Wie sich komplexe Zusammenhänge spannend erzählen lassen
IIm Kampf um Aufmerksamkeit wird die Komplexität unserer Welt vielfach vereinfacht oder verkürzt. Wie kann es dennoch gelingen, ein belastbares und zugleich differenziertes Bild unserer vielschichtigen Realität zu vermitteln? Diese Frage steht im Mittelpunkt der aktuellen Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation, die Leonid A. Klimov im Sommersemester übernimmt. Der Wissenschaftsredakteur wird an der Ruperto Carola mehrere Workshops anbieten und einen öffentlichen Vortrag halten. Das Angebot der Gastprofessur – einer Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung und der Universität Heidelberg – richtet sich insbesondere junge Forscherinnen und Forscher.
Pressemitteilung
Heidelberg, 21. April 2026
Wie sich komplexe Zusammenhänge spannend erzählen lassen
Leonid A. Klimov übernimmt Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation an der Universität Heidelberg
Im Kampf um Aufmerksamkeit wird die Komplexität unserer Welt vielfach vereinfacht oder verkürzt. Wie kann es dennoch gelingen, ein belastbares und zugleich differenziertes Bild unserer vielschichtigen Realität zu vermitteln? Diese Frage steht im Mittelpunkt der aktuellen Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation, die Leonid A. Klimov im Sommersemester 2026 übernimmt. Der Wissenschaftsredakteur wird an der Ruperto Carola mehrere Workshops anbieten und einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Freude an der Komplexität“ halten. Mit dem Angebot der Gastprofessur – einer gemeinsamen Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung und der Universität Heidelberg – sollen insbesondere junge Forscherinnen und Forscher dabei unterstützt werden, ihre wissenschaftliche Arbeit der Öffentlichkeit zu vermitteln und zu einem gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung und die Verantwortung von Wissenschaft beizutragen.
„Komplexität hat einen schlechten Ruf: Komplexe Sachverhalte sind schwer greifbar, und ihre Lösungen liegen nicht auf der Hand“, sagt Leonid A. Klimov. Dabei gehe es nicht nur um Populismus mit seinen simplen Narrativen oder um gezielte Desinformation. Vielmehr deute vieles darauf hin, dass die etablierten Mechanismen des Wissenstransfers allein nicht mehr in der Lage sind, die Komplexität unserer Welt zu vermitteln. Daher fordert der Nature Marsilius Gastprofessor neue Ansätze für die Medienarbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus. In seinem Vortrag „Freude an der Komplexität. Warum wir die Wissenschaftskommunikation (radikal) neu denken müssen“ wird Leonid A. Klimov erläutern, wie die Vermittlung wissenschaftsbezogener Themen mehr sein kann als „die Allgemeinheit in geeigneter Form über wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren“. Die Veranstaltung findet am 16. Juni 2026 statt.
Sein Kurs- und Workshopprogramm im Rahmen der aktuellen Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation startet mit einem Einführungsseminar zur Narratologie wissenschaftsbasierter Texte. Von der Recherche bis zur Story lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, abstrakte Erkenntnisse aus der Wissenschaft in eine packende Geschichte zu übersetzen. In weiteren Workshops wird Leonid A. Klimov vermitteln, mit welchen Textstrategien sich auch längere wissenschaftliche Inhalte lesbar, spannend und strukturiert erzählen lassen, und gibt Studierenden, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs Tipps und Tricks an die Hand, wie sie sich von einem akademischen Sprachduktus lösen können. Unter der Überschrift „To whom it may concern“ wird er sich außerdem mit der Frage befassen, wie sich Wissenschaftskommunikation nicht nur an die „breite Öffentlichkeit“ richtet, sondern auf konkrete Zielgruppen zugeschnitten werden kann.
Leonid A. Klimov ist Journalist, Redakteur und Produzent mit einem Schwerpunkt auf innovativen Medienformaten. Er studierte Kultur- und Literaturwissenschaft in Sankt Petersburg, wo er auch promoviert wurde. Anschließend absolvierte er ein Masterstudium in Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seit 2015 arbeitet er als Redakteur für das Online-Magazin dekoder.org. Dort leitet er langfristige Kooperationsprojekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus. Zudem war er Fellow an der Hamburg Media School sowie am MediaLab Bayern und lehrte Wissenschaftskommunikation an Universitäten in Berlin, Basel und St. Gallen. Für seine aufwendige Scroll-Dokumentation „Der Krieg und seine Opfer“, die mit Unterstützung von Historikerinnen der Universität Heidelberg entstanden ist, wurde er 2024 für den „Grimme Online Award“ nominiert.
Die Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation ist eine gemeinsame Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung und der Universität Heidelberg. Namhafte Expertinnen und Experten werden im Rahmen der Professur an die Universität eingeladen, um in eigenen Veranstaltungen am Marsilius-Kolleg zu vermitteln, was eine qualitativ hochwertige Berichterstattung über wissenschaftliche Arbeit und wissenschaftliche Erkenntnis ausmacht. Zugleich sollen die Gastprofessorinnen und Gastprofessoren eine breit angelegte Diskussion über neue Formen des Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anstoßen. Inhaber der Gastprofessur waren zuletzt Kai Kupferschmidt, Verena Mischitz und Vanessa Vu.
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