Uni Münster gründet erste deutsche „Islamisch-Theologische Fakultät“
Rektor Johannes Wessels: „Ein Meilenstein und ein Zeichen für mehr Toleranz“ / Mouhanad Khorchide ist Gründungsdekan
Als erste deutsche Hochschule wird die Universität Münster zum 1. Juli eine „Islamisch-Theologische Fakultät“ gründen. „Die Gründung ist ein Meilenstein für die islamische Theologie, auf den wir stolz sind“, betont der Rektor der Universität Münster, Prof. Dr. Johannes Wessels. „Gleichzeitig ist es ein gesellschaftspolitisches Zeichen für mehr Toleranz, das weit über Münster hinaus beachtet werden wird.“
Der neue Fachbereich geht aus dem „Zentrum für Islamische Theologie“ (ZIT) hervor. Gründungsdekan ist der geschäftsführende Direktor des ZIT, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, der seit 2010 die Professur für islamische Religionspädagogik innehat. „Das Profil der Universität Münster als Ort der theologischen Vielfalt wird dadurch gestärkt“, unterstreicht Mouhanad Khorchide. „Dieser Schritt ist für viele Muslime in Deutschland ein eindrucksvolles und wichtiges Signal der Anerkennung.“
Für die Gründung des Fachbereichs 16 bedurfte es jahrelanger Vorbereitungen. Ausgangspunkt war die Einrichtung des ZIT im Jahr 2012. Drei Jahre später erarbeitete die „AG Theologien“ erste Ideen für eine Weiterentwicklung des Zentrums. 2019 fasste das Rektorat den Beschluss, das ZIT in einen Fachbereich zu überführen. An diesem Prozess waren neben dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft der Senat der Universität Münster, der Hochschulrat, der „Konfessionelle Beirat für islamische Theologie“ an der Universität Münster und der Fachbereichsrat des für das ZIT zuständigen Fachbereichs Philologie beteiligt. Auch die Studierenden sind über die Beteiligung der entsprechenden Fachschaften und des Allgemeinen Studierendenausschusses einbezogen.
Der Betrieb wird zum Wintersemester 2026/27 starten. An der islamisch-theologischen Fakultät werden vier Professorinnen und vier Professoren lehren, unter anderem zur islamischen Philosophie und zum Islam in der Sozialarbeit. Aktuell sind rund 450 Studierende sowohl für das Lehramt (alle Schulformen) als auch in theologischen Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Alle Mitglieder der Fakultät werden im Sommersemester 2027 erstmals ihren eigenen Fachbereichsrat wählen, der die Amtszeit des Gründungsdekans festlegt.
Mit der Überführung in einen Fachbereich geht ein deutlich größeres Maß an Selbstständigkeit einher. Die islamisch-theologische Fakultät darf beispielsweise ihr Forschungsprofil und das Lehrangebot weiterentwickeln, Prüfungsordnungen formulieren sowie Promotions- und Habilitationsverfahren verantworten. Die Fakultät ist zudem maßgeblich in Berufungsverfahren und die Besetzung akademischer Stellen eingebunden.
Neben den Rechten gibt es eine Vielzahl an Pflichten. So muss die Fakultät die Vollständigkeit und Ordnung des Lehrangebots selbstständig gewährleisten, ihre Studiengänge akkreditieren lassen, Zielvereinbarungen mit dem Rektorat abschließen und eine Studienberatung anbieten. Zudem bleibt der Fachbereich trotz der weitgehenden Autonomie an übergeordnete Regeln gebunden, beispielsweise an das Hochschulgesetz, an die Grundordnung (Verfassung) der Universität, an die Beschlüsse von Senat und Rektorat, an die Struktur- und Entwicklungsplanung, das Haushalts- und Personalrecht und an Gleichstellungs- und Datenschutzpflichten.
Die Islamisch-Theologische Fakultät wird neben der Evangelisch- und der Katholisch-Theologischen Fakultät einer der zentralen Bestandteile des neuen „Campus der Theologien und Religionswissenschaften“ sein, der in den kommenden Monaten eröffnet werden wird. Der einzigartige Campus soll sich in der Stadt des Westfälischen Friedens zu einem Ort der Verständigung zwischen Wissenschaft, Politik und Religion, Medien, Kultur und Künsten entwickeln. Gleichzeitig wird dort eine der weltweit größten Forschungsbibliotheken zum Thema Religion entstehen.
Die letzte Gründung eines neuen Fachbereichs an der Universität Münster liegt 22 Jahre zurück. Aus der damaligen Hochschule für Musik Detmold, Abteilung Münster, entstand 2004 der Fachbereich 15.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Norbert Robers
Pressesprecher der Universität Münster
T: +49 251 83-24773 / +49 176-183 000 20
e-Mail: norbert.robers@uni-muenster.de
Weitere Informationen:
https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/wwu/kommunikation/leitlinien_grundung_fb_16.pdf Leitlinien „Islamische Theologie in Verantwortung –Zukunft gestalten“
https://www.uni-muenster.de/ZIT/ Zentrum für Islamische Theologie
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