Feierliche Eröffnung der Forschungszentren Si-M und BeCAT
Entwicklung innovativer Arzneimittel und wegweisender Therapien
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Technische Universität Berlin haben heute die Forschungszentren „Berlin Center for Advanced Therapies“ (BeCAT) und „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) eröffnet. Die hochspezialisierten Gebäude bieten Wissenschaftler*innen hervorragende Bedingungen für die Erforschung und Entwicklung wirksamer Therapien von bislang als unheilbar geltenden Erkrankungen.
Von der Vision zur Realität
Mit den Forschungszentren BeCAT und Si-M auf dem Campus Bio- und Medizintechnologie hat die Vision einer zukunftsweisenden medizinischen Forschung zum Wohle der Patient*innen konkrete Formen angenommen. Beide Zentren werden die Entwicklung innovativer Technologien aktiv mitgestalten.
Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, betont im Beisein zahlreicher Gäste aus Wissenschaft, Gesundheit und Politik: „Spitzenforschung braucht hervorragende Infrastruktur. Mit Investitionen wie den mehr als 31 Millionen Euro, die das BMFTR für die heute eröffneten Forschungszentren von besonderer wissenschaftlicher Qualität gegeben hat, setzen wir ein klares Signal: Deutschland will bei der Entwicklung neuer Therapien weltweit an der Spitze stehen. Unsere Vision für die Medizin der Zukunft ist klar: Unheilbares heilbar machen. Wir stärken gezielt Schlüsseltechnologien mit unserer Hightech Agenda Deutschland und schaffen die Grundlage dafür, dass medizinischer Fortschritt schneller bei den Menschen ankommt. Das ist moderne Forschungs- und Gesundheitspolitik aus einem Guss.“
Interdisziplinarität als Schlüssel zum Erfolg
Im Fokus des Forschungszentrums „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) von TU Berlin und Charité steht die realitätsnahe Nachbildung der menschlichen Biologie von molekularen Prozessen bis hin zu komplexen Geweben und Organfunktionen. Durch die enge Verzahnung von ingenieurwissenschaftlicher und medizinischer Expertise können innovative Modelle entwickelt werden, die ein tieferes Verständnis von Krankheitsmechanismen ermöglichen und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie eröffnen.
Im Forschungszentrum „Berlin Center for Advanced Therapies“ (BeCAT) der Charité werden in spezialisierten Einheiten und Laboren sogenannte „lebende“ Medikamente entwickelt. Die innovativen Arzneimittel basieren auf Genen, Zellen und Geweben. Diese behandeln nicht nur spürbare Symptome, sondern zielen darauf ab, Krankheiten ursächlich zu behandeln und die Gesundheit von Patient*innen nachhaltig wiederherzustellen.
Die Senatorin für Wissenschaft Dr. Ina Czyborra erklärte: „BeCAT und Si-M stehen für einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie wir Medizin denken, entwickeln und den Menschen zugänglich machen. Hier wird aus mutiger Spitzenforschung greifbare Hoffnung – mit neuen Therapien für bislang unheilbare Krankheiten und Technologien wie 3D-Bioprinting und Multi-Organ-Chips, die die Forschung revolutionieren und Tierversuche reduzieren können. Und was mir besonders wichtig ist: Wir beschleunigen den Weg von der Idee bis zur tatsächlichen Behandlung von Patientinnen und Patienten – alles unter dem gemeinsamen Dach des innovativen und dynamischen Campus in Wedding. So festigen wir Berlins Rolle als pulsierendes Herz der Gesundheitsinnovation.“
Beide Forschungszentren sind als Orte des Austauschs untereinander und mit einer interessierten Öffentlichkeit konzipiert. Beim Si-M spiegelt sich dies auch in der Architektur des Gebäudes wider: Offene Raumkonzepte, vielfältige Kommunikationsflächen und öffentliche Bereiche, wie das sogenannte Theatron, ein Vortragsraum in der Mitte des Erdgeschosses, in dem die Zuhörer*innen ringförmig auf Terrassen sitzen, sollen den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern.
Die Präsidentin der TU Berlin Prof. Dr. Fatma Deniz fügte hinzu: „Wenn wir die Komplexität des menschlichen Körpers verstehen wollen, müssen wir Disziplinen neu zusammenbringen. Genau das treiben wir voran. Mit der ingenieurwissenschaftlichen Stärke der TU Berlin und der medizinischen Expertise der Charité schaffen wir im Si-M einen einzigartigen Ort, an dem aus exzellenter Grundlagenforschung konkrete Anwendung wird.“
Die enge Verbindung von Forschung und Technologie zeigt sich auch bei der Infrastruktur: Die Gebäude sind über eine gemeinsame technische Plattform verbunden und wurden so geplant, dass sie auch zukünftigen Anforderungen hochkomplexer biomedizinischer Forschung gerecht werden können.
Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, ergänzte: „Beide Forschungszentren stehen für einen strategischen Wandel in der Medizin: Es geht um eine Etablierung innovativer Methoden der personalisierten Medizin mit Schwerpunkt Zell- und Gentherapie. Gemeinsam mit starken Partnern aus Universität und Privatwirtschaft schaffen wir hier in Berlin ein Umfeld, das Innovation von der Idee bis zur Anwendung für unsere Patient*innen ermöglicht.“
BeCAT und Si-M sind zudem zentrale Bausteine des wachsenden Campus Bio- und Medizintechnologie in Berlin-Wedding. Das Si-M steht als gemeinsamer Bau der TU Berlin und Charité im besonderen Maße für die strategische Zusammenarbeit führender Institutionen mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse zügiger in die klinische Anwendung zu übertragen, damit diese den Patient*innen möglichst frühzeitig zugutekommen.
Weitere Stimmen zur Eröffnung der Forschungszentren Si-M und BeCAT:
Prof. Dr. Sina Bartfeld, Sprecherin Si-M, TU Berlin: „Viele Krankheiten lassen sich bislang nur unzureichend untersuchen, weil unsere Modelle den Menschen nicht gut genug abbilden. Im Si-M entwickeln und verwenden wir neue Modellsysteme wie Organoide und Organ-on-a-Chip, um menschliche Biologie präziser zu verstehen und Unterschiede zwischen Patient*innen sichtbar zu machen. Damit schaffen wir die Grundlage für Forschung, die näher am Menschen ist und neue Wege für die Medizin eröffnet.“
Prof. Dr. Andreas Thiel, Sprecher Si-M, Charité: „Das neue Forschungsinstitut „Der Simulierte Mensch" steht für einen bewussten Aufbruch: Wir schaffen erstmals exzellente Bedingungen spezifisch für junge Arbeitsgruppen, weil Innovation gerade dort entsteht und Exzellenz sich dort festigen kann, wo neue Ideen früh Raum bekommen. Gleichzeitig lebt dieses Institut von Interdisziplinarität und Offenheit – TU Berlin und Charité gemeinsam – als dynamischer Forschungsraum, der sich ständig weiterentwickeln wird.“
Prof. Dr. Joachim Spranger, Dekan der Charité:
„Mit BeCAT und Si-M schaffen wir die Grundlage für Therapien, die direkt den Menschen zugutekommen – von personalisierten Zell- und Gentherapien bis zu präziseren Krankheitsmodellen. Unser Ziel ist es, Heilungschancen zu verbessern, Nebenwirkungen zu reduzieren und Forschung schneller in wirksame Anwendungen für Patientinnen und Patienten zu überführen.“
Astrid Lurati, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur der Charité:
„Mit der Eröffnung von BeCAT und Si-M machen wir gezielt einen großen Schritt hin in moderne Forschungsinfrastruktur auf dem Campus der Charité. Möglich wurde dies durch die zukunftsorientierte Finanzierung in Forschung durch Bund und Land, die die Baukosten von 40,9 Millionen Euro für das Si-M und 37,9 Millionen Euro für das BeCAT getragen haben. Das Si-M ist dabei zugleich Zeugnis dafür, wie ein hoch komplexes Bauprojekt in enger Partnerschaft mit der TU Berlin erfolgreich umgesetzt werden kann.“
Prof. Dr. Annette Künkele-Langer, Leiterin BeCAT: „Die Möglichkeiten dieser neuartigen Therapien scheinen unbegrenzt und diese Hoffnungsträger in die Klinik zu bringen, das ist die Aufgabe des BeCAT. Forschende zum Beispiel aus der Charité, dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), dem Max Delbrück Center (MDC) oder dem Si-M, kommen zu uns, damit wir gemeinsam Arzneimittel für frühe klinische Studien entwickeln und herstellen. Zudem bringen wir diese unter Berliner Führung in nationale Netzwerke wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) ein.“
Joel Hahn, Geschäftsführer Telluride Architektur: „Das Si-M-Gebäude ist für einen Forschungsbau ungewöhnlich öffentlich. Innen- und Außenräume verschmelzen. Er ist ein Ort, der Begegnungen und Austausch fördert. Diese Offenheit sowie die Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit machen das Gebäude zu einem transformatorischen Raum, der weit über die reine Forschung hinausgeht.“
Almin Peljto, Geschäftsführer DGI Bauwerk: „Das BeCAT ist ein spezialisiertes Forschungs- und Reinraumgebäude, das modernste Labor- und Infrastrukturflächen für die Entwicklung neuartiger Therapien bereitstellt. Beide Gebäude, BeCAT und Si-M, sind nicht nur architektonisch, sondern auch in ihrer Forschungslogik konsequent auf Zukunft und Interdisziplinarität ausgerichtet. Sie stehen exemplarisch für die Verbindung von Architektur, Wissenschaft und Innovation.“
Kontakt
Stefanie Terp
Chief Communication Officer, Leiterin Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni & Pressesprecherin
TU Berlin
T +49 30 3142 3922
E-Mail pressestelle@tu-berlin.de
Markus Heggen
Pressesprecher
Charité – Universitätsmedizin Berlin
T +49 30 450 570 400
E-Mail presse@charite.de
Weitere Informationen
„Der Simulierte Mensch“ (Si-M)
Der Forschungsbau umfasst drei Labor- und zwei öffentlich zugängliche Ebenen. Von den über 3.250 Quadratmetern Nutzfläche entfallen rund zwei Drittel auf Labore und Forschungsbereiche. Im Si-M arbeiten Wissenschaftler*innen von Charité und TU Berlin interdisziplinär zusammen. Dabei werden Funktionen von Organen oder Geweben in Organoid- oder „Organ-on-a-Chip“-Modellen untersucht. Mithilfe moderner Zytometrie lassen sich humane Zellen direkt aus dem Blut, aus Gewebe-, oder Organproben genau charakterisieren. Öffentliche Bereiche mit Ausstellungen, Workshops und Vorträgen ermöglichen den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Zudem geht es im Si-M darum, vornehmlich für junge Forschungsteams beste Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Darüber hinaus ist das Si-M Teil der Berliner University Alliance, in der Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin und die Charité als Exzellenzverbund kooperieren.
„Berlin Center for Advanced Therapies“ (BeCAT)
Als Forschungsneubau wurde das BeCAT mit Labor- und Reinraumnutzung sowie den zugehörigen Arbeitsplätzen auf fünf Ebenen auf rund 1.400 Quadratmetern errichtet. Die Forscherteams der Charité entwickeln dort sogenannte „Advanced Therapies“, die als gezielte Zellpräparate die Gesundheit der Patient*innen wiederherstellen können. Entwickelt werden sollen sogenannte „Advanced Therapy Medicinal Products“ (ATMP) aller drei Klassen: Gentherapeutika, somatische Zelltherapeutika sowie biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte. In einer modularen GMP-Laboreinheit kann die Herstellung aller ATMP-Klassen auch in Verbindung mit Biomaterialien bis hin zum 3D-Bioprinting ermöglicht werden. Die technischen Anforderungen an die Reinraumlabore machen die Errichtung aufwendiger Haus- und lüftungstechnischer Anlagen erforderlich.
Berliner Forschungsbauten nach Artikel 91b GG
Si-M und BeCAT werden nach Artikel 91b GG finanziert. Die Baukosten über 40,9 Millionen Euro für das Si-M und von 37,9 Millionen Euro für das BeCAT werden jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen. Mit zusätzlichen Mitteln des Programms „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt“ (SIWANA) in Höhe von 3,8 Millionen Euro wurden vorab grundlegende Infrastrukturen und die Anbindung der Forschungsgebäude an den Charité Campus Virchow-Klinikum umgesetzt.
Link zum Bildmaterial:
https://www.tu.berlin/go277297/n86596/
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