Waldzustandserhebung 2025: Buche und Fichte geht es etwas besser, Eiche leidet stärker
Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2025 zeigen zwei Trends: Durch die günstigere Witterung der vergangenen Jahre erholen sich die Hauptbaumarten in Deutschlands Wäldern leicht. Mit Ausnahme von Eiche und Kiefer, die weiter stark in Mitleidenschaft gezogen sind. Der Langzeittrend im Wald zeigt zudem, dass es den Bäumen klimawandelbedingt nicht mehr so gut wie vor 2018 gehen wird.
Eberswalde (19. Mai 2026). Den Hauptbaumarten in Deutschlands Wäldern geht es langsam wieder besser – mit Ausnahmen: Eichen und Kiefern weisen noch mehr Schäden auf als im vergangenen Jahr. Das zeigt die aktuelle Waldzustandserhebung (WZE). Diese wird jährlich vom Thünen-Institut für Waldökosysteme im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durchgeführt. „Die Nachrichten sind nicht uneingeschränkt positiv“, sagt Dr. Nicole Wellbrock, die die WZE am Thünen-Institut leitet. „Trotz der vergleichsweise günstigen Witterung mit mehr Regen vor allem im Juli 2025 ist der Zustand der Bäume immer noch schlechter als in den Jahren vor der großen Dürre 2018 bis 2020“, erläutert die Wissenschaftlerin. Das deute auf einen langfristig negativen Trend des Waldzustandes im Klimawandel hin.
Mit der WZE untersuchen die Forschenden jedes Jahr, wie sich der Zustand der Hauptbaumarten in Deutschlands Wäldern entwickelt. Dafür werden insbesondere der Kronenzustand und die Absterberate an definierten Erfassungspunkten begutachtet. Erstmals seit Beginn der Berichterstattung im Jahr 1984 basiert der Bericht auf der Erhebung von 46.531 Bäumen in einem Raster von 8x8 Kilometern. Damit wurden etwa viermal so viele Bäume ausgewertet wie in den Vorjahren. „Das erhöht die statistische Sicherheit unserer Aussagen“, betont Nicole Wellbrock. Erfasst wurden insgesamt 38 Baumarten. 77 Prozent davon gehören zu den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche. Stiel- und Trauben-Eiche werden gemeinsam ausgewertet.
Ergebnisse der Hauptbaumarten: Buche etwas besser, Eiche verschlechtert sich
Nach einem trockenen Frühjahr brachte zumindest der Juli 2025 ergiebige Niederschläge. Dennoch gab es immer wieder anhaltende Trockenphasen mit gelegentlichen Hitzewellen. Insgesamt war das Wetter für die Wälder nicht so günstig wie 2024. Im Süden Deutschlands waren die Bedingungen für die Bäume etwas besser, weil es im Frühjahr mehr Regen gab. Unvermindert problematisch ist der Insektenbefall der Bäume.
Der Kronenzustand 2025 hat sich im Vergleich zum Vorjahr im Mittel über alle Baumarten hinweg kaum verändert. Die mittlere Kronenverlichtung als Maß für die Vitalität aller Bäume liegt bei 25,2 Prozent. Zum Vergleich: 2024 lag dieser Wert bei 25,7 Prozent.
Die mittlere Kronenverlichtung bei Buche und Fichte hat sich im Vergleich zu 2024 etwas verbessert. Bei Fichten ist die mittlere Kronenverlichtung um zwei Prozentpunkte auf 25,2 Prozent gesunken. Bei Buchen lag sie bei 25,6 Prozent und damit um fast drei Prozent unter dem Vorjahreswert (28,5 Prozent). Grund dafür ist vor allem eine geringere Fruchtbildung (Fruktifikation). Nur auf einem Prozent der Waldflächenanteile bildeten die Buchen stark Früchte aus.
Die mittlere Kronenverlichtung der Kiefer hat im Vergleich zum Vorjahr hingegen leicht zugenommen. 2024 wiesen 22,5 Prozent der Kiefer lichte Kronen auf. 2025 waren es 24,2 Prozent. Damit hat die Kiefer zwar innerhalb der Hauptbaumarten den niedrigsten Wert. Für die Baumart ist es aber der schlechteste Wert seit Beginn der Aufzeichnung.
Auffällig ist der schlechte Zustand vieler Eichen. Die Baumart weist mit 30,1 Prozent noch einmal knapp ein Prozent mehr mittlere Kronenverlichtung auf als 2024 (29,3 Prozent). Damit haben Eichen die meisten Kronenverlichtungen aller Hauptbaumarten. Der Wert ist zudem der höchste bisher für die Eiche verzeichnete seit 1984.
Anteil deutlich verlichteter Kronen bei Eichen auf hohem Niveau stabil
Liegt die Kronenverlichtung bei mehr als 25 Prozent, sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von einer deutlichen Kronenverlichtung. Bäume sind dann bereits maßgeblich in ihrer Vitalität geschwächt. Der Anteil dieser Bäume war nach den Trockenjahren erheblich angestiegen. Seither liegt er nahezu unverändert bei 35 Prozent – so auch 2025. Die Baumarten im Einzelnen: Der Anteil der Fichten mit deutlicher Kronenverlichtung lag bei 38 Prozent (2024: 39 Prozent). Bei Buchen ist die deutliche Kronenverlichtung zurückgegangen – von 46 Prozent im Jahr 2024 auf 38 Prozent im Jahr 2025. Bei der Kiefer stieg der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung hingegen von 24 auf 31 Prozent.
Die Eiche blieb mit 51 Prozent deutlicher Kronenverlichtung auf Vorjahresniveau. Die Vitalität der Bäume ist erheblich eingeschränkt. Und: Der vergleichbar hohe Prozentsatz geschädigter Eichen spiegelt sich auch in den Altbäumen. Von den über 60-jährigen Eichen weisen anteilig 59 Prozent deutliche Kronenverlichtungen auf. „Wir gehen davon aus, dass die Bäume nach wie vor unter Schädlingen wie dem Eichenprachtkäfer und anderen sogenannten Eichenfraßgesellschaften leiden“, sagt Thünen-Wissenschaftlerin Wellbrock.
Eine gute Nachricht aus dem Wald betrifft die Absterberate: Erstmals seit 2017 war 2025 der häufigste Grund für den Ausfall von Bäumen im Ökosystem die geplante forstliche Nutzung. Die natürliche Absterberate ist von 0,86 Prozent auf 0,29 Prozent gesunken.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Thünen-Institut für Waldökosysteme
Dr. Nicole Wellbrock
E-Mail: nicole.wellbrock@thuenen.de
Weitere Informationen:
https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00114896 Erläuterungen zu den Stichprobenerhöhungen
https://blumwald.thuenen.de/wze Daten und Grafiken zur WZE zum Download
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