Wie bewerten Forschende und die Bevölkerung Künstliche Intelligenz?
Eine RWTH-Studie vergleicht erstmals die Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz bei akademischen Expertinnen und Experten mit der der Allgemeinbevölkerung auf einer breiten Datenbasis. Das Ergebnis lässt sich kurz zusammenfassen.
Eine RWTH-Studie vergleicht erstmals die Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz, kurz KI, bei akademischen Expertinnen und Experten mit der der Allgemeinbevölkerung auf einer breiten Datenbasis. Das Ergebnis lässt sich kurz zusammenfassen: „Wer KI entwickelt, denkt anders über KI als jene, die mit ihr leben müssen. Expertinnen und Experten halten KI-Entwicklungen für wahrscheinlicher, nützlicher und weniger riskant als die Allgemeinbevölkerung“, so Philipp Brauner, Leiter der Studie. Diese entstand am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen unter Leitung von Professorin Martina Ziefle. Befragt wurden 1.100 repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger sowie 119 KI-Expertinnen und Experten. Im Fokus waren zahlreiche KI-Szenarien – von medizinischer Diagnose über autonome Waffensysteme bis hin zu politischen Entscheidungen.
Brauner erläutert: „Für uns war besonders aufschlussreich, dass bei Expertinnen und Experten das Gesamturteil über KI fast dreimal stärker vom wahrgenommenen Nutzen als vom wahrgenommenen Risiko bestimmt ist. In der Bevölkerung ist dieser Abstand deutlich geringer, Risiken fallen hier viel stärker ins Gewicht.“ Beide Gruppen stimmen darin überein, was gut oder schlecht ist – etwa, dass KI in der Medizin nützlich, im Militär aber problematisch ist. In strittigen Feldern wie Justiz, politischer Entscheidungsfindung oder sozialer Überwachung klaffen die Bewertungen auseinander.
Die Studie warnt vor einem strukturellen Risiko: Wenn KI vorwiegend mit nutzenorientiertem Blick entwickelt und eingesetzt wird, entstehen Systeme, die an den Risikoprioritäten der Bevölkerung vorbeigehen. „Wir nennen das „Prokrustische KI“. Diese ist nicht auf die Gesellschaft zugeschnitten, sondern erwartet, dass die Gesellschaft sich ihr anpasst", so Brauner. Er ergänzt: „Die Lösung ist einfach: Mehr Partizipation und Beteiligung der Bevölkerung an Entwicklung, Einführung und Regulierung von KI.“
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Philipp Brauner
Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft
Tel: +49 241 80-49237
brauner@comm.rwth-aachen.de
Originalpublikation:
https://link.springer.com/article/10.1007/s00146-026-03023-8
Weitere Informationen:
https://Philipp Brauner, Felix Glawe, Gian Luca Liehner, Luisa Vervier & Martina Ziefle: Charting the AI Perception Gap: Divergent Views on Risk, Benefit, and Value Between Experts and the Public Challenge the Societal Acceptance of AI. AI & Society, Springer (2026).
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