Unterschätzte Gefahr aus dem Mund – Sepsis durch Infektionen im Mundraum
Nicht rechtzeitig behandelte Infektionen der Zähne oder des Zahnhalteapparates,
aber auch Infektionen durch Zahnbehandlungen selbst, können zu dem
lebensbedrohlichen Notfall Sepsis führen. Sepsis zählt mit schätzungsweise 140.000
Todesfällen jährlich zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland – und entsteht
in rund 80 Prozent der Fälle außerhalb des Krankenhauses.
Berlin, 11.06.2026.
Die Sepsis-Stiftung weist auf die unterschätzte Gefahr schwerer
Infektionen im Mundraum und Sepsis hin. Sie betont die Bedeutung einer guten
Mundgesundheit sowie einfacher Präventionsmaßnahmen.
Zahn- und Zahnfleischinfektionen können sich ausbreiten
Infektionen an einem Zahn oder dem Zahnfleisch können sich auf Kieferknochen, Weichteile des Gesichts oder tiefe Halsregionen ausbreiten. Aufgrund der Nähe zu den Atemwegen, großen Blutgefäßen und dem Gehirn können schwere Infektionen im Mundraum rasch lebensbedrohlich werden und zu Sepsis oder anderen schwerwiegenden Komplikationen führen.
„Wenn unser Körper eine Infektion nicht schnell und wirksam genug begrenzen kann, kann
es zu dem lebensbedrohlichen Notfall Sepsis kommen. Es ist für mich immer wieder
erschreckend, wie wenig wir als Gesellschaft über Sepsis hören und wissen – obwohl Sepsis zu den häufigsten medizinischen Notfällen und Todesursachen in Deutschland gehört. Gezielte Prävention und das Kennen der Warnzeichen retten Leben.", erklärt Iljana Schmitz, wissenschaftliche Referentin der Sepsis-Stiftung.
Bakterien im Blut nach Zahnbehandlungen – nicht immer harmlos
Bei zahnärztlichen Eingriffen – beispielsweise Zahnextraktionen, Parodontalbehandlungen
oder auch professionelle Zahnreinigungen – gelangen häufig Bakterien in den Blutkreislauf. Diese sogenannte Bakteriämie ist in den meisten Fällen harmlos, da das Immunsystem sie meist schnell und ohne Symptome beseitigt. Vor allem bei Menschen mit
Herzklappenerkrankungen, geschwächtem Immunsystem, Diabetes mellitus,
Tumorerkrankungen oder in höherem Lebensalter besteht dabei allerdings ein erhöhtes
Risiko für schwere Infektionen.
Antiseptische Mundspülungen könnten das Risiko reduzieren
Einige Zahnarztpraxen bieten vor den meisten Behandlungen – selbst vor der
professionellen Zahnreinigung – prinzipiell eine vorbereitende antiseptische Mundspülung
an, meist mit Chlorhexidin. Studien zeigen, dass diese Maßnahme das Auftreten
vorübergehender Bakteriämien deutlich reduzieren kann. Darüber hinaus kann auch die
Dauer der Bakteriämien verkürzt werden. Einen vollständigen Schutz bietet diese Maßnahme allerdings nicht.
Der beste Schutz bleibt gute Mundgesundheit und Prävention
Die Sepsis-Stiftung betont die Wichtigkeit regelmäßiger zahnärztlicher
Vorsorgeuntersuchungen, einer konsequenten Mundhygiene sowie der frühzeitigen
Behandlung von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen. Diese gehören zu den wirksamsten
Maßnahmen, um schwere Infektionen im Mundraum und Sepsis zu verhindern.
Über Sepsis
Sepsis kann durch Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten verursacht
werden. Bei einer Sepsis schädigt der Abwehrkampf des Körpers gegen eine Infektion
eigene Organe und Gewebe. Nicht rechtzeitig behandelt, führt Sepsis meist innerhalb
kürzester Zeit zu Multiorganversagen und Schock.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Konrad Reinhart:
konrad.reinhart@charite.de
Prof. Dr. Marlies Ostermann:
marlies.ostermann@gstt.nhs.uk
Originalpublikation:
Preoperative administration of 0.2% chlorhexidine mouthrinse reduces the risk of bacteraemia associated with intra-alveolar tooth extraction
https://doi.org/10.1016/J.JCMS.2014.06.015
Post-Tooth Extraction Bacteraemia: A Randomized Clinical Trial on the Efficacy of Chlorhexidine Prophylaxis
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0124249
Weitere Informationen:
https://sepsis-stiftung.de/literatur Hier finden Sie weiterführende Informationen, wissenschaftliche Literatur, die WHO-Resolution und Stellungnahmen der WHO zu Sepsis sowie internationale Analysen zur Krankheitslast, Prävention und Behandlung von Sepsis
https://sepsis-stiftung.de/ Webseite der Sepsis-Stiftung
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