Feldforschung Bochum: ARIZON testet Social-AR für die Innenstadt der Zukunft
Wie kann Augmented Reality (AR) dazu beitragen, Innenstädte zu lebendigen, sozialen und informativen Orten weiterzuentwickeln? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt ARIZON der Westfälischen Hochschule, das seit 2024 neue Formen urbaner Interaktion untersucht. Im Mai wurde in der Bochumer Innenstadt ein weiterentwickelter Prototyp des ARIZON-Social-AR-Systems erprobt. Bürger:innen konnten im öffentlichen Raum erleben, wie digitale Objekte, Informationen und historische sowie aktuelle Inhalte aus Bochum in Echtzeit mit der physischen Umgebung verschmelzen. Ziel war es, herauszufinden, wie Social-AR Motivation, Engagement und Teilhabe in der Innenstadt stärken kann.
Im Zentrum der Feldforschung stand der „Social-AR-Hub“: eine Plattform, die es ermöglicht, digitale Inhalte im Stadtraum sichtbar zu machen und dauerhaft zu verankern. Nutzende konnten über eine AR-Brille digitale Objekte betrachten, kommentieren und gemeinsam kreativ verändern. Im Gegensatz zu klassischen AR-Anwendungen, die oft individuell genutzt werden, setzt Social-AR auf Interaktion zwischen Menschen: Inhalte sind live mit anderen erlebbar und bleiben vor Ort sichtbar, sodass spätere Besucherinnen und Besucher darauf reagieren können, ähnlich wie in einem sozialen Netzwerk, jedoch eingebettet in den realen Stadtraum. In Bochum standen dabei lokale Informationen, Bilder, räumliche Objekte und Figuren aus der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt im Fokus.
Digitale Erlebnisse – mitten in Bochum
Die Testumgebung in der Kortumstraße bot die Möglichkeit, sich über das Konzept und die technische Umsetzung zu informieren. Anschließend konnten die Besucherinnen und Besucher den Prototypen selbst ausprobieren. Ein Tutorial bereitete die Teilnehmenden im Ladenlokal auf ihren Einsatz auf dem Husemann-Platz vor – der ersten frei erlebbaren AR-Zone in Bochum. Die mehr als 30 Teilnehmenden aus Verbänden, Handel und Politik sowie an der Innenstadt interessierte Privatpersonen verschönerten so den gerade noch im Bau befindlichen Husemann-Platz mit digitalen Parkbänken, Malerei und Graffiti. Ein besonders beliebtes Element war zusätzliches Grün, welches sie in Form von Bäumen und Pflanzen auf dem Platz verteilten. Im Laufe der Testphase entstand so ein kleiner AR-Stadtwald.
Die Besucher:innen konnten zudem herausfinden, wer diesem Platz überhaupt seinen Namen gab. Dafür wurde eine digitale Statue auf dem Platz installiert, mit der die Teilnehmenden interagieren konnten und die ihnen aus dem Leben von Fritz Husemann erzählte.
Ein Gemeinschaftsprojekt für digitale Stadtentwicklung
Die Feldforschung in Bochum bildet den Abschluss der praktischen Testphase. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in einen Leitfaden für Kommunen, Unternehmen und Interessierte ein. Er soll dazu dienen, Interessierten einen Vorsprung bei der Einführung eigener AR-Zonen zu ermöglichen, sobald die Technik hinter den Augmented-Reality-Brillen einen massentauglichen Stand erreicht hat. Ziel ist es aufzuzeigen, ob und wie AR künftig als Werkzeug für Information, Teilhabe und gemeinschaftliche Gestaltung einen nachhaltigen Beitrag zur Belebung und Attraktivität von Innenstädten leisten kann, um so den digitalen Transformationsprozess der Innenstädte zu unterstützen. Denkbare zukünftige Einsatzgebiete wären u. a. Events und Spiele sowie die Möglichkeit, Denkmäler und Stadtgeschichte auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten zu erleben.
Hintergrund zum Projekt:
Das Forschungsprojekt ARIZON ist ein gemeinsames Vorhaben der Westfälischen Hochschule (Fachbereiche Wirtschaft und Informatik) sowie dem Unternehmen mxr storytelling aus Gelsenkirchen-Ückendorf in Zusammenarbeit mit den Partnerstädten Gelsenkirchen, Recklinghausen und Bochum. Partner der Feldforschung in Bochum war die Bochum Marketing GmbH.
ARIZON ist Teil des Innovationswettbewerbs „NEXT.IN.NRW“, der Projekte fördert, die die digitale Transformation in NRW voranbringen. Finanziert wird das Forschungsprojekt durch die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des EFRE/JTF-Programms NRW 2021 – 2027.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Westfälische Hochschule
Fachbereich Wirtschaft
Prof. Dr. Karin Küffmann
karin.kueffmann@w-hs.de
Fachbereich Informatik und Kommunikation
Prof. Dr. Gregor Lux
gregor.lux@w-hs.de
Weitere Informationen:
https://arizon.nrw/ (Website zum Projekt)
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