Karl-Jaspers-Preis für Seyla Benhabib
Für ihr herausragendes philosophisches Werk ebenso wie für ihr Wirken in der Öffentlichkeit wird Prof. Dr. Seyla Benhabib mit dem Karl-Jaspers-Preis 2026 geehrt. Die Universität Heidelberg vergibt den mit 25.000 Euro dotierten Preis gemeinsam mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Stadt Heidelberg. Im Mittelpunkt von Prof. Benhabibs Werk steht die Frage, wie allgemeine Vorstellungen von Gerechtigkeit, Rechten und Demokratie mit der Lebenswirklichkeit verbunden werden können. Dabei berücksichtigt sie insbesondere kulturelle Unterschiede, geschlechtliche Erfahrungen und globale Migration. Seyla Benhabib lehrt als emeritierte Professorin an der Yale University (USA).
Pressemitteilung
Heidelberg, 9. Juni 2026
Karl-Jaspers-Preis für Seyla Benhabib
Auszeichnung würdigt herausragendes philosophisches Werk und Wirken in der Öffentlichkeit
Für ihr herausragendes philosophisches Werk ebenso wie für ihr Wirken in der Öffentlichkeit wird Prof. Dr. Seyla Benhabib mit dem Karl-Jaspers-Preis 2026 geehrt. Die Universität Heidelberg vergibt den mit 25.000 Euro dotierten Preis gemeinsam mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Stadt Heidelberg. Im Mittelpunkt von Prof. Benhabibs Werk steht die Frage, wie allgemeine Vorstellungen von Gerechtigkeit, Rechten und Demokratie mit der Lebenswirklichkeit verbunden werden können. Dabei berücksichtigt sie insbesondere kulturelle Unterschiede, geschlechtliche Erfahrungen und globale Migration. Zudem gilt sie als ausgewiesene Expertin für die deutsche Philosophie des 20. Jahrhunderts und bringt sich regelmäßig als kritische Stimme in öffentliche Debatten ein. Seyla Benhabib lehrt als emeritierte Professorin an der Yale University (USA). Die Preisverleihung findet am 29. April 2027 statt.
Prof. Benhabib wird nach den Worten der Auswahlkommission für ihr herausragendes und facettenreiches wissenschaftliches Lebenswerk ausgezeichnet. Der internationale Rang ihrer Arbeiten stehe außer Zweifel – ebenso wie ihre Wirkung weit über die Grenzen der von ihr vertretenen Fachdisziplinen hinaus. „Wir sind der Überzeugung, dass Seyla Benhabib ihre Stimme auch gegen den ,Ungeist einer Epoche‘ erhebt, wie Karl Jaspers dies ebenso klar wie vorbildlich getan hat“, heißt es in der Begründung zur Vergabe des Preises. Es sei wichtig, dass diese „von philosophischem Geist“ getragene Stimme gerade in der heutigen Zeit Gehör finde – nicht zuletzt deshalb, weil Prof. Benhabib sich ebenso klug wie konstruktiv auch zu zentralen Konflikten der Gegenwart, etwa dem Israel-Palästina-Konflikt, äußere.
Seyla Benhabib studierte Philosophie in Istanbul (Türkei) sowie an der Brandeis University in Waltham (USA). Mit einer Arbeit über die Hegelsche Rechtsphilosophie wurde sie 1977 an der Yale University promoviert. Im Anschluss daran wirkte sie als Professorin an verschiedenen Universitäten in den USA, unter anderem in Yale und Boston sowie an der Harvard University und an der State University of New York. Im Jahr 2001 wurde sie auf die Eugene-Meyer-Professur für Politikwissenschaft und Philosophie an die Yale University berufen. Prof. Benhabib war als Gastwissenschaftlerin an zahlreichen internationalen Institutionen tätig, darunter am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Für ihre Forschung wurde sie vielfach mit Preisen geehrt.
Der Karl-Jaspers-Preis erinnert an einen „Gelehrten, dessen Lebenswerk in Psychopathologie, Philosophie und Weltphilosophie international Anerkennung gefunden hat“. Zudem wollen die Stifter Jaspers’ „Kampf gegen den Ungeist einer Epoche dankbar würdigen“. Karl Jaspers (1883 bis 1969) war als Mitbegründer der Existenzphilosophie einer der wichtigsten deutschsprachigen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Assistenz an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg habilitierte er sich für Psychologie und lehrte von Anfang der 1920er-Jahre bis zu seiner Entlassung durch das NS-Regime Philosophie an der Universität Heidelberg. Nach Kriegsende gehörte Jaspers dem sogenannten Dreizehnerausschuss an, der den Neuaufbau der Universität organisierte. Er nahm seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Ruperto Carola wieder auf, die ihm 1946 die Ehrensenatorwürde verlieh. Der nach Karl Jaspers benannte Preis wurde bislang dreizehn Mal vergeben, zuletzt an Prof. Dr. Volker Gerhardt (2022), posthum an den Sinologen Prof. Dr. Rudolf G. Wagner (2019) sowie an das Forscherpaar Prof. Dr. Aleida Assmann und Prof. Dr. Jan Assmann (2017).
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