Computational Neuroscience: Jubiläumssymposium in Tübingen
• Internationales Symposium: Vom 29. Juni bis 1. Juli 2026 versammeln sich führende neurowissenschaftliche Köpfe am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen.
• Forschungsfeld im Aufbruch: Neue Richtungen für die Computational Neuroscience.
• Die Funktion des Gehirns im Blick: Die Veranstaltung würdigt Valentino Braitenbergs Wirken.
Er nannte seine Arbeit „Spionage beim lieben Gott“: Valentino Braitenberg, Direktor der ersten Stunde am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und einer der originellsten Denker der Neurowissenschaft des 20. Jahrhunderts, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass veranstaltet das Institut vom 29. Juni bis 1. Juli 2026 das internationale Symposium „Braitenberg 100: Computational Neuroscience — Past, Present, Future“. Die Veranstaltung versammelt Größen der Computational Neuroscience, um Braitenbergs Vermächtnis zu würdigen und zugleich in die Zukunft der Disziplin zu blicken.
Valentino Braitenberg (1926–2011) spielte eine Schlüsselrolle dabei, die Konzepte der Kybernetik im italienischen wissenschaftlichen Diskurs zu verankern. Nach einem prägenden Aufenthalt in Yale, wo er die Kybernetikpioniere Norbert Wiener und Warren McCulloch kennenlernte, brachte er deren Ideen in seine alte Heimat mit. 1968 wurde er einer der ersten Direktoren des neu gegründeten Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen. In seiner Forschung beschäftigte er sich mit der Frage, wie die Struktur des Gehirns komplexes Verhalten hervorbringt – von den Sehsystemen der Fruchtfliegen bis hin zur Großhirnrinde von Wirbeltieren. Am bekanntesten ist er für sein 1984 veröffentlichtes Buch „Vehicles: Experiments in Synthetic Psychology“ (deutsch: Vehikel. Experimente mit künstlichen Wesen), das in der Robotik nach wie vor häufig gelesen wird und aufzeigt, wie einfache Schaltkreise Verhaltensweisen hervorbringen können, die Angst, Aggression oder Liebe ähneln.
Eine wissenschaftliche Disziplin gestaltet ihre Zukunft
Das dreitägige Symposium zu seinen Ehren versammelt einige der renommiertesten Forschenden auf dem Gebiet der Computational Neuroscience. Der erste Tag ist Braitenbergs Wirken und den Grundlagen seines Denkens gewidmet. Im Abendprogramm wird außerdem der neue Dokumentarfilm „Forschungsobjekt Gehirn“ des italienischen Filmemachers Stefan Nicolini gezeigt. Ab dem zweiten Tag bestimmen Gegenwart und Zukunft das Programm. Es werden vielfältige Themen diskutiert, darunter Gedächtnis und räumliche Orientierung ebenso wie visuelle Wahrnehmung, sensomotorische Steuerung und bestärkendes Lernen. Gleichzeitig hält das Symposium an einer Kernfrage fest, die auch Braitenberg nie losließ: Wie entstehen komplexe Leistungen aus der Physiologie neuronaler Netzwerke?
„Braitenberg setzte sich für eine umfassende Untersuchung der Beziehung zwischen Struktur und Funktion ein“, sagte Li Zhaoping, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und Hauptorganisatorin des Symposiums. „Diese Idee stößt bei vielen von uns auf Resonanz. Neuronale Mechanismen bilden die Grundlage für die natürliche Intelligenz. Theoretische Ansätze helfen uns zunehmend dabei, neuronale und verhaltensbezogene Erkenntnisse zu verknüpfen, unterstützt durch sich stetig weiterentwickelnde Werkzeuge der Informatik und Mathematik. Die experimentelle und die computergestützte Neurowissenschaft rücken immer näher zusammen und tragen dazu bei, die Sprache des Gehirns zu entschlüsseln.“
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Zhaoping Li
braitenberg100@tuebingen.mpg.de
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