Mit der Macht des Lichts: Prof. Dr. Thomas Schwarzbäck ist neuer Stiftungsprofessor für den Bereich Photonik
Lichtschwerter besitzt er keine, eine Laserpistole liegt auch nicht in seiner Schublade. Den 04. Mai neulich hat Prof. Dr. Thomas Schwarzbäck ebenfalls nicht gefeiert – den Tag, an dem „Star Wars“-Fans weltweit mit dem Wortspiel „May the 4th be with you“ ihre Saga zelebrieren. Die Filme mag er trotzdem, obwohl sie für seinen Geschmack die Physik ziemlich weit dehnen. Und mit gebündeltem Licht kennt er sich – auch wenn er kein Jedi-Meister ist – bestens aus. Denn im echten Leben arbeitet der neue Stiftungsprofessor für den Bereich Photonik an der Hochschule Aalen mit Laserstrahlen, die Bauteile formen, Metalle durchdringen und Strukturen ermöglichen, die früher undenkbar waren.
Ob Barcodescanner an der Supermarktkasse, bildgebende Diagnostik in der Medizin oder Gesichtserkennung beim Smartphone: Photonische Technologien prägen längst unseren Alltag. Auch künftig werden sie für wegweisende Neuerungen sorgen – an genau solchen Entwicklungen arbeitet die Hochschule Aalen mit ihren Instituten wie dem LaserApplikationsZentrum (LAZ) und der Aalen School of Applied Photonics (AASAP). Bei der Photonik geht es im Kern darum, Licht nicht nur zu erzeugen, sondern gezielt als Werkzeug und Informationsträger zu nutzen – von der Datenübertragung über Glasfasern bis hin zur Fertigung hochpräziser Bauteile im Mikrometerbereich.
Mit seiner Berufung zum Sommersemester 2026 als Stiftungsprofessor für Lasermaterialbearbeitung an die Hochschule Aalen übernimmt Prof. Dr. Thomas Schwarzbäck eine Schlüsselrolle beim weiteren Ausbau des „Photonic Valley“ in Ostwürttemberg. Hinter dem Schlagwort verbirgt sich die Vision, die Region zu einem Zentrum für Lichttechnologien zu machen – mit kurzen Wegen zwischen Forschung, Lehre und Industrie, in der Laser längst zum Alltag gehören. Finanziert wird die Professur über fünf Jahre vom Ostalbkreis, der Stadt Aalen, der Stadt Oberkochen sowie den Unternehmen Trumpf und Zeiss. „Die Stiftungsprofessur ist für mich eine enorme Chance – fachlich und persönlich. Sie gibt mir die Möglichkeit, hier auf der Ostalb ein starkes Umfeld für Lasermaterialbearbeitung mitzugestalten, eng mit Unternehmen zusammenzuarbeiten und gleichzeitig Studierende an aktuelle Forschungsfragen heranzuführen“, betont Schwarzbäck.
Was die Welt im Innersten zusammenhält, das hat Prof. Dr. Thomas Schwarzbäck von jeher interessiert. „Ich war schon immer sehr neugierig“, erzählt der 42-Jährige gut gelaunt. In der Oberstufe stand dann die große Frage im Raum: Nach dem Abi Mathe oder Physik? Am Ende wurde es die Physik, weil er das grundsätzliche „Warum“ hinter vielen Naturphänomenen besser verstehen wollte. Schon während seines Studiums und seiner Doktorarbeit an der Universität Stuttgart begeisterte er sich für die Mischung aus Lehre und Forschung. Nach der Promotion entschied er sich jedoch zunächst für den Schritt in die Industrie: Knapp drei Jahre lang arbeitete Schwarzbäck als Entwicklungsingenieur beim Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen an CO₂-Lasersystemen, die in der EUV-Lithographie eingesetzt werden – einem hochkomplexen Belichtungsverfahren in der Mikrochip-Fertigung, das mit extrem kurzwelliger Strahlung arbeitet.
„Das war eine sehr spannende Zeit. Nah an der Anwendung zu sein, ist für mich sehr wichtig. Wenn man vor so einer Anlage mit über 100.000 Teilen steht, die alle ineinandergreifen müssen, damit es am Ende funktioniert – das ist schon der Knaller!“, sagt Schwarzbäck begeistert. Dass ausgerechnet Trumpf als ehemaliger Arbeitgeber zu den Mitfinanzierenden der Stiftungsprofessur gehört, freut ihn besonders. „Auch wenn meine heutige Forschung zur Lasermaterialbearbeitung etwas anders gelagert ist als die EUV-Themen von damals: Die gemeinsame Basis ist die Photonik. Jetzt mit einem ehemaligen Arbeitgeber im Technologiefeld Laser aus einer neuen Rolle heraus zusammenzuarbeiten, fühlt sich für mich ein bisschen so an, als würde sich ein Kreis schließen.“
Nach seiner Zeit bei Trumpf arbeitete Schwarzbäck über neun Jahre in der Innovationsberatung bei der EurA AG im Bereich Photonik, Laser und Lasermaterialbearbeitung. Doch mit der Rückkehr in die akademische Welt hatte er schon länger geliebäugelt. „Als ich die Ausschreibung gesehen habe, dachte ich: Jetzt oder nie“, lacht der gebürtige Ellwanger. „Und ich freue mich riesig, dass es geklappt hat.“ Für ihn ist die Stiftungsprofessur ein „Dreiklang“ aus Lehre, Forschung und Transfer. „Forschungsergebnisse in die konkrete Anwendung zu bringen, ist die Grundlage dafür, auch gesellschaftlich voranzukommen und die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen und zu vereinfachen“, sagt Schwarzbäck.
Mit der Stiftungsprofessur verbindet der Physiker eine klare Vision: Weg von der speziell für eine Aufgabe ausgelegten Laseranlage hin zu flexiblen Systemen, die sich von selbst auf ganz unterschiedliche Anwendungen einstellen können. Künftig soll nicht mehr für jedes Material und jede Bauteilgeometrie eine eigene Lösung nötig sein, sondern eine Anlage, die Material, Dicke und Geometrie automatisch analysiert und die passenden Prozessparameter selbst wählt – sozusagen eine Art „Allround-Laser-Anlage“, die intelligent reagiert, statt starr nur einen Einsatzzweck zu bedienen. Seine große Leidenschaft für die Macht des Lichts möchte er auch seinen Studierenden weitergeben: „Dieses Zusammenspiel aus Präzision, Geschwindigkeit und Gestaltungsfreiheit begeistert mich jedes Mal aufs Neue – der Laser ist ein unglaublich faszinierendes Werkzeug. Ich freue mich schon darauf, mit meinen Studierenden neue Ideen zu generieren.“
Abseits von Forschung und Lehre sucht Schwarzbäck den Ausgleich im Sport – sofern neben seiner 16 Monate alten Tochter noch Zeit bleibt. Dann spielt er gerne Tischtennis im Verein oder schwingt sich auf sein Rennrad für eine Runde durchs Jagst- und Kochertal. Ach ja, und dann wäre da noch seine Bucketlist für optische Phänomene. Einige Häkchen konnte er schon setzen – etwa bei Sternenhalos oder einer Sonnenfinsternis. Auf den „grünen Blitz“ und Polarlichter wartet er dagegen noch. Vielleicht erklärt gerade das seine Faszination für Licht besonders gut: Denn auch wenn Schwarzbäck täglich mit Lasern und Licht arbeitet, so bleibt genug Staunen übrig für die Momente, in denen die Natur selbst für die spektakulärste Lichtshow sorgt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Schwarzbäck
Fakultät Maschinenbau und Werkstofftechnik
Leitung LaserApplikationsZentrum (LAZ)
Tel.: +49 7361 576-7300
thomas.schwarzbaeck@hs-aalen.de
https://www.hs-aalen.de/person/thomas-schwarzbaeck
https://www.hs-aalen.de/forschung/forschungsinstitute/laserapplikationszentrum-laz
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