Internistenkongress 2026 endet: Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin konkret erfahrbar gemacht
Mit mehr als 8500 Teilnehmenden vor Ort in Wiesbaden und online ist heute der 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) zu Ende gegangen. Unter dem Leitthema „Paradigmenwechsel in der Inneren Medizin – die Zukunft gestalten“ diskutierten Ärztinnen und Ärzte vier Tage lang, wie sich Prävention, Diagnostik und Therapie angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, technologischer Entwicklungen und wachsender Versorgungsanforderungen neu ausrichten lassen. Bei der Jahrestagung, die auch die europäische Vernetzung zum Schwerpunkt hatte, waren 31 Nationen vertreten.
In 451 Sitzungen mit knapp 1300 Referierenden wurde deutlich: Die Innere Medizin entwickelt sich zunehmend von einer reaktiven hin zu einer vorausschauenden, differenzierten und stärker individualisierten Medizin. „Wir müssen uns aus unserer Komfortzone begeben – nicht angstgetrieben, sondern selbstbewusst und kraftvoll“, sagte Kongresspräsidentin Professorin Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel zum Abschluss des Kongresses. „Der Kongress hat gezeigt, wie viel Potenzial in diesem Wandel liegt – für eine Innere Medizin, die präziser, gerechter und nachhaltiger ist.“
Zentrale Themen: Prävention, Personalisierung und struktureller Wandel
Im Mittelpunkt des Kongresses standen neue Konzepte für eine frühere und gezieltere Prävention, individualisierte Therapieansätze sowie die Integration digitaler Technologien in den klinischen Alltag. Gleichzeitig wurde intensiv darüber diskutiert, wie Versorgungsstrukturen angepasst werden müssen – etwa durch eine stärkere Ambulantisierung, interprofessionelle Zusammenarbeit und eine bessere Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Auch Querschnittsthemen wie geschlechtersensible Medizin, der Umgang mit großen Datenmengen, Humangenetik sowie die Rolle künstlicher Intelligenz in Diagnostik und Therapie prägten das Programm.
Der Kongress spiegelte den Wandel auch in seiner Teilnehmendenstruktur wider: Rund 80 Prozent der Teilnehmenden waren vor Ort in Wiesbaden, etwa 20 Prozent online zugeschaltet. Mit rund 900 Studierenden war der medizinische Nachwuchs stark vertreten. Zudem wurde erstmals auch die Pflege aktiv in das Kongressgeschehen eingebunden – ein wichtiger Schritt hin zu einer stärker interprofessionell ausgerichteten Inneren Medizin.
Leopold-Lichtwitz-Medaille für Prof. Jürgen Floege
Die höchste Auszeichnung der DGIM, die Leopold-Lichtwitz-Medaille, wurde 2026 an Prof. Dr. med. Jürgen Floege verliehen (https://www.dgim.de/ueber-uns/ehrungen-und-preise/leopold-lichtwitz-medaille). Der Nephrologe wird für sein Lebenswerk geehrt: Seine Forschung zu immunologischen Nierenerkrankungen und zur Progression chronischer Nierenerkrankungen hat die klinische Praxis und internationale Forschung maßgeblich beeinflusst.
Ehrenmitgliedschaften für prägende Persönlichkeiten
Die DGIM ernannte zudem drei Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern und würdigte damit ihr langjähriges und nachhaltiges Wirken in der Inneren Medizin (https://www.dgim.de/mitglieder/ehrenmitglieder):
• Prof. Dr. med. Michael Hallek – seine Studien zur chronischen lymphatischen Leukämie haben die Therapie dieser Erkrankung grundlegend verändert.
• Prof. Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger – Endokrinologin und Diabetologin und engagiert für Versorgungsqualität, europäische Vernetzung und ärztliche Unabhängigkeit.
• Dr. med. Gerd Herold – mit seinem Lehrbuch hat er die Ausbildung von Generationen von Internistinnen und Internisten geprägt.
Wissenschaft und Nachwuchs im Fokus
Mit der Verleihung des Theodor-Frerichs-Preises an PD Dr. med. Rima Chakaroun (https://www.dgim.de/presse/pressemitteilungen/20042026-frerichspreis), Leipzig, des Präventionspreises an Dr. med. Arvid Sandforth (https://www.dgim.de/presse/pressemitteilungen/20042026-praeventionspreis) sowie der Medienpreise (https://www.dgim.de/presse/pressemitteilungen/20042026-medienpreise) setzte die DGIM weitere Akzente für wissenschaftliche Exzellenz, innovative Präventionsansätze und qualitätsvollen Medizinjournalismus. Die ausgezeichneten Arbeiten verdeutlichen exemplarisch, wie stark sich das Verständnis von Krankheit und Gesundheit derzeit verändert – hin zu differenzierteren Risikomodellen und neuen präventiven Strategien. Die DGIM hat zudem die Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) Axia mit dem Peter-Müller-Innovationspreis 2026 ausgezeichnet. Die App bietet Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis Übungsprogramme für eine individualisierte Bewegungstherapie.
Der Internistenkongress 2026 hat gezeigt, wie tiefgreifend sich die Innere Medizin im Wandel befindet – und dass dieser Wandel aktiv gestaltet werden kann. Der nächste Kongress wird diese Entwicklung weiterführen und erneut zentrale Impulse für Wissenschaft, Versorgung und Gesundheitspolitik setzen.
Ausblick
Mit Ende des 132. Internistenkongresses übernimmt Geriaterin Professorin Dr. med. Ursula Müller-Werdan den Vorsitz der DGIM. Die Direktorin der Klinik für Geriatrie und Altersmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat als Leitthema für den Kongress im kommenden Jahr „Gesund älter werden“ gewählt.
Bei Abdruck Beleg erbeten.
Aufzeichnungen der Pressekonferenzen, Mappen und Mitteilungen finden Interessierte hier: https://kongress.dgim.de/presse/
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