Auszeichnung für herausragende Forschung zu Verfolgung und Widerstand von Sinti und Roma
Für ihre wegweisende Forschung zu Verfolgung und Widerstand von Sinti und Roma in der europäischen Moderne hat Verena Meier von der Universität Heidelberg den Dan-David-Preis erhalten. Der von der gleichnamigen Stiftung vergebene Preis zählt zu den höchstdotierten Auszeichnungen in der Geschichtswissenschaft und wird an herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wiseenschaftler aus aller Welt verliehen. Mit dem Preisgeld in Höhe von jeweils 300.000 US-Dollar werden bereits erbrachte Forschungsleistungen gewürdigt. Zudem dient es der Unterstützung aktueller Forschungsvorhaben. Neben der Heidelberger Historikerin wurden acht weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet.
Pressemitteilung
Heidelberg, 16. Juni 2026
Auszeichnung für herausragende Forschung zu Verfolgung und Widerstand von Sinti und Roma
Verena Meier hat den internationalen Dan-David-Preis für Geschichte erhalten
Für ihre wegweisende Forschung zu Verfolgung und Widerstand von Sinti und Roma in der europäischen Moderne hat Verena Meier von der Universität Heidelberg den Dan-David-Preis erhalten. Der von der gleichnamigen Stiftung vergebene Preis zählt zu den höchstdotierten Auszeichnungen in der Geschichtswissenschaft und wird an herausragende junge Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus aller Welt verliehen. Über die Vergabe entscheidet ein internationales Expertengremium. Mit dem Preisgeld in Höhe von jeweils 300.000 US-Dollar werden bereits erbrachte Forschungsleistungen gewürdigt. Zudem dient es der Unterstützung aktueller Forschungsvorhaben. Neben der Heidelberger Historikerin wurden acht weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet.
In ihrer 2024 abgeschlossenen Dissertation rekonstruiert Verena Meier den Völkermord an den Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus am Beispiel Magdeburgs aus geschlechterhistorisch differenzierter Perspektive und untersucht die Aufarbeitung dieses Verbrechens nach 1945. Auf der Basis von Akten aus über 30 deutschen und internationalen Archiven konnte sie polizeiliche Verfolgungspraktiken minutiös nachzeichnen und individuelle Verantwortlichkeiten innerhalb der Kriminalpolizei sowie kollaborierenden Teilen der Gesellschaft aufdecken. Dabei gelang es ihr, zugleich die Handlungsspielräume der Verfolgten sichtbarzumachen. Die Studie mit dem Titel „Kriminalpolizei und Völkermord“ verdeutlicht, so die Stiftung in ihrer Würdigung, wie antiziganistische Denk- und Handlungsmuster in unterschiedlichen politischen Systemen überdauerten.
Aktuell bearbeitet die Historikerin an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg ein Postdoc-Projekt, in dem sie die Verflechtungen von Antiziganismus, Antisemitismus und Kolonialrassismus aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive mit besonderem Fokus auf Kriminologie und Medizin untersucht. Das Vorhaben ist Teil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsgruppe „Antiziganismus und Ambivalenz in Europa“. Der Dan-David-Preis würdigt auch Verena Meiers Engagement in der Wissenschaftskommunikation. So erstellte sie ein Gutachten zum Thema „Protestantismus und Antiziganismus“, das 2017 vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Auftrag gegeben worden war. Damit gab sie wichtige Impulse für wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussionen über die Rolle der Kirchen bei der Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma von der Reformation bis in die Gegenwart.
Verena Meier studierte Geschichte und Anglistik sowie Europäische Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Heidelberg und an der Hebrew University of Jerusalem. Von 2018 bis 2024 war sie Doktorandin an der Forschungsstelle Antiziganismus. Zuvor absolvierte sie das Postgraduate Certificate Program „Exhibiting the 20th Century“ an der Universität Jena. Seit Januar 2025 forscht sie zudem als Gastwissenschaftlerin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin.
Der Dan-David-Preis wurde im Jahr 2001 von dem Unternehmer und Philanthropen Dan David (1929 bis 2011) ins Leben gerufen. Die Stiftung hat ihren Sitz an der Universität Tel Aviv (Israel). Im Jahr 2021 wurde die Auszeichnung mit einem Schwerpunkt auf historische Forschung neu ausgerichtet und würdigt damit die Leidenschaft ihres Gründers für Geschichte und Archäologie. Jährlich werden bis zu neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet. Der Dan-David-Preis soll nicht zuletzt dazu beitragen, historische Forschung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die diesjährige Preisverleihung fand Anfang Juni in Italien statt.
Kontakt:
Kommunikation und Marketing
Pressestelle
Tel. +49 6221 54-2311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen:
https://www.fsa.uni-heidelberg.de/de/forschung/drittmittelprojekte/transformationen-des-polizeilichen-antiziganistischen-diskurses/verena-meier
Ähnliche Pressemitteilungen im idw