Ministerin Bär entdeckt die Kraft der Erwartung
Berlin/Essen 07. Mai 2026: Im Rahmen des Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft eröffnete am 7. Mai die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, die Ausstellung auf der MS Wissenschaft in Berlin. Prof. Ulrike Bingel vom Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ an der Universitätsmedizin Essen erklärte der Ministerin und SchülerInnen das Exponat „Die Kraft der Erwartung – Nutze deine körpereigene Apotheke“.
„Also mein Zahnarzt ist total nett und ich habe keine Angst“, erzählt der Berliner Grundschüler an der interaktiven Station auf dem Binnenschiff. Die Leiterin des Schmerzzentrums an der Universitätsmedizin Essen freut sich: „Dann stehen die Chancen gut, dass es auch nicht weh tut“. Bei der Eröffnung erklärt die Neurologin Ulrike Bingel der Ministerin Dorothee Bär und der Grundschulklasse, wie Erwartungseffekte in der Medizin wirken. Das Exponat des Sonderforschungsbereichs (SFB/TRR) 289 „Treatment Expectation“ an der Universität Duisburg-Essen lädt ein, die Macht der Erwartungseffekte spielerisch selbst zu erfahren. An einem großen Gehirnmodell lernen die Besuchenden, welche Hirnareale für Placebo- und Noceboeffekte entscheidend sind.
Die Schüler nutzen fleißig das Mitmachmodul: Was wirkt besser gegen Schmerzen – eine Spritze oder eine Tablette? „Die Spritze“, rufen gleich drei SchülerInnen. Die Auflösung steht hinter einer Schiebeklappe.
Dann testeten die SchülerInnen mit Dorothee Bär ihre eigenen Erwartungen nach einem Arztgespräch. Über unterschiedlich farbige Telefonhörer konnten sie erleben, wie ein Arzt und eine Ärztin ihnen ein Medikament gegen Bauchschmerzen verschreiben – mal warmherzig, mal eher kühl und wenig mitfühlend. Forschungsministerin Bär entschied schnell: „Die Stimme und der Text beim grünen Hörer klingen empathisch.“
„Kommunikation ist ein entscheidender Faktor beim Therapieerfolg, denn je besser und verständlicher ein Arzt, eine Ärztin oder medizinisches Personal die Therapie erklärt, desto größer sind die Chancen, dass sie gut wirkt und wenig Nebenwirkungen auftreten“, erklärt Prof. Bingel. Dorothee Bär betont: „Ihr wisst ja, kein Kind muss Schmerzen ertragen.“ Ihr ist wichtig, dass zum Beispiel die Unsicherheiten bei der Diagnose von Endometriose das Leiden und die Belastung verschlimmern. „Das sind Noceboeffekte, die nicht sein sollten“, so Bingel. Es dauert im Schnitt acht Jahre, bis die schmerzhafte Unterleibserkrankung richtig diagnostiziert und behandelt wird.
Gesundheitsforschung zum Anfassen
An rund 30 Exponaten können Besuchende in der Ausstellung aktiv werden. Sie können zum Beispiel Medikamente an einem künstlichen Organ testen, ihren Herzschlag mit einer Kamera messen oder virtuell in den Operationssaal der Zukunft eintauchen. Besuchende sind auch eingeladen, an drei Stationen neueste Forschung zu Krankheiten wie Demenz, Diabetes oder Endometriose zu erkunden. Der Besuch der Ausstellung wird ab zwölf Jahren empfohlen und ist frei. Wissenschaft im Dialog (WiD) realisiert die Ausstellung im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Exponate kommen direkt aus der Forschung und werden unter anderem entwickelt und zur Verfügung gestellt von Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft und DFG-geförderten Projekten, Hochschulen sowie weiteren Partnern. Dazu erklärt die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär: „Gesundheit geht uns alle an. Jede und jeder Einzelne profitiert von starker Forschung, die gute Medizin und wirksame Vorsorge möglich macht. Deshalb zeigen wir als BMFTR mit dem Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft, wie Forschung unser Gesundheitssystem besser macht, von der Prävention bis zur Pflege, und wie technische Innovationen den Alltag von Menschen erleichtern."
Die Kraft der Erwartung
Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte SFB „Treatment Expectation“ klärt über die Zusammenhänge zwischen den eigenen Behandlungserwartungen, Vorerfahrungen und dem Erfolg einer Behandlung sowie auftretenden Nebenwirkungen auf: Auch was jeder und jede Einzelne tun kann, um für die eigene Gesundheit von Placeboeffekten zu profitieren und Noceboeffekte zu vermeiden, zeigt das Exponat auf der MS Wissenschaft. „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass der Therapieerfolg allein durch Wirkstoffe und Technik bestimmt wird, denn die beste Therapie wird ihr Potenzial nicht entfalten, wenn sie falsch vermittelt wird oder Ängste, Sorgen und negative Erfahrungen nicht berücksichtigt werden“, erklärt Bingel. Ihr Appell an Ministerin Bär: „Gute Medizin entsteht dort, wo Technologie und menschliche Interaktion mit richtiger Kommunikation zusammenkommen. Dieses Verständnis sollte in allen Gesundheitsberufen, der Gesundheitskommunikation, der Forschung und der Gesundheitspolitik verankert sein.“
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulrike Bingel
Weitere Informationen:
https://Link zu weiteren Informationen rund um die Ausstellung „Zukunft der Medizin“ und zum Interview mit Prof. Ulrike Bingel: www.treatment-expectation.de/mswissenschaft
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