3D-Vermessung von Deutschlands ältestem Kloster
Frankfurt UAS unterstützt Denkmalschutz durch messtechnische Dokumentation der Benediktinerabtei Tholey
Die Benediktinerabtei Tholey, eines der ältesten Klöster Deutschlands, hat in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt Saarland eine Bestandsaufnahme ihrer Kirche und Klausurgebäude beauftragt. Die messtechnische Dokumentation führt in Teilen die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) durch. Ihr Labor für 3D-Umwelterfassung und Fernerkundung leistet somit mithilfe modernster Technik und Expertise einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung von Kulturgütern.
Das Laborteam unter Leitung von Prof. Dr. Jens Brauneck erfasst dazu die Innenräume der historischen Gebäude mittels mobiler und terrestrischer Laserscanning-Systeme im Millimeterbereich. Ergänzend erfolgt eine photogrammetrische Vermessung der historischen Sandsteinfassaden durch UAV-gestützte Systeme. Drohnen (UAV für Unmanned Aerial Vehicle - unbemannte Fluggeräte) ermöglichen eine schnelle und hochgenaue Bestandsaufnahme von Bauwerken.
Berührungslose Erfassung schont historische Bausubstanz
„Das Befliegen mit Drohnen ist insbesondere für schwer zugängliche Bereiche wie Dächer, Türme oder Fassaden von Vorteil. Wir fliegen dabei sowohl außerhalb als auch innerhalb der Abteikirche. Das ist in Tholey angesichts der außergewöhnlichen Glasfenster, darunter Werke des Künstlers Gerhard Richter, eine ganz eigene Herausforderung“, erläutert Brauneck, Professor für Multisensorale Geodatenerfassung. Gefährliche Inspektionen in der Höhe durch Personen lassen sich so vermeiden. Zudem schont die berührungslose Erfassung die historische Substanz der Bauten.
UAV-gestützte Systeme liefern eine detaillierte Darstellung auch schwacher Strukturen durch hochauflösende Bilddaten. „Die daraus resultierenden Punktwolken und Bildverbände bilden die wissenschaftliche Grundlage für eine präzise digitale, dreidimensionale Dokumentation im Rahmen der baulichen Denkmalpflege”, so Brauneck.
Arbeit für UNESCO Weltkulturerbestätten
Das Projekt läuft zunächst im ersten Halbjahr 2026. „Alltäglich ist es schon aufgrund der Größe der Abteikirche nicht”, sagt Brauneck. Der Vermessungsexperte hat bereits einige Kirchen und andere historische Objekte für die Landesdenkmalpflege in Rheinland-Pfalz und im Saarland digitalisiert, unter anderem die Mikwen (rituelles jüdisches Tauchbad) in Speyer und Worms, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen.
„Wann immer möglich, versuchen wir Studierende in unsere Projekte zu involvieren und benutzen die Daten auch in den Laserscanningkursen im Studiengang Geodatenmanagement”, erläutert der Wissenschaftler, der Leiter der dualen Variante des Bachelor-Studiengangs Geodatenmanagement ist. „Außerdem digitalisieren wir im Rahmen unserer Tätigkeiten auch immer wieder einzelne Gebäude und Ensembles für die Master-Projekte unserer Architekturstudierenden.”
Labor für 3D-Umwelterfassung und Fernerkundung
Das interdisziplinäre Labor bietet eine moderne Umgebung für praxisnahe Forschung und Entwicklung. Der Schwerpunkt liegt auf der digitalen Erfassung und Analyse von Umwelt- und Geodaten mithilfe moderner Technologien wie Laserscanning, Photogrammetrie, Drohnen- und Satellitenfernerkundung. Ziel ist die Erstellung präziser 3D-Modelle und Karten für Anwendungen unter anderem in Stadtplanung, Infrastrukturentwicklung und Umweltforschung.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Frankfurt University of Applied Sciences, Labor für 3D-Umwelterfassung und Fernerkundung, Prof. Dr. Jens Brauneck, Telefon: +49 69 1533-2789, E-Mail: Jens.brauneck@fra-uas.de
Weitere Informationen:
https://www.frankfurt-university.de/fe-labor (Informationen zum Labor für 3D-Umwelterfassung und Fernerkundung )
https://www.frankfurt-university.de/geodm (Informationen zu den Studiengängen des Geodatenmanagements)
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