Chancen im ländlichen Raum, Bremsen durch Bürokratie: THD organisiert interaktive Veranstaltung zu biogenem Wasserstoff
Dass der Klimawandel ein allgegenwärtiges Thema für Wissenschaft und Wirtschaft darstellt, zeigt die aktuelle Hitzewelle. Die Stärkung regionaler und nachhaltiger Wasserstoffwirtschaft gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung und stand am 18. Juni im Zentrum der Netzwerkveranstaltung des Projekts „EnergieKreis“ der Technischen Hochschule Deggendorf (THD). Rund 30 Fachleute aus 18 Unternehmen und Institutionen aus ganz Ostbayern nutzten die Veranstaltung im Technologiezentrum Energie (TZE) in Ruhstorf, um die Chancen und Risiken der Wasserstoffproduktion aus biogenen Quellen detailliert und kritisch zu analysieren.
Prozesskette auf dem Prüfstand
Als methodisches Fundament diente den Teilnehmenden eine rund sechs Meter lange, visuelle Prozessübersicht. Diese bildete die gesamte Wertschöpfungskette der biogenen Wasserstoffherstellung, also der Herstellung von Wasserstoff aus biologischen Quellen, ab – von den Rohstoffen über technologische Zwischenschritte bis hin zu den Neben- und Endprodukten. Die teilnehmenden Experten spiegelten diese wissenschaftliche Vorlage mit ihren eigenen Erfahrungen aus dem Betriebsalltag. Systematisch wurden ökologische, ökonomische, regulatorische und soziale Faktoren bewertet, um Stärken, Defizite und zukünftige Forschungsbedarfe freizulegen.
Ergebnisse im Detail
Als unschlagbare Stärken von biogenem Wasserstoff bewerteten die Teilnehmenden die Regionalität, Nachhaltigkeit und gelebte Kreislaufwirtschaft. Insbesondere für ländlich geprägte Regionen bieten biogene Quellen enorme wirtschaftliche und ökologische Strukturvorteile, da Wertschöpfungsketten direkt vor Ort gebunden werden. Dem Potenzial steht jedoch eine nicht zu vernachlässigende Hürde gegenüber: Eine starre Regulatorik erschwert es Betrieben, die Technologien zeitnah in die industrielle Praxis umzusetzen. Zudem ist noch unklar, wie die Verfügbarkeit biogener Quellen langfristig gesichert werden kann.
Einblicke in die Technologie
Flankiert wurde der interaktive Workshop von wissenschaftlichen Impulsen und praktischen Anschauungsbeispielen. Prof. Dr. Raimund Brotsack von der THD, Projektleiter „EnergieKreis“ und Leiter der Forschungsgruppe Grüne Moleküle, gab Einblicke in die Energieforschung an der Hochschule. Zudem erklärte Dr. Maria Bieringer, ebenfalls von der THD, wie das Projekt Firmen als strategischer Partner bei der Energiewende unterstützt. Die technische Praxis demonstrierten Muhammad Maaz und Tanja Wainz von der Hochschule Landshut anhand ihres Projekts „H2Bio“ zur Erzeugung von technisch reinem Wasserstoff. Maximilian Mock von der THD stellte darüber hinaus die CO2-neutrale Methanpyrolyse vor. Bei einer anschließenden Laborführung konnten die Teilnehmenden den Pyrolyse-Reaktor und weitere Technologien direkt im Einsatz besichtigen.
Die gewonnenen Erkenntnisse aus der Netzwerkveranstaltung wird das Projekt „EnergieKreis“ in den kommenden Monaten detailliert auswerten. Ziel ist es, passgenaue Wissenstransferveranstaltungen zu konzipieren. Damit sollen den regionalen Unternehmen maßgeschneiderte, praxisnahe Lösungen und konkrete Wege aufgezeigt werden, wie biogener Wasserstoff trotz bestehender Hürden erfolgreich in den Betrieben integriert werden kann.
Über das Projekt
Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, kleine und mittlere Unternehmen durch den Transfer innovativer Technologien zu unterstützen. Mithilfe von regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen und Workshops sollen Wettbewerbsvorteile entwickelt und die Betriebe optimal auf zukünftige Marktanforderungen vorbereitet werden. „EnergieKreis“ wird vom Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) der Europäischen Union gefördert und wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst bewilligt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Raimund Brotsack
Technische Hochschule Deggendorf
Projektleiter „EnergieKreis"
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