Syrien vor europäischen Gerichten - Forschung zu universeller Jurisdiktion und Demokratie
Volkswagenstiftung fördert Projekt der Humboldt-Universität zu europäischen Gerichtsprozessen gegen Verbrechen in Syrien. Wie diese Verfahren demokratische Prozesse beeinflussen, wird mit rechtswissenschaftlichen und ethnographischen Methoden untersucht.
Die Volkswagenstiftung hat das Forschungsprojekt „Trying Democracy: Universal Jurisdiction and Transnational Community-Making between Syria and Europe" von Prof. Dr. Pauline Endres de Oliveira, Humboldt-Universität zu Berlin (HU), im Rahmen ihrer Förderinitiative „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ bewilligt. Das Projekt wird mit rund 1,3 Millionen Euro gefördert. Kooperationspartner*innen sind Dr. Itamar Mann, HU; Roger Phillips, Syria Justice and Accountability Centre, Washington, USA, und Jun.-Prof. Leila Ullrich Ph.D., University of Oxford, Großbritannien.
Forschungsprojekt „Syren vor europäischen Gerichten“
Prozesse nach dem Prinzip der universellen Jurisdiktion in Europa zählen zu den wenigen Möglichkeiten, Verbrechen aus dem syrischen Konflikt juristisch aufzuarbeiten. Ihre Bedeutung geht jedoch über den Gerichtssaal hinaus. Sie finden in einer Zeit statt, in der europäische Gesellschaften von politischer Polarisierung und migrationskritischen Debatten geprägt sind, während syrische Exilgemeinschaften erste Perspektiven für eine Zukunft nach autoritärer Herrschaft entwickeln. Das Projekt untersucht, wie diese Verfahren demokratische Prozesse beeinflussen: Stärken sie die richterliche Unabhängigkeit und das Vertrauen in Europa? Eröffnen sie Syrerinnen und Syrern im Exil, demokratische Praktiken einzuüben, die eines Tages einen Übergang in Syrien prägen könnten? Durch Feldforschung in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich sowie die Verbindung von Rechtswissenschaft, Ethnographie und Film wird analysiert, wie transnationale Gemeinschaften Gerechtigkeit wahrnehmen. In Zusammenarbeit mit Richterinnen, Staatsanwältinnen und politischen Entscheidungsträger*innen wird daraus ein anwendbares Rahmenkonzept für demokratischere, grenzüberschreitende Verfahren entwickelt.
Förderinitiative „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ der Volkswagenstiftung
In den geförderten Kooperationsprojekten forschen Wissenschaftler*innen mit Partner*innen aus der (Zivil-)Gesellschaft innerhalb einer klar begrenzbaren Fragestellung zu akuten Herausforderungen von Demokratie in Deutschland oder auf EU-Ebene über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren. Sie nehmen Herausforderungen für demokratische Transformationsprozesse fundiert und im Detail in den Blick. Ziel dieser tiefgehenden Analysen ist die Generierung von evidenzbasierten Forschungsergebnissen, die in konkrete Handlungsempfehlungen umgesetzt werden.
Weitere Informationen:
https://www.volkswagenstiftung.de/de/news/pressemitteilung/demokratien-im-wandel-stiftung-foerdert-elf-transdisziplinaere-forschungsprojekte-mit-rund-143-mio-euro
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