Europaweit gemeinsam gegen Hirnmetastasen
Start von STAR-MBM
Hirnmetastasen sind in der Behandlung herausfordernd, da sie sich weiterentwickeln und widerstandsfähig gegen Therapien werden können.
Die Unimedizin Greifswald ist Teil des europäischen Forschungsprojekts STAR-MBM, das im Rahmen von Horizont Europa, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union, gefördert wird. Gemeinsam mit weiteren Partnern aus Deutschland, Ungarn, Norwegen und Österreich arbeitet die Universitätsmedizin Greifswald in einem internationalen Netzwerk, das von der Projektleitung Dr. Torben Redmer von Österreich aus koordiniert wird. Ziel ist es, eine Strategie zur Bekämpfung dieser Resistenzen zu erarbeiten. Im Fokus des im Juni gestarteten Forschungsprojekts STAR-MBM steht die Widerstandsfähigkeit von durch schwarzen Hautkrebs entstandenen Hirnmetastasen.
Hirnmetastasen entstehen, wenn Tumorzellen aus dem Körper über die Blutbahn in das Gehirn eindringen und sich dort ansiedeln. Besonders beim schwarzen Hautkrebs können eingedrungene Tumorzellen über Jahre hinweg unbemerkt im Gehirn überdauern. In der Krebstherapie sind sie vor allem auch eine Herausforderung, weil sich die Metastasen stark voneinander unterscheiden und sehr unterschiedlich auf Therapien reagieren. Mittel der Wahl in der Erstbehandlung ist zumeist das hemmende Krebsmedikament BRAFi. Nach anfänglich positiver Wirkung des Medikaments nimmt diese jedoch ab, sodass die resistenzentwickelten Metastasen in 40-60% der Fälle zu einer schlechten Prognose oder zu weiteren Krankheiten im Kopf führen können.
Im Forschungsprojekt STAR-MBM (Strategy to Target Acquired Resistance in Melanoma Brain Metastases) will das internationale Forschungsteam mit Greifswalder Beteiligung genau nachvollziehen, wie diese Resistenz entsteht und wie sie überwunden werden. Das Greifswalder Team um Prof. Josefine Radke, Leiterin des Instituts für Molecular Genomics, untersucht dazu die räumliche Organisation der Hirnmetastasen und ihr Zusammenspiel mit den umliegenden Zellen. „Gerade Hirnmetastasen zeigen, warum das gesamte molekulare Verständnis bei einer Krebserkrankung so entscheidend ist“, sagt Prof. Radke. „Das internationale Team hat dabei bereits einen vielversprechenden Ansatz entdeckt, den wir weiterverfolgen werden.“
Dieser Ansatz basiert auf der Entdeckung eines bestimmten biologischen Schalters im Gehirn – eines Proteins namens MET. Dieses MET-Programm schützt die Krebszellen im Gehirn vor den Medikamenten. Es sorgt dafür, wo und wie die Resistenz im Gehirngewebe entsteht. Die Lösungsidee des Forscherteams: eine Kombinationstherapie. Dabei sollen den Patienten zwei Medikamente gleichzeitig verabreicht werden: der herkömmliche BRAF-Inhibitor (BRAFi) plus ein neuer MET-Inhibitor.
Zur Erarbeitung dieser Strategie nutzen die Forschenden modernste räumliche Transkriptom-Analysen und Sequenzierungen, um Mutationen zu identifizieren, die mit einer erworbenen Resistenz gegen aktuelle Medikamente in Zusammenhang stehen. Auf dieser Grundlage werden neue Kombinationstherapien getestet, insbesondere die Blockade des MET-Rezeptors (MET-Inhibitoren) in Kombination mit BRAFi.
„Das STAR-MBM-Projekt verbindet modernste molekulare Analyseverfahren mit translationaler Forschung und hat das Potenzial, neue und effektivere Zweitlinien-Therapien für Patientinnen und Patienten mit Hirnmetastasen des schwarzen Hautkrebses zu ermöglichen“, sagt Radke. „So wollen wir einen wichtigen Beitrag leisten, die Überlebenschancen und Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.“
Das Projekt STAR-MBM ist Teil eines europäischen Forschungsverbunds im Rahmen von Horizon Europe (EPPERMED2025-017).
Das diesem Bericht zugrunde liegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01KU2601 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei der Autorin/beim Autor.
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Prof. Dr. med. Josefine Radke
Leitung des Instituts für Molecular Genomics
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