Antisemitismus besser verstehen: TU Berlin stärkt Forschung und Vernetzung
Neues Verbundprojekt zu antisemitischer Kriminalität und erweitertes Forschungsnetzwerk „Antisemitismus im 21. Jahrhundert“ bauen Forschung, Vernetzung und Transfer aus
Die Technische Universität Berlin baut ihre Forschung zu Antisemitismus weiter aus: Im Rahmen der Förderrichtlinie „Ursachen und Dynamiken des Antisemitismus“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt wurden zwei Projekte unter Beteiligung der TU Berlin bewilligt. Neben dem „Forschungsnetzwerk Antisemitismus im 21. Jahrhundert“ (FonA21), das als Begleitvorhaben der Förderrichtlinie mit 2,1 Millionen Euro in einer zweiten Förderphase fortgeführt wird, wird das Verbundprojekt „Präventionsorientierte Analyse Antisemitischer Kriminalität“ (PAAK) erstmals gefördert.
Beide Vorhaben adressieren zentrale Herausforderungen der Antisemitismusforschung: den Ausbau belastbarer empirischer Grundlagen sowie die stärkere Vernetzung und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik, Zivilgesellschaft und Präventionspraxis.
Empirische Analyse antisemitischer Straftaten
Im Verbundprojekt PAAK untersucht die TU Berlin gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum Erscheinungsformen, Bedingungsfaktoren und Verläufe antisemitischer Straftaten. Hintergrund ist der deutliche Anstieg entsprechender Delikte in Deutschland seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023. Eine empirische Wissensbasis für die Erklärung und damit Prävention von antisemitischen Straftaten fehlt bisher.
Ziel des Projekts ist es, antisemitische Straftaten und Täter*innen für den Zeitraum 2022 bis 2025 systematisch zu analysieren und daraus wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Der Fokus liegt dabei auf Präventionsmaßnahmen für gefährdete Gruppen sowie auf Ansätzen der Deradikalisierung und Distanzierung bei bereits auffällig gewordenen Personen.
Passgenaue Präventionsansätze
Das Teilvorhaben der TU Berlin zu biographischen Verläufen und Risikofaktoren bei antisemitischen Straftäter*innen ist am Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) angesiedelt und erweitert die dort etablierte Forschung im Bereich Sicherheit – Risiko – Kriminologie um den Schwerpunkt antisemitische Kriminalität. Analysiert werden insbesondere Bedingungsfaktoren für individuelles deliktisches Verhalten im Phänomenbereich antisemitischer Kriminalität.
Methodisch kombiniert das Verbundvorhaben qualitative und quantitative Zugänge. Grundlage sind unter anderem staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten, Fallakten aus der Präventionsarbeit sowie biographische Interviews mit inhaftierten Straftäter*innen. Ziel ist die Identifikation unterschiedlicher Tätertypen und Risikokonstellationen als Basis für passgenaue Präventionsansätze. Die Ergebnisse werden in Austauschformaten mit Akteur*innen der Extremismusprävention in die Praxis zurückgeführt.
Ausbau des Forschungsnetzwerks FonA21
Parallel dazu wird das Forschungsnetzwerk „Antisemitismus im 21. Jahrhundert“ (FonA21) am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin in einer zweiten Förderphase weitergeführt und ausgebaut. Seit seiner Gründung im Jahr 2021 vernetzt und begleitet FonA21 die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekte. Im Mittelpunkt stehen Forschungsvorhaben, die sich aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven mit Ursachen, Hintergründen und Erscheinungsformen des gegenwärtigen Antisemitismus in Deutschland befassen.
Mit Beginn der zweiten Förderphase im Januar 2026 wächst das Netzwerk deutlich. In den nächsten fünf Jahren werden insgesamt 13 neue Projekte Teil des Verbunds und fachlich begleitet. Sie untersuchen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven verschiedene Formen des Antisemitismus. Neben PAAK gehört dazu beispielsweise ein Projekt zu Antisemitismus am Arbeitsplatz. Ein weiteres beschäftigt sich mit den Herausforderungen im Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus in KZ-Gedenkstätten und anderen Erinnerungsorten an die NS-Zeit. Damit entwickelt sich FonA21 zu einem größeren, zunehmend auch international ausgerichteten Verbund, der Forschung, Praxis und Zivilgesellschaft enger miteinander verknüpft.
Wissenstransfer in Politik und Gesellschaft
Neben der Bündelung und Systematisierung von Forschungsergebnissen übernimmt FonA21 eine zentrale Transferfunktion. Mit Konferenzen, Workshops und weiteren Veranstaltungs- und Präsentationsformaten unterstützt das Netzwerk den Wissenstransfer in Politik und Gesellschaft und schafft Räume für interdisziplinären Austausch und Dialog. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse sichtbarer und anschlussfähiger zu machen und neue Perspektiven auf Antisemitismus im 21. Jahrhundert zu eröffnen.
Damit trägt FonA21 zur nachhaltigen Stärkung der nationalen und internationalen Antisemitismusforschung sowie zur evidenzbasierten Politikberatung bei.
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Forschungsnetzwerk „Antisemitismus im 21. Jahrhundert“ (FonA21), https://www.fona21.org/
Adina Stern
Zentrum für Antisemitismusforschung
TU Berlin
E-Mail: adina.stern@tu-berlin.de
Verbundprojekt „Präventionsorientierte Analyse Antisemitischer Kriminalität“ (PAAK), Teilvorhaben TU Berlin https://www.fona21.org/forschung/aktuelle-projekte/paak-praeventionsorientierte-analyse-antisemitischer-kriminalitaet
Dr. Robert Pelzer
Zentrum Technik und Gesellschaft
TU Berlin
E-Mail: pelzer@ztg.tu-berlin.de
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