Wie Digitalisierung die Energiewende stärkt
Prof. Dr. Andreas Zeiselmair ist Professor für Digitale Energiewende an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Im Interview erklärt er, wie Digitalisierung ein resilientes Energiesystem ermöglicht, welche Rolle Forschung und Lehre an der HSWT dabei spielen und wie die Energiezukunft in zehn Jahren aussehen kann.
Herr Prof. Zeiselmair, die Energiekrise hat die Verwundbarkeit unseres Energiesystems offengelegt. Wo sehen Sie aktuell die größten strukturellen Schwachstellen?
Andreas Zeiselmair: Unser Energiesystem ist historisch stark von fossilen Importen abhängig. Die jüngsten Krisen haben gezeigt, wie riskant diese Abhängigkeit ist. Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien verändert sich das System grundlegend. Statt weniger großer Kraftwerke haben wir künftig viele dezentrale, wetterabhängige Anlagen. Um diese optimal zu nutzen, brauchen wir vor allem Flexibilität, etwa durch Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Speicher oder industrielle Prozesse. Die Digitalisierung ist dafür unverzichtbar, denn sie ermöglicht Prognosen, Optimierungen und intelligente Steuerung. Nur so können wir Erzeugung, Verbrauch und Netze effizient aufeinander abstimmen.
Ihr Forschungsprojekt SkIES untersucht zukünftige Energiesysteme. Welche Erkenntnisse liefern Simulationen für die aktuelle Situation?
Wir analysieren, wie Energy-Sharing-Konzepte in Energiegemeinschaften funktionieren können – also die gemeinschaftliche Nutzung erneuerbarer Energie in Quartieren, Genossenschaften oder Unternehmen. Modelle zeigen, wann lokale Erzeugung und Verbrauch gut zusammenpassen, wie Speicher wirken und unter welchen Bedingungen Energy Sharing wirtschaftlich und systemdienlich ist. Das eröffnet Chancen für Partizipation, lokale Wertschöpfung und potenziell geringere Kosten. In weiteren Projekten wie SysMMO und smartBattery untersuchen wir Wärmekostenreduktion durch den optimierten Betrieb von Großwärmepumpen sowie KI-basierte Netzintegration von Batteriespeichern.
Wie bereiten Sie Studierende auf ein digital geprägtes Energiesystem vor?
Die Energiewende ist komplex und betrifft Technik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. In unseren Studiengängen verbinden wir energiewirtschaftliches Wissen mit technischem Verständnis, digitalen Methoden und unternehmerischem Denken. Studierende lernen, wie Strommärkte funktionieren, welche Rolle Prognosen, Speicher und Flexibilität spielen und wie digitale Werkzeuge eingesetzt werden. Entscheidend ist die Fähigkeit, Modelle richtig einzuordnen und digitale (KI-)Tools sinnvoll zu nutzen. Diese Schnittstellenkompetenz wird immer wichtiger.
Viele Branchen kämpfen derzeit mit einem zunehmenden Fachkräftemangel. Wie stark betrifft dieser Trend die Energiestudiengänge und die Ausbildung für die digitale Energiewende?
Der Fachkräftemangel trifft die Energiewirtschaft deutlich, besonders im aktuellen Transformationsprozess. Gefragt sind nicht nur klassische Ingenieurinnen und Ingenieure, sondern Menschen, die technische, wirtschaftliche und digitale Kompetenzen verbinden. Unsere Absolventinnen und Absolventen haben weiterhin sehr gute Berufsaussichten, attraktive Einstiegsgehälter und sichere Jobs. Die Studieninhalte an der HSWT sind hochspannend und ein Studium hier ermöglicht es, die Zukunft der Energiebranche konkret mitzugestalten.
Wie sieht ein ideal digital optimiertes Energiesystem in zehn Jahren aus?
Wir decken unseren Energiebedarf weitgehend erneuerbar. Erzeuger, Speicher, Netze und Verbraucher sind digital vernetzt und reagieren automatisiert auf Preissignale, Netzsituationen und Wetterprognosen. Elektroautos laden, wenn viel lokaler Strom verfügbar ist, Wärmepumpen nutzen flexible Zeitfenster, Speicher stabilisieren Netze. Digitalisierung macht das System nicht nur klimaneutral, sondern auch günstiger und robuster. Wichtig ist, dass diese Entwicklung verständlich, sicher und gesellschaftlich akzeptiert gestaltet wird. Und dafür brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte, die unsere Energiezukunft aktiv mitgestalten.
Informationen für Redaktionen:
Prof. Dr. Andreas Zeiselmair ist Vorsitzender der Prüfungskommission im Masterstudiengang Business Management und Entrepreneurship Erneuerbare Energien sowie Praktikumsbeauftragter im Bachelorstudiengang Management erneuerbarer Energien.
Gerne vermitteln wir Interviewtermine mit Prof. Dr. Zeiselmair oder Studiengangbotschafterinnen und -botschaftern.
Weitere Informationen:
https://www.hswt.de/hochschule/kontakt/presse-und-medien/pressemitteilungen/detail/wie-digitalisierung-die-energiewende-staerkt
Ähnliche Pressemitteilungen im idw