Die europäischen Gesellschaften und der Holocaust
Keynote Lecture der renommierten Historikerin Mary Fulbrook am 9. Juni 2026 in der Barenboim-Said Akademie Berlin / Öffentlicher Höhepunkt eines internationalen Workshops des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin
Die renommierte Historikerin Prof. Dr. Mary Fulbrook vom University College London hält am Dienstag, 9. Juni 2026, um 18:30 Uhr in der Barenboim-Said Akademie Berlin die Keynote Lecture „European Societies and the Holocaust“. Der öffentliche Vortrag mit anschließendem Gespräch findet im Rahmen des internationalen Workshops „Assessing the State of Holocaust Studies in the Mid-2020s: Achievements, Shortcomings, Prospects“ statt, den das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin gemeinsam mit der University of Colorado Boulder und der Barenboim-Said Akademie Berlin veranstaltet.
Mary Fulbrook zählt zu den international führenden Historikerinnen zur Geschichte des Nationalsozialismus, des Holocaust und der europäischen Gesellschaften im 20. Jahrhundert. In ihrer Keynote Lecture richtet sie den Blick auf eine weiterhin zentrale Frage der Holocaust-Forschung: Welche Rolle spielten europäische Gesellschaften im Umfeld der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden?
Europäische Gesellschaften im Blick
Trotz eines umfangreichen Forschungskorpus zum Holocaust – von politik- und täterorientierten Studien bis hin zur stärkeren Einbeziehung der Stimmen der Opfer – bleibt nach Fulbrooks Perspektive weiterhin zu fragen, warum so viele Menschen in Europa passiv blieben, während als „Andere“ stigmatisierte Menschen ausgegrenzt, enteignet, verfolgt und ermordet wurden. Ebenso geht es darum, wie Menschen auf unterschiedliche Weise zur Verfolgung beitrugen oder von ihr profitierten. Zugleich fragt Fulbrook danach, unter welchen sozialen und politischen Bedingungen Menschen eher bereit waren, Verfolgten und Flüchtenden zu helfen, und welche Umstände das Überleben der Verfolgten ermöglichten.
Die Keynote Lecture ist Teil des internationalen Workshops „Assessing the State of Holocaust Studies in the Mid-2020s: Achievements, Shortcomings, Prospects“, der am 9. und 10. Juni 2026 in der Barenboim-Said Akademie Berlin stattfindet. Führende Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland diskutieren dort den aktuellen Stand der Holocaust-Forschung, ihre zentralen Erkenntnisse, offenen Fragen und künftigen Perspektiven.
Holocaust-Forschung im Wandel
In weniger als fünfzig Jahren hat sich die Holocaust-Forschung von einem Randgebiet zu einem international etablierten und dynamischen Forschungsfeld entwickelt. Mit dem Ableben der letzten Zeitzeug*innen vollzieht sich derzeit ein grundlegender Wandel: Zeitgeschichte wird zunehmend zu Geschichte. Gleichzeitig steht das Feld vor neuen Herausforderungen – von politisierten Debatten und Angriffen auf die Wissenschaft bis hin zu den Nachwirkungen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 und des Krieges in Gaza, die Wissenschaftler*innen weltweit zu einer Neubewertung des Holocaust in Geschichte und Gegenwart veranlassen.
Der Workshop nimmt diese Entwicklungen zum Anlass, zentrale Fragen der Holocaust-Forschung kritisch zu bilanzieren: Was wurde erreicht? Welche Leerstellen bestehen weiterhin? Welche methodischen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen prägen das Feld in den kommenden Jahren? Thematisiert werden unter anderem Methoden der Zeugnisforschung nach dem Ende der Zeitzeugenschaft, Geschlechterforschung, vergleichende Genozidstudien, die Rolle von Gedenkstätten und Erinnerungsinstitutionen sowie das Verhältnis von Holocaust- und Antisemitismusforschung.
Veranstaltungsinformationen:
Keynote Lecture:
Mary Fulbrook: „European Societies and the Holocaust“
Vortrag und Gespräch (die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Studierende der Barenboim-Said Akademie gestalten den Abend musikalisch mit)
Zeit: Dienstag, 9. Juni 2026, 18:30 Uhr
Ort: Pierre Boulez Saal – Foyer, Barenboim-Said Akademie Berlin, Französische Str. 33D, 10117 Berlin
Anmeldung unter: https://www.barenboimsaid.de/de/event/akademie-forum-mary-fulbrook-774879
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dr. Stefanie Fischer
Zentrum für Antisemitismusforschung
Technische Universität Berlin
Telefon: +49 (0)30 314-25489
E-Mail: s.fischer@tu-berlin.de
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