Drei Göttinger Forschende werden Mitglieder der Royal Society
Die renommierte Gesellschaft nimmt Ramin Golestanian (MPI für Dynamik und Selbstorganisation), Melina Schuh (MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften) und Sami Solanki (MPI für Sonnensystemforschung) in ihre Reihen auf.
Die nationale Akademie der Wissenschaften des Vereinigten Königreichs wählt jährlich herausragende Forschende aus verschiedenen Fachbereichen zu neuen Mitgliedern. In diesem Jahr zählen zu den neuen Fellows gleich 3 Direktor*innen der Göttinger Max-Planck-Institute.
Einer von ihnen ist MPI-DS-Direktor Ramin Golestanian. Seine Forschung umfasst verschiedene Aspekte der statistischen Physik außerhalb des Gleichgewichts, der weichen Materie und der Biophysik. In seiner Abteilung „Physik lebender Materie“ untersucht Ramin Golestanian, wie sich Materie selbst organisiert und zu Mustern anordnet, die bestimmte Funktionen erfüllen und schließlich lebendige Strukturen bilden. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er universelle theoretische Modelle, die auf verschiedene biologische Systeme angewendet werden können, um die zugrunde liegenden physikalischen Prinzipien besser zu verstehen. „Ich fühle mich geehrt, diese Auszeichnung zu erhalten, die ich zweifellos dem Privileg verdanke, über die Jahre hinweg mit so vielen brillanten Studierenden, Postdocs und erfahrenen Kollegen zusammengearbeitet zu haben“, freut sich Golestanian. Seit 2010 ist er Professor für Theoretische Festkörperphysik an der Universität Oxford. Im Jahr 2018 wurde er zum Direktor am MPI-DS in Göttingen ernannt.
Melina Schuh, Direktorin am MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, erforscht die frühe Entwicklung der Eizelle. Sie untersucht mit ihrem Team die spezialisierte Zellteilung, die Meiose, bei der die Eizelle ihren Chromosomensatz halbiert. Erst dann kann sie mit einer Samenzelle verschmelzen. Dieser Prozess der Chromosomenreduktion ist jedoch fehleranfällig. Werden die Chromosomenpaare während der Meiose nicht richtig getrennt, kann es passieren, dass die reife Eizelle zu viele oder zu wenige Chromosomen erhält. Wird eine solche Eizelle befruchtet, kann sich das auf den Verlauf der Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes auswirken und zu Fehlgeburten oder Unfruchtbarkeit führen. Melina Schuh erforscht mit ihrem Team, wie es bei der Halbierung des Chromosomensatzes zu Fehlern kommt. Die Forschenden konnten zeigen, dass Chromosomen oft nicht korrekt an die zelluläre Maschinerie gebunden sind, die die Chromosomenpaare trennt. Außerdem fanden sie heraus, dass die Chromosomen in den Eizellen mit zunehmendem Alter der Frau instabil werden. Die Erkenntnisse von Schuhs Forschung könnten Frauen in ihren späten 30ern und frühen 40ern zukünftig dabei helfen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen und auch die Erfolgschancen der In-vitro-Fertilisation verbessern.
Sami K. Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), erforscht das launische Wesen der Sonne. Warum zeigt sie sich manchmal von ihrer eruptiven, manchmal von ihrer ruhigen Seite? Auf der Suche nach Antworten hat der Göttinger Forscher unser Verständnis unseres Sterns maßgeblich geprägt und sein komplexes und veränderliches Magnetfeld als Motor für verschiedenste Phänomene identifiziert. Dabei setzt er auf einen möglichst vielfältigen Blick auf die Sonne: mit hoher Auflösung, über lange Zeit, möglichst ununterbrochen und aus neuen Blickwinkeln. Unter seiner Leitung ist das MPS an innovativen Sonnenteleskopen auf der Erde beteiligt sowie an zahlreichen Weltraummissionen wie etwa Solar Orbiter, Vigil, STEREO, MUSE, Solar C und Aditya. Viele dieser Projekte hat Solanki angestoßen oder maßgeblich mitgestaltet und vorangetrieben. Zudem hat er die Mission Sunrise ins Leben gerufen. Aus der Stratosphäre hat das ballongetragene Sonnenobservatorium bereits dreimal auf die Sonne geschaut und einzigartige Messdaten eingefangen. Hinweise auf das langfristige Verhalten unseres Sterns sucht Solanki in natürlichen Archiven wie Baumringen und Eisbohrkernen und durch den Vergleich mit tausenden sonnenähnlichen Sternen.
Über die Royal Society
Die Aufgabe der Royal Society besteht darin, wissenschaftliche Exzellenz anzuerkennen, zu fördern und zu unterstützen sowie die Entwicklung und Nutzung der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit voranzutreiben. Die bereits in den 1660er Jahren gegründete Gesellschaft wählt herausragende Forscher aus aller Welt zu ihren Mitgliedern.
Sir Paul Nurse, Präsident der Royal Society, heißt in diesem Jahr über 90 neue Fellows in der renommierten wissenschaftlichen Gesellschaft des Vereinigten Königreichs willkommen: „Unsere Gemeinschaft wird nicht nur durch individuelle Verdienste gestärkt, sondern auch durch die Vielfalt der Perspektiven und Erfahrungen, die ihre Mitglieder einbringen. Diese neue Kohorte unterstreicht den wahrhaft internationalen Charakter der zeitgenössischen Wissenschaft und verdeutlicht die entscheidende Rolle von Zusammenarbeit bei der Erzielung von Durchbrüchen, die uns allen zugutekommen.“
Die Fellows und ausländischen Mitglieder reihen sich in die Riege berühmter Wissenschaftler*innen wie Stephen Hawking, Isaac Newton, Charles Darwin, Albert Einstein, Lise Meitner, Subrahmanyan Chandrasekhar und Dorothy Hodgkin ein.
Weitere Informationen:
https://www.ds.mpg.de/4124195/260527_Golestanian_Royal_Society
https://royalsociety.org/news/2026/05/new-fellows-announcement-2026/
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