Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH fördert AM-Innovationen für Medizintechnik und L-PBF
Das Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH® fördert den Einsatz von Additiver Fertigung in der Industrie. In diesem Jahr erhalten drei Forschungsprojekte jeweils 50.000 Euro für die Automation aufwändiger Prozesse in der Medizintechnik und der Additiven Produktion mit L-PBF.
Hamburg-Bergedorf, 03. Juni 2026 – Das Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH zeichnet einmal im Jahr Forschungsprojekte der Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologien IAPT und des Instituts für Industrialisierung smarter Werkstoffe (ISM) der TU Hamburg zur Additiven Produktion aus. Die jüngste Auszeichnung fand am 5. Mai 2026 am Fraunhofer IAPT statt. Die Jury schöpfte das Förderbudget aus und erteilte drei der sieben vorgestellten Projekte eine Förderzusage. Erste Ergebnisse sollen im November 2026 für den Transfer in die industrielle Anwendung verfügbar sein.
Förderung für Projekte in Dentaltechnik und Prothesenentwicklung
Additive Fertigungstechnologien entfalten ihren Nutzen beispielsweise durch die Freiheit von Bauteil-Designs und sparsamen Materialeinsatz. Einsatzgebiete in der Medizintechnik sind die effiziente Herstellung komplexer Geometrien oder individualisierter Instrumente und Implantate. Die Jury des Fraunhofer-Leistungszentrums IAMHH fördert zwei Projekte zur Automation der aufwändigen Additiven Prozesse in der individuellen medizinischen Versorgung mit jeweils 50.000 Euro.
Stützstrukturentfernung für Dentallabore
3D-Druck gehört in Dentallaboren bereits zum Standard und Druckprozesse laufen automatisiert. Die Nachbearbeitung findet jedoch noch in einem aufwändigen, manuellen Prozess statt. In dem Projekt »SonoDent3D« entwickelt ein Team des Fraunhofer IAPT einen reproduzierbaren Prozess zur Entfernung von Stützstrukturen für die Dentaltechnik. Die Automatisierung soll per Ultraschall erfolgen.
Das Projekt umfasst die Parameterentwicklung des ultraschallbasierten Entfernungsprozesses, die Entwicklung eines für den Prozess optimierten Stützstrukturdesigns sowie die Integration eines einfachen Kopplungssystems zwischen Dentalbauteil und Ultraschallsystem. Das neue Vorgehen zielt auf eine reproduzierbar hohe Qualität bei gleichzeitiger Reduktion des personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwands ab.
Design patientenindividueller Instrumente und Hüftstiele
Ein weiteres ausgezeichnetes Projekt befasst sich mit patientenspezifischen Revisionsendoprothesen. Die Herstellung der Hüftstiele erfordert aktuell einen hohen manuellen Konstruktionsaufwand. In einem zeit- und kostenintensiven Prozess müssen pro Einzelfall die erforderlichen Raspeln und jeder Hüftstiel individuell entworfen werden.
Ein Team am Fraunhofer IAPT arbeitet in dem Projekt »RAPID« an der Automatisierung der gesamten Prozesskette, insbesondere des Designs der patientenindividuellen Instrumente und Hüftstiele. Eine ebenfalls automatisierte Dokumentation soll die regulatorischen Anforderungen erfüllen. Das Projekt zielt darauf, die Konstruktionszeit und den Nachbearbeitungsaufwand für patientenspezifische Hüftstiele und die zugehörigen Bearbeitungswerkzeuge signifikant zu reduzieren.
Automatisiertes Entpulvern von L-PBF Plattformen und -Bauteilen
Das Fraunhofer IAPT entwickelt kollaborative Roboter zur Automatisierung einzelner oder mehrerer Arbeitsschritte. Die sogenannten Cobots kompensieren fehlende Fachkräfte und übernehmen repetitive oder gesundheitsgefährdende Aufgaben. Ein Projekt des Fraunhofer IAPT zur Erweiterung der Cobots um ein Entpulverungsmodul für L-PBF-Plattformen und -Bauteile erhält 50.000 Euro Förderung vom Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH.
Aktuell erfordert das automatische Entpulvern für L-PBF die Anschaffung einer Spezialanlage. Der Prozess erfolgt daher vielfach manuell. Mitarbeitende sind jedoch gesundheitsschädlichen Pulvern ausgesetzt und die schweren Bauplattformen sorgen bei der Handhabung für eine schlechte Arbeitsergonomie. Der Vorgang ist besonders bei innenliegenden Strukturen zeitintensiv, schwer reproduzierbar und das manuelle Vorgehen unterliegt starken Qualitätsschwankungen.
In dem geförderten Projekt entwickelt ein Team des Fraunhofer IAPT für den Cobot eine frei zugängliche Zelle zum automatisierten Entpulvern von L-PBF-Plattformen und -Bauteilen. Der Prozess verbessert die Arbeitsergonomie, schützt die Mitarbeitenden vor Pulvern und steigert den Grad der Pulverrückgewinnung. Die reproduzierbaren Abläufe des Cobot garantieren Herstellern in Branchen mit strengen Dokumentationspflichten zudem volle Nachvollziehbarkeit und ermöglichen damit die Zertifizierung von Bauteilen.
Das Konzept bietet mit niedrigen Kosten und geringem Platzbedarf eine niedrigschwellige Plug- and Play-Lösung. Die Präsentation des Moduls ist für die Formnext 2026 geplant.
Pitch Event des Leistungszentrums IAMHH, Chance für die Industrie
Das Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH betrachtet die Additive Fertigung als disruptive Technologie der industriellen Produktion. Mit der Förderung unterstützt das Leistungszentrum insbesondere Projekte zur Digitalisierung und Automatisierung von Fertigungsabläufen.
Ausschlaggebend für die Auswahl der Jury sind die Aussichten der Projekte auf eine Verwertung im Rahmen einer Ausgründung, Patentierung oder Lizenzierung. Das Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH lädt interessierte Industrieunternehmen ein, Beteiligungsoptionen und Details zu den ausgezeichneten Projekten zu erfragen.
Jan Johannsen, stellvertretender Geschäftsführer des Fraunhofer-Leistungszentrums IAMHH, kommentiert die Auszeichnungen:
»Das jährliche Pitch Event ist ein zentraler Baustein unserer Förderung der Additiven Produktion in der Metropolregion Hamburg. Mit der Finanzierung von bis zu drei Projekten im Jahr schafft das Leistungszentrum konkrete Transferpfade von der Forschung in die Industrie. Wir freuen uns darauf, bereits Ende des Jahres den Weg der Innovationen in die industrielle Anwendung zu verfolgen. Bereits jetzt möchten wir Unternehmen ermutigen, uns bei Interesse an Pilotanwendungen in ihrer Produktion oder anderen Beteiligungsmöglichkeiten zu kontaktieren.«
Über das Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH®
Die Fraunhofer-Gesellschaft hat der Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologien IAPT parallel zur Gründung des Vereins IAMHH e.V. im Dezember 2024 ein Fraunhofer-Leistungszentrum bewilligt. Zusammen mit dem Verein IAMHH e.V., der Technischen Universität Hamburg und dem Fraunhofer IAPT bietet das Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH den Maßnahmen zur Industrialisierung der Additiven Produktion in der Metropolregion Hamburg eine organisationsübergreifende Infrastruktur. Dabei fokussiert das Leistungszentrum die volkswirtschaftliche Verwertung von Ergebnissen aus den vom Verein IAMHH e.V. initiierten Verbundvorhaben durch Transfer in wettbewerbliche Entwicklungsstadien mit beteiligten Industriepartnern – vom Prototyp bis zum Nachweis des erfolgreichen Einsatzes der neuen Technologie in der Produktionsumgebung vor Ort beim Industriepartner. Zu den weiteren Zielen des Leistungszentrums zählen die Förderung von Ausgründungen, von Normung und Standardisierung oder Infrastrukturdienstleistungen für die lokale Industrie.
Die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützt die Maßnahmen des Fraunhofer-Leistungszentrums IAMHH seit Januar 2025 zunächst für drei Jahre mit jährlich 1 Mio. Euro.
Hinweis:
IAMHH® ist eine eingetragene Marke der Fraunhofer-Gesellschaft.
Presse-Kontakt Fraunhofer-Leistungszentrum IAMHH®
Carola Dellmann
Abteilungsleiterin Marketing & Kommunikation
Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologien IAPT
Am Schleusengraben 14
21029 Hamburg
Telefon +4940484010-500
marketing@iapt.fraunhofer.de
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