Für eine grünere Chemie: Der Gerhard-Ertl-Lecture Award 2026 geht an Professor Marc Koper
Zu Ehren von Prof. Gerhard Ertl, der 2007 den Nobelpreis für Chemie erhielt, verleihen das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und die drei Berliner Universitäten (FU, HU und TU Berlin) jedes Jahr den Gerhard-Ertl-Lecture Award. Dieses Jahr wird der niederländische Chemiker Prof. Marc Koper für seine Leistungen auf den Gebieten der Elektrochemie und der Katalyse ausgezeichnet.
Wir geben mit Freude bekannt, dass der diesjährige Gerhard-Ertl-Lecture Award an Prof. Marc Koper von der Universität Leiden in den Niederlanden verliehen wird. Die Auszeichnung würdigt Prof. Kopers wissenschaftliche Leistungen auf den Gebieten der Elektrochemie und Katalyse. Seine Erkenntnisse sind von entscheidender Bedeutung, um die Nutzung erneuerbare Energien und die Entwicklung einer nachhaltigen Chemie voranzutreiben. Wir gratulieren ihm ganz herzlich und freuen uns auf seinen Vortrag im Dezember.
Prof. Koper ist ein absoluter Vorreiter im Bereich der Elektrochemie, jenem Teilgebiet der Chemie, das die Wechselwirkungen von Elektrizität und chemischen Reaktionen erforscht. Er untersucht, wie elektrochemische Redoxreaktionen, insbesonders solche, die für eine nachhaltige Energieversorgung und grüne Chemie relevant sind, gesteuert und durch Katalysatoren beschleunigt werden können. Als weltweit führender Forscher auf dem Gebiet der elektrochemischen Umwandlung von Kohlendioxid in Kohlenwasserstoffe hat er mit seinem Team theoretische Modelle für die Bildung von Kohlenwasserstoffen auf Kupferoberflächen entwickelt und damit die zentrale Rolle von Kupfer als Katalysator erklärt. Sein erfahrenes Forschungsteam wendet dabei grundlegende Prinzipien des Katalysatordesigns an und kombiniert diese mit auf komplexen experimentelle Methoden der Mikroskopie und Spektroskopie sowie mit fortgeschrittenen theoriteschen Modellen. Dieser synergistische Ansatz ermöglicht es, Reaktionen an Grenzflächen zwischen Elektrode und Elektrolyt genauestens zu analysieren und so zu verstehen, wie Katalysatoren diese beeinflussen. Unter anderem entwickelt Prof. Koper dabei Modelle, mit denen die Aktivität und Selektivität von Elektrodenoberflächen verstanden und vorhergesagt werden kann. Diese Forschung zeigt, wie man die Ausbeute einer bestimmten chemischen Verbindung maximiert und den Energieverbrauch zugleich niedrig hält. Elektrochemie und Katalyse spielen somit eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Skalierung von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien sowie beim Übergang zu einer ressourcenschonenden Chemie. Prof. Kopers Grundlagenforschung liefert in diesem Zusammenhang entscheidende Erkenntnisse.
Prof. Koper ist seit seiner Studienzeit auf dem Gebiet der Elektrochemie tätig. Er promovierte 1994 bei Prof. Jan H. Sluyters an der Universität Utrecht mit einer Dissertation über Instabilität, Schwingungen und Chaos in elektrochemischen Reaktionen. Anschließend arbeitete er als Postdoktorand bei Prof. Wolfgang Schmickler an der Universität Ulm und ab 1997 bei Prof. Rutger van Santen an der Technischen Universität Eindhoven. Im Jahr 2002 wurde er Assistenzprofessor an der Technischen Universität Eindhoven, im Anschluss 2005 zum Professor für Oberflächenchemie und Katalyse an der Universität Leiden ernannt wurde.
Prof. Kopers Arbeit wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Spinoza-Preis 2021, der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung der Niederlande. Er war Präsident der International Society of Electrochemistry und ist Mitglied der Königlich-Niederländischen Akademie der Künste und Wissenschaften.
Der Gerhard-Ertl-Lecture Award wurde 2008 vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und den drei Berliner Universitäten (Freie Universität Berlin, Technische Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin) ins Leben gerufen und wird jährlich an herausragende Forschende auf dem Gebiet der Katalyse vergeben. Der Award soll an den ehemaligen FHI-Direktor Gerhard Ertl erinnern, der 2007 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Über die Vergabe des Preises entscheidet ein Komitee, das sich aus Vertretern der Berliner Universitäten – Joachim Sauer (Humboldt-Universität), Matthias Drieß (Technische Universität) und Eckart Rühl (Freie Universität) – sowie den Direktoren des Fritz-Haber-Instituts zusammensetzt. Gerhard Ertl berät das Komitee bei der Auswahl.
Die Preisverleihung sowie der Festvortrag sind für den 10. Dezember 2026 geplant.
Weitere Informationen:
https://www.fhi.mpg.de/2244862/2026-05-28_Gerhard-Ertl-Lecture-Award-2026
Ähnliche Pressemitteilungen im idw