Wegweisende Schritte für zentrale Forschungsinfrastrukturen in Deutschland vereinbart
Stärkung des Forschungsdatenmanagements, des Hochleistungsrechnens mit KI an Hochschulen sowie der Digitalisierung in den Geisteswissenschaften.
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat heute drei zentrale Entscheidungen für verschiedene und gleichzeitig miteinander verbundene Forschungsinfrastrukturen auf den Weg gebracht.
• Sie hat die Bund-Länder-Vereinbarung zur Förderung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) für den Zeitraum vom 1. Januar 2029 bis zum 31. Dezember 2038 beschlossen. Mit der Vereinbarung schaffen Bund und Länder die Grundlage für die Weiterentwicklung der NFDI zu einer „One NFDI“, die das Forschungsdatenmanagement in Deutschland stärker koordiniert und strategisch fortentwickelt. Forschungsdaten sind eine unverzichtbare Grundlage für wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Innovationen und gesellschaftlichen Fortschritt. Ihre qualitätsgesicherte Erhebung, nachhaltige Verfügbarkeit und verantwortungsvolle Nutzung gewinnen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung aller Wissenschaftsbereiche ebenso an Bedeutung wie vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen und globaler Abhängigkeiten. Die Fähigkeit, Forschungsdaten sicher, interoperabel und rechtskonform zu nutzen, ist heute ein wesentlicher Faktor für die Leistungs- und Innovationsfähigkeit moderner Wissenschaftssysteme.
Für die Förderung der NFDI stellen Bund und Länder im Zeitraum von 2029 bis 2038 gemeinsam jährlich bis zu rd. 98,7 Millionen Euro bereit. Die Mittel dienen insbesondere dem Betrieb eines bedarfsorientierten Diensteportfolios, der Entwicklung und Etablierung gemeinsamer Standards sowie der weiteren Vernetzung der Akteure des Forschungsdatenmanagements in Deutschland. Bestandteil der gemeinsamen Förderung ist zudem ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu administrierendes Innovationsprogramm. Dieses ermöglicht es, neue Entwicklungen im Forschungsdatenmanagement flexibel aufzugreifen und zu erproben.
Die Vorsitzende der GWK und Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, erklärt: „Mit der neuen Bund-Länder-Vereinbarung schaffen Bund und Länder die Voraussetzungen dafür, dass Forschungsdaten künftig noch besser auffindbar, zugänglich und nutzbar werden. Die langfristige Förderung der NFDI zeigt, welchen Stellenwert Bund und Länder dem Forschungsdatenmanagement als strategischer Zukunftsaufgabe beimessen. Gut verfügbare und interoperable Forschungsdaten sind eine wichtige Grundlage für technologische Innovationen, industrielle Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Zugleich stärkt die NFDI die Datensouveränität Deutschlands und Europas“.
„Mit dem heutigen Beschluss bekräftigen Bund und Länder ihre gemeinsame Verantwortung für eine leistungsfähige Forschungsdateninfrastruktur. Die NFDI wird künftig dazu beitragen, Forschungsdaten über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg besser nutzbar zu machen, die digitale Transformation des Wissenschaftssystems zu unterstützen und die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Sie führt die bislang vielfach verteilten Datenangebote und Kompetenzen stärker zusammen und schafft so einen Mehrwert für die gesamte Wissenschaftslandschaft. Damit leistet die NFDI einen wichtigen Beitrag zur technologischen Handlungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas“, ergänzt der stellvertretende Vorsitzende der GWK, der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs.
• Zudem hat die GWK beschlossen, für die Förderung des Nationalen Hochleistungsrechnens an Hochschulen (NHR) wie in den Vorjahren im Jahr 2027 bis zu 62,5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus stellt der Bund aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität in den Jahren 2026 bis 2030 bis zu 30,7 Mio. Euro zusätzlich bereit, um durch Investitionen die Kapazitäten für Hochleistungsrechnen mit Künstlicher Intelligenz an Hochschulen auszubauen. Zugleich stellen vorrangig die Sitz- und Trägerländer den Betrieb der zusätzlichen KI-Infrastruktur sicher.
• Die GWK hat außerdem die Förderung des Akademienzentrums für Digitale Lexikographie des Deutschen (ADL) beschlossen. Mit dem ADL fördern Bund und Länder ab 2027 bis zunächst 2033 neben dem Akademienprogramm einen weiteren zentralen geisteswissenschaftlichen Baustein der Akademien. Kern des ADL ist die übergreifende Betrachtung des gesamten deutschen Wortschatzes sowie die umfassende lexikographische Dokumentation der deutschen Sprache. Das Ziel ist es, die Dynamik des sich laufend weiterentwickelnden deutschen Wortschatzes verlässlich und umfassend zu beschreiben und alle Forschungsdaten der deutschen Lexikographie nach einheitlichen Standards aufzubereiten. Bund und Länder sehen dafür eine jährliche Förderung von knapp 3 Millionen Euro vor, die hälftig vom Bund und hälftig von den beteiligten Ländern aufgebracht wird.
Hintergrund zur NFDI:
Die NFDI wurde von Bund und Ländern zum 1. Januar 2019 eingerichtet. Mit dem ursprünglich gewählten Bottom-up-Ansatz konnten die fachliche Breite der Wissenschaft adressiert, unterschiedliche Reifegrade im Forschungsdatenmanagement berücksichtigt und Anreize für die wissenschaftsgeleitete Zusammenarbeit geschaffen werden. Heute gehören dem NFDI e.V. 338 Mitgliedsorganisationen an. Aufbauend auf der Strukturevaluation durch den Wissenschaftsrat (2025) wird die NFDI in der nun beschlossenen Bund-Länder-Vereinbarung künftig ihre gesamtstaatliche Verantwortung ausbauen, resiliente Strukturen stärken und ein bedarfsorientiertes Diensteportfolio bereitstellen. Im Sinne einer „One NFDI“ wird sie gemeinsame Standards fördern, dezentrale Initiativen vernetzen und über ihren Verein NFDI e. V. als zentrale Ansprechstelle für Forschungsdatenmanagement in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik wirken. Die NFDI trägt zugleich zur Vernetzung des deutschen Wissenschaftssystems mit europäischen und internationalen Dateninfrastrukturen bei.
Weitere Informationen zur NFDI können unter folgender Adresse abgerufen werden: https://www.nfdi.de/.
Ähnliche Pressemitteilungen im idw