Max Weber Stiftung richtet neue Transnationale Forschungsgruppe in Santiago de Chile ein
Der Stiftungsrat der Max Weber Stiftung (MWS) hat in seiner 56. Sitzung am 8. Mai 2026 in Warschau die Einrichtung der vierten Transnationalen Forschungsgruppe der Stiftung beschlossen. Den Zuschlag erhielten die Deutschen Historischen Institute Washington und Rom sowie das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris mit einem gemeinsamen Konzept für einen neuen Forschungsstandort in Santiago de Chile. Von 2027 bis 2031 wird dort die Forschungsgruppe „Imperial Legacies. Konflikte um Normen, Macht und Bilder in den postimperialen Gesellschaften Lateinamerikas (1820–2020)“ arbeiten.
Die Forschungsgruppe untersucht, wie imperiale Vergangenheiten die politischen Kulturen, internationalen Beziehungen und visuellen Ordnungen Lateinamerikas seit dem 19. Jahrhundert bis heute geprägt haben. Im Mittelpunkt stehen Argentinien, Brasilien und Chile. Die beteiligten Wissenschaftler*innen aus Lateinamerika und Europa fragen danach, wie koloniale und imperiale Ordnungsvorstellungen nach der Unabhängigkeit fortwirkten, umgedeutet oder zurückgewiesen wurden — etwa in Debatten über Staatsbürgerschaft, Recht, politische Legitimation, internationale Einflussnahme und gesellschaftliche Zugehörigkeit. Einen besonderen Akzent setzt das Projekt auf die Verbindung von Geschichtswissenschaft, Rechtsgeschichte und Kunstgeschichte: Macht, Normen und Bilder werden als eng miteinander verflochtene Felder verstanden, auf denen postimperiale Ordnung bis in die Gegenwart ausgehandelt wird. Als Sprecherin der Forschungsgruppe fungiert Ulrike von Hirschhausen, Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Washington/Berkeley.
Mit einem neuen Büro in Santiago de Chile stärkt die MWS ihre Präsenz in Lateinamerika. Chile bietet für die Forschungsgruppe einen strategisch wichtigen Standort: Das Land verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit guten Kooperationsmöglichkeiten und einer regionalen Ausstrahlung in den lateinamerikanischen Raum.
„Der Stiftungsrat sieht in der neuen Forschungsgruppe nicht nur ein vielversprechendes Beispiel institutsübergreifender Zusammenarbeit, sondern auch den Ansatz für eine mittelfristig mögliche Institutsgründung in Lateinamerika – einem Kontinent, der für die deutschen Geschichts- und Sozialwissenschaften von großer, zukunftsweisender Bedeutung ist“, sagt MWS-Präsidentin Ute Frevert über das neue Forschungsvorhaben.
Transnationale Forschungsgruppen der MWS ermöglichen es einem oder mehreren Instituten der Stiftung, gemeinsam mit internationalen Partner*innen ein zeitlich befristetes Forschungsprojekt mit klar umrissener Fragestellung umzusetzen. Die Projekte können regional, thematisch oder fachlich ausgerichtet sein und sollen zur strategischen Weiterentwicklung der Stiftung beitragen. Bisherige Transnationale Forschungsgruppen arbeiteten in Delhi (2013–2017), Dakar (2017–2021) sowie Rom/Warschau (2022–2026).
Die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (MWS) fördert Forschung auf den Gebieten der Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in ausgewählten Gastländern. Dafür unterhält sie weltweit Institute sowie Forschungsgruppen und Büros. Die MWS wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanziert. www.maxweberstiftung.de
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