Bisher unerkannte Handschrift aus der Bibliotheca Palatina wiederentdeckt
Eine bemerkenswerte Entdeckung in der Universitätsbibliothek Heidelberg rückt eine mittelalterliche Handschrift neu ins Licht: Der 1937 in einem Antiquariat erworbene Codex aus dem 15. Jahrhundert ist als Teil der Bibliotheca Palatina identifiziert worden – der bedeutendsten deutschen Bibliothek der Renaissance, deren Bestände sich heute im Wesentlichen in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek in Rom sowie in Heidelberg befinden. Da dieser Zusammenhang beim Ankauf nicht erkannt wurde, gelangte dieser Codex zunächst in den Handschriften-Bestand der Universitätsbibliothek. Jetzt konnte der Bezug der Handschrift zur Bibliotheca Palatina nachgewiesen werden.
Pressemitteilung
Heidelberg, 15. Mai 2026
Bisher unerkannte Handschrift aus der Bibliotheca Palatina wiederentdeckt
Codex aus dem 15. Jahrhundert befindet sich seit 1937 im Bestand der Universitätsbibliothek
Eine bemerkenswerte Entdeckung in der Universitätsbibliothek Heidelberg rückt eine mittelalterliche Handschrift neu ins Licht: Der 1937 in einem Antiquariat erworbene Codex aus dem 15. Jahrhundert ist als Teil der Bibliotheca Palatina identifiziert worden – der bedeutendsten deutschen Bibliothek der Renaissance, deren Bestände sich heute im Wesentlichen in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek in Rom sowie in der Universitätsbibliothek Heidelberg befinden. Da dieser Zusammenhang beim Ankauf nicht erkannt wurde, gelangte dieser Codex, der über einen kunstvoll ausgestatteten Einband verfügt, zunächst in den Handschriften-Bestand der Universitätsbibliothek. Dr. Karin Zimmermann, Leiterin der Abteilung Historische Sammlungen, konnte den Bezug der Handschrift zur Bibliotheca Palatina jetzt nachweisen.
„Geschrieben wurde die Handschrift wohl in Konstanz und Basel für einen gewissen Johannes Zeller, der im 15. Jahrhundert mehrere Ämter in den dortigen Diözesen und Hochstiften innehatte“, erläutert Dr. Thorsten Huthwelker, Mitarbeiter der Historischen Sammlungen, der die genauere Untersuchung der Handschrift übernommen hat. Dass Johannes Zeller darüber hinaus den Bischof von Konstanz beriet, spiegelt die Zusammenstellung der im Codex versammelten Texte wider. Er enthält unter anderem den zwischen 1338 und 1340 im Kontext der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst entstandenen „Tractatus de iuribus regni et imperii Romanorum“ des Rechtsgelehrten Lupold von Bebenburg. Darin wird, so Dr. Huthwelker, die Position vertreten, dass der gewählte römische König auch ohne päpstliche Bestätigung die volle Verfügungsgewalt über Reich und Imperium besitzt. Ergänzt wird der Codex durch weitere Texte von verfassungsrechtlicher Bedeutung.
Der kostbar gestaltete Einband des Codex geht auf den in Heidelberg residierenden Kurfürsten Ottheinrich (1502 bis 1559) zurück – ein Hinweis darauf, dass die Handschrift bereits Mitte des 16. Jahrhunderts Teil der Bibliotheca Palatina war. 1623 wurde diese Büchersammlung im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs als Beute in den Vatikan verbracht. Im dortigen Inventar von 1798 wird der Codex als vermisst geführt. Später taucht die Handschrift in der Büchersammlung des englischen Aristokraten Frederick North (1766 bis 1827) auf. Nach mehreren weiteren Stationen erwarb offenbar der aus Heidelberg stammende Maler Wilhelm Trübner (1851 bis 1917) den Codex. Aus seinem Nachlass gelangte die Handschrift in den Besitz eines Münchner Antiquariats, das den Codex 1937 an die Universitätsbibliothek Heidelberg veräußerte.
Der Codex hat jetzt die neue Bibliothekssignatur „Cod. Pal. lat. 778“ erhalten und ist damit wieder Teil der Bibliotheca Palatina. Zudem wurde die Handschrift digitalisiert und in das Portal „Bibliotheca Palatina – digital“ integriert, das die Bestände aus Rom und Heidelberg virtuell zusammenführt.
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