Batteriespeicher realistisch bewerten: Warum Backtests nicht ausreichen
Das Whitepaper „The Structural Value of BESS“ ist eine gemeinsame Veröffentlichung der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) und Re-Twin Energy. Es verbindet die Optimierungsmodelle für Batteriespeicher von Re-Twin Energy mit den langfristigen Strompreisprognosen der FfE. Ziel ist es, das Ertragspotenzial von Batterie-Energiespeichersystemen nicht nur unter aktuellen Marktbedingungen zu betrachten, sondern im Kontext der langfristigen Entwicklung des Energiesystems realistisch einzuordnen.
Kurzfristige Erlöse sind kein verlässlicher Maßstab
Die Bewertung von Batteriespeichern (BESS) erfolgt häufig auf Basis historischer Backtests. Diese bilden reale Marktbedingungen ab, erfassen jedoch vor allem kurzfristige Volatilität und außergewöhnliche Ereignisse. Dadurch entstehen Erlöserwartungen, die systematisch über dem langfristig realisierbaren Niveau liegen.
Strukturelles Ertragspotenzial entsteht im Energiesystem
Das gemeinsame Whitepaper von FfE und Re-Twin Energy zeigt, dass diese Abweichung strukturell bedingt ist. Backtests bilden opportunistische Erlöse ab, während langfristige Strompreisprognosen das nachhaltige Ertragspotenzial von Batteriespeichern beschreiben. Grundlage sind Energiesystemmodelle, die die Entwicklung des Strommarkts über einen längeren Zeitraum abbilden. Im Ergebnis unterscheiden sich beide Perspektiven deutlich: Während Backtests Erlöse von rund 200.000 bis 280.000 € pro MW und Jahr zeigen können, liegen langfristig erwartbare strukturelle Erlöse typischerweise bei etwa 120.000 bis 180.000 € pro MW und Jahr
Was das für Business Cases und Investitionen bedeutet
Für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern und die Ableitung belastbarer Business Cases ist das strukturell erzielbare Ertragsniveau entscheidend. Kurzfristige Erlöspotenziale können zusätzliche Orientierung geben, sind allein jedoch nicht tragfähig. Das strukturelle Ertragsniveau bildet die Grundlage für bankfähige Projekte und Finanzierungsentscheidungen. Entsprechend müssen kurzfristige Marktchancen und langfristig erzielbarer wirtschaftlicher Wert getrennt betrachtet werden.
Das Whitepaper richtet sich insbesondere an:
- Projektentwickler und Betreiber von Batteriespeichern
- Investoren und Finanzierer
- Energieversorger und Marktteilnehmer
- alle, die Wirtschaftlichkeit und Risiken von BESS-Projekten bewerte
Wie sich langfristige Strompreisprognosen und Optimierungsmodelle konkret kombinieren lassen und welche Auswirkungen das auf die Bewertung von Batteriespeichern hat, ist im Whitepaper im Detail dargestellt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Lennart Herrmann (FfE), Dr.-Ing. Timo Kern (FfE)
Mayur Andulkar (Re-Twin Energy) Florian Heise (Re-Twin Energy)
Originalpublikation:
https://www.ffe.de/veroeffentlichungen/batteriespeicher-realistisch-bewerten/
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