DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026: Einstellungen zur Entwicklungspolitik in turbulenten Zeiten
Mit dem DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik untersucht das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit regelmäßig die öffentliche Meinung zur Entwicklungspolitik. Die aktuelle Studie zeigt: Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung befürwortet das entwicklungspolitische Engagement Deutschlands. Die Zustimmung zu den Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist im Vergleich zu 2024 leicht gestiegen. Sie erreicht allerdings nicht mehr das Niveau von vor 2022. Gleichzeitig bestehen Wissenslücken und Fehleinschätzungen bezüglich der Erfolge der EZ und der hierfür eingesetzten Mittel, was die Kommunikation zur Entwicklungspolitik vor Herausforderungen stellt.
Die Entwicklungspolitik bewegt sich in einem herausfordernden Umfeld und steht unter Druck wie selten zuvor. Am deutlichsten zeigt sich dies an den Mittelkürzungen vieler Geberländer und am disruptiven Vorgehen der US-Administration unter Donald Trump in der internationalen Zusammenarbeit. Aber auch in Deutschland ist die Entwicklungszusammenarbeit politischem Druck und Budgetkürzungen ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund analysiert das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) in seinem „Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026“ unter anderem, wie sich die Einstellungen der Bevölkerung zur Entwicklungspolitik und ihr Wissen hierzu im Zeitverlauf darstellen. Dabei wird untersucht, inwieweit die Befragten die Entwicklungszusammenarbeit unterstützen, wie sie die Wirksamkeit von Entwicklungsmaßnahmen einschätzen, wie gut sie über das Politikfeld informiert sind und wie groß ihr Interesse daran ist.
Öffentliche Unterstützung für Entwicklungszusammenarbeit hat sich stabilisiert
Die DEval-Studie zeigt: Die Zustimmung zu den Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit hat sich wieder leicht erhöht. Nach einem Tiefpunkt im Januar 2024 (47 %) stimmt nun eine knappe Mehrheit der Befragten (ca. 52 %) gleichbleibenden oder höheren Ausgaben zu. Damit liegt die Zustimmung weiterhin unter dem Niveau der Jahre 2019 bis 2022 (hier waren es bis zu 68 %). Im direkten Vergleich mit anderen Politikfeldern zeigt sich außerdem, dass der Entwicklungspolitik weniger Priorität beigemessen wird.
Viele Befragte haben Vorbehalte gegenüber der EZ; hier werden vor allem eine mangelnde Wirksamkeit (47 % der Befragten), hohe Korruption in den Partnerländern (53 %) und eine mögliche Verschwendung von Geldern (65 %) genannt. Zudem nimmt seit 2022 insbesondere die Ansicht zu, Deutschland könne sich Entwicklungszusammenarbeit nicht leisten (2025: 29 %; +9 Prozentpunkte). Dieser Zuwachs betrifft das gesamte politische Spektrum, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß: Je weiter rechts sich die Befragten politisch verorten, desto mehr stimmen sie diesem Kritikpunkt zu.
Als Motive für die Entwicklungszusammenarbeit werden die Bedarfe der Menschen in den Partnerländern sowie die Möglichkeit, mit wenigen Mitteln viel Gutes zu bewirken, am überzeugendsten eingeschätzt. Wie bei der Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit hängt auch die Überzeugungskraft der Motive mit den politischen Einstellungen der Befragten, dem Vertrauen in die Bundesregierung und der Einschätzung der wirtschaftlichen Situation zusammen. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Betonung altruistischer Motive die Zustimmung zur Entwicklungszusammenarbeit erhöht. Bei einer stärkeren Betonung außenwirtschaftlicher Interessen ist das hingegen nicht der Fall.
Erfolge und Ausgaben werden falsch eingeschätzt
Die Mehrheit der Befragten interessiert sich für Entwicklungspolitik (54 %); gleichzeitig fühlen sich 41 Prozent schlecht über das Thema informiert. Außerdem werden Wissenslücken und Fehleinschätzungen in der Bevölkerung deutlich. Eine Mehrheit der Befragten sieht beispielsweise Entwicklungsfortschritte in Bereichen wie Armut, Ausbau erneuerbarer Energien oder Zugang zu Bildung. Doch sie unterschätzen den Umfang dieser Fortschritte. Ebenso überschätzt eine große Mehrheit die Ausgaben im Politikfeld deutlich. Während Informationen über reale Entwicklungsfortschritte die Zustimmung zu den Entwicklungsausgaben erhöhen, bewirken Informationen über die absolute Höhe der Ausgaben das Gegenteil. Eine relative Mehrheit der Befragten (39 %) geht von einer moderaten Wirksamkeit der deutschen EZ aus. Lediglich 20 Prozent bewerten die EZ als (sehr) effektiv.
DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust hebt mit Blick auf diese Ergebnisse hervor: „Der DEval-Meinungsmonitor zeigt, dass sich die Unterstützung der Entwicklungszusammenarbeit in der Bevölkerung stabilisiert hat. Gleichwohl machen innergesellschaftliche Polarisierung und Verteilungskonflikte das Politikfeld anfällig gegenüber populistischer Kritik – nicht zuletzt auch aufgrund des geringen Wissens in weiten Teilen der Bevölkerung. Daher kommen faktenbasierten Informationen zum Politikfeld, einer überzeugenden Begründung der Entwicklungsmaßnahmen und einer transparenten und verständlichen Kommunikation zu ihren Wirkungen seitens der politisch Verantwortlichen große Bedeutung zu.“
Datenbasis
Das Monitoring der Einstellungsindikatoren basiert auf Umfragedaten des DEval-Trackings (2023 bis 2025) sowie des Aid Attitude Tracker (2013 bis 2018) und des Development Engagement Lab (2019 bis 2025). Zudem werden Umfragedaten und -experimente aus dem Jahr 2025 analysiert. Der vollständige Bericht Wissen, Motive und Vorbehalte in disruptiven Zeiten ist auf der Website des DEval veröffentlicht. Der nächste Meinungsmonitor Entwicklungspolitik wird voraussichtlich 2028 erscheinen.
Über das DEval
Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unabhängig und nachvollziehbar zu analysieren und zu bewerten. Mit seinen strategischen und wissenschaftlich fundierten Evaluierungen trägt das Institut dazu bei, die Entscheidungsgrundlage für eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes zu verbessern und Ergebnisse der Entwicklungszusammenarbeit transparenter zu machen. Das Institut gehört zu den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und wird von Prof. Dr. Jörg Faust geleitet.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Martin Bruder
Abteilungsleitung
Zivilgesellschaft, Menschenrechte
Tel.: +49 (0)228 336907-970
E-Mail: martin.bruder@DEval.org
Dr. Sebastian H. Schneider
Teamleitung
Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026
Tel.: +49 (0)228 336907-977
E-Mail: sebastian.schneider@DEval.org
Originalpublikation:
Schneider, S.H., A. Gödderz, H. Zille, M. Gmeineder, F. Leßke und M. Bruder (2026), Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026. Wissen, Motive und Vorbehalte in disruptiven Zeiten, Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval), Bonn. https://doi.org/10.5281/zenodo.20340900.
Weitere Informationen:
https://www.deval.org/de/publikationen/meinungsmonitor-entwicklungspolitik-2026 Bericht
https://www.deval.org/fileadmin/Redaktion/PDF/05-Publikationen/Berichte/2026_Memo/2026_DEval_Bericht_Memo_web_ZF_barrierefrei.pdf Zusammenfassung
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