Gleich zwei neue Graduiertenkollegs an der Uni Bonn
Wie lässt sich die Zukunft von Städten des Globalen Südens angesichts des Klimawandels am besten gestalten? Wie werden Konflikte in verschiedenen Kulturen überwunden? Mit diesen zentralen Fragen befassen sich zwei neue Graduiertenkollegs an der Universität Bonn. Ein Kooperationspartner ist das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) auch erstmals eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die mit einen Antrag stellte. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die beiden Einrichtungen zur Qualifizierung von Doktorand:innen in Millionenhöhe. Bundesweit unterstützt die DFG ab Herbst 2026 insgesamt zehn neue Graduiertenkollegs.
Da Städte zur vorherrschenden Form des menschlichen Lebensraums werden, stehen sie vor immer komplexeren Herausforderungen. Die Gesundheit der Menschen in diesem Umfeld steht im Mittelpunkt des neuen Graduiertenkollegs „Urbane Zukunft – Bewältigung des Wandels für eine bessere Gesundheit in blauen Städten“. Mit „blauen Städten“ sind Siedlungen an Küsten oder Gewässern gemeint, die etwa auch durch den Klimawandel vor besonderen Herausforderungen stehen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert dieses Forschungsnetzwerk ab Herbst 2026 für die nächsten fünf Jahre mit rund fünf Millionen Euro. Im Mittelpunkt dieser Kollegs steht die wissenschaftliche Qualifizierung von Doktorandinnen und Doktoranden.
„Die kontinuierlichen Veränderungen, die mit dem Wandel, der Expansion und der Entwicklung von Städten einhergehen, erfordern ein sorgfältiges Management, um Nachhaltigkeit, Resilienz und Gesundheit als zentrale Ziele zu erreichen“, sagt Prof. Dr. Nico T. Mutters vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn, der Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures“ an der Universität Bonn ist. Transformationsprozesse seien daher entscheidende Ansatzpunkte für die Schaffung gesünderer und nachhaltigerer Städte, die eine gerechtere Ressourcenverteilung fördern, sich von Störungen erholen und es der Menschheit ermöglichen, innerhalb natürlicher Grenzen zu gedeihen.
Es herrscht jedoch weltweit ein Mangel an Fachkräften, die über die übergreifenden Kompetenzen verfügen, die zur Steuerung solch komplexer und unsicherer Transformationsprozesse erforderlich sind. Deshalb erfordern sinnvolle wissenschaftliche Beiträge inter- und transdisziplinäre Ansätze, die lokale Akteure aktiv als Mitgestalter von Wissen und Lösungen einbeziehen. Daher kann die erfolgreiche Einbindung integrierter Gesundheitsansätze wie Planetary Health, One Health und EcoHealth zu Städten führen, die Gesundheit und Wohlbefinden fördern und gleichzeitig Nachhaltigkeit und Resilienz stärken. Zu diesen Zielen will das neue Graduiertenkolleg beitragen.
Kooperationspartner sind auch das German Institute of Development and Sustainability (IDOS) und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Damit ist erstmals bei einem Graduiertenkolleg auch eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften als mitantragstellende Einrichtung beteiligt. „Die Bewilligung des DFG-Graduiertenkollegs ‚Urbane Zukunft‘ ist ein Meilenstein für die H-BRS. Sie zeigt, dass wir wissenschaftlichen Nachwuchs auf höchstem Niveau qualifizieren“, sagt Professor Johannes Steinhaus, Vizepräsident Forschung und Transfer an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Bei so komplexen Herausforderungen wie erfolgreichen urbanen Transformationen ist inter- und transdisziplinäre Forschung essenziell. Dafür stehen wir. Gemeinsam mit dem UKB und der Uni Bonn schaffen wir ein exzellentes Forschungsumfeld und stärken zugleich die Forschungsschwerpunkte Life Sciences und Gesundheit sowie Nachhaltigkeit an der H-BRS.“
Versöhnung im transkulturellen Vergleich
Ein angesichts der Weltlage ebenso aktuelles Thema untersucht das neue Graduiertenkolleg „Versöhnung und ihre Äquivalente im transkulturellen Vergleich“. Es erforscht in interdisziplinärer und transkulturell vergleichender Perspektive Konzepte, Strategien und Praktiken der Konflikttransformation. Die beteiligten Forschenden gehen von der Hypothese aus, dass mit Versöhnung und ihren Äquivalenten in europäischen und nicht-europäischen Kulturen ein Reaktions- und Strategierepertoire bereitgestellt wird, durch das Konfliktsituationen entschärft und im besten Fall überwunden werden können.
„Ich freue mich unglaublich über die Förderzusage“, sagt die Sprecherin des neuen Graduiertenkollegs Prof. Dr. Christine G. Krüger vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn. In den nächsten fünf Jahren fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Kolleg mit fast fünf Millionen Euro. „Darüber hinaus freue ich mich sehr auf die intensive Zusammenarbeit mit den jüngeren Wissenschaftler:innen, die Zeit und Mittel haben, sich intensiv einem Fallbeispiel zu widmen“, sagt die Historikerin, die auch Mitglied in den Transdisziplinären Forschungsbereichen „Present Pasts“ und „Individuals and Societies“ an der Universität Bonn ist.
Im Mittelpunkt des Graduiertenkollegs stehen Konzepte, Strategien und Praktiken zur Versöhnung von der Antike bis zur Gegenwart aus verschiedensten Kulturen – von Afrika über Asien bis Lateinamerika, aus Judentum, Islam und Christentum. Dafür wählen die Forschenden eine transkulturell vergleichende Herangehensweise und fassen Kulturen als offen und wandelbar auf. Ein zentrales Anliegen ist dabei, die eigene Standortgebundenheit stets kritisch mitzureflektieren. Promovierende mit unterschiedlichsten Hintergründen bringen ihre Fragen und Kenntnisse in das Graduiertenkolleg ein. Geplant sind für sie auch mehrmonatige Auslandsaufenthalte, die ihnen den internationalen Austausch ermöglichen.
Am neuen Graduiertenkolleg beteiligt sind die Fächer Alte Geschichte, Anglistik, Didaktik der Geschichte, Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte, Historische Friedensforschung, Islamwissenschaften, Judaistik/Religionswissenschaften, Neuere und Neueste Geschichte, Kunstgeschichte, Politische Soziologie/Versöhnungsstudien, Rechtswissenschaft, Religionsphilosophie, Sozial- und Kulturanthropologie/Kritische Museums- und Heritagestudien.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Nico Mutters
Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit
Universitätsklinikum Bonn
Transdisziplinärer Forschungsbereich „Sustainable Futures“
Universität Bonn
Tel. 0228/28715520
E-Mail: nico.mutters@ukbonn.de
Prof. Dr. Christine G. Krüger
Institut für Geschichtswissenschaft
Transdisziplinäre Forschungsbereiche „Present Pasts“ und „Individuals and Societies“
Universität Bonn
Tel. 0228/7360448
E-Mail: christine.g.krueger@uni-bonn.de
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