Form kostenfreier Erstberatungen über die BGF-Koordinierungsstellen.
Die ifaa-Handlungshilfe für Führungskräfte bietet einen praktischen Einstieg:
„Psychische Störungen in der Arbeitswelt – Erkennen, Ansprechen, Unterstützen“
Gerne vermitteln wir Interviews mit unseren Experten. Melden Sie sich gerne bei Christine Molketin (c.molketin@ifaa-mail.de).
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Catharina Stahn (c.stahn@ifaa-mail.de)
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