Gemeinsamer Bundesausschuss fördert neues Forschungsprojekt: Rauchstopp-Beratung in der Hausarzt-Praxis
Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) fördert künftig ein neues Forschungsprojekt an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und dem Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), das eine neue Versorgungsform zur Nikotin- und Tabakentwöhnung evaluieren soll. Dazu kooperieren HHU und UKD künftig mit insgesamt 60 Hausarztpraxen in NRW. Die Studie verfolgt den Ansatz, direkt in der hausärztlichen Praxis zum Rauchstopp zu beraten und in bestehende Angebote zur Entwöhnung weiterzuvermitteln. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Daniel Kotz vom Institut für Allgemeinmedizin (ifam) an der HHU und dem UKD.
Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum ist jeder siebte Todesfall in Deutschland eine Folge des Rauchens. Tabakrauchen schädigt nahezu jedes Organ und kann insbesondere für Herz-Kreislauferkrankungen und Lungenerkrankungen verantwortlich sein. Und dennoch konsumieren viele Menschen Zigaretten oder andere klassische Tabakprodukte. Hinzu kommt der Konsum von verwandten Nikotinprodukten wie E-Zigaretten, die immer mehr an Popularität gewinnen. Der Bedarf an wirksamen Methoden zur Nikotin- und Tabakentwöhnung ist also weiterhin hoch.
Das neue standortübergreifende Forschungsprojekt „NiTab – Strukturierte hausärztliche Kurzberatung mit integrierter Weiterleitung in qualifizierte Rauchstoppangebote zur Nikotin- und Tabakentwöhnung“ soll nun eine neue Versorgungsform erforschen. Geleitet wird das Projekt durch die HHU, die dazu mit insgesamt 60 Praxen aus dem „Hausärztlichen Forschungspraxennetz“ HAFO.NRW kooperiert. Sprecher ist der Düsseldorfer Suchtforscher Prof. Dr. Daniel Kotz. Als Konsortialpartner übernimmt das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Münster unter Leitung von Prof. Dr. Tanja Grammer die Studiendurchführung in Westfalen. Beteiligt sind außerdem das Institut für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), welches unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Kuß für die Evaluierung und Datenanalyse zuständig ist, sowie die Krankenversicherung AOK Rheinland/Hamburg – Die Gesundheitskasse.
Die neue Versorgungsform verfolgt den Ansatz, Raucherinnen und Raucher direkt in der Hausarztpraxis zu erreichen. So sollen auch Personen angesprochen werden, die selbst bisher nicht proaktiv versucht haben, ihr Rauchverhalten zu ändern. Dazu wird in den teilnehmenden Praxen ein Beratungsangebot aufgebaut, dass bei der Nikotin- und Tabakentwöhnung unterstützen soll.
Ausgangspunkt ist eine Kurzberatung durch den Hausarzt oder die Hausärztin, in welcher der Rauchstatus abgefragt, eine individualisierte Empfehlung zum Rauchstopp gegeben und wirksame therapeutische Unterstützung dabei angeboten wird. Dazu gehören etwa digitale Angebote wie Webseiten, Apps, Telefonberatung, Einzel- oder Gruppenentwöhnungskurse sowie medikamentöse Unterstützung, zum Beispiel in Form von Nikotinersatzprodukten. Zur besseren Umsetzung in den Praxen entwickelt das Team der Studie eine Schulung für die gesamten Praxisteams (Hausärztinnen und -ärzte, Medizinische Fachangestellte), in denen das Erstgespräch nach dem ABC-Prinzip („Ask“ - abfragen, „Brief advice“ - kurz beraten, „Cessation support“ – Unterstützung anbieten) trainiert wird. Damit sollen möglichst viele Menschen so unkompliziert wie möglich in ein direktes Therapie- und Unterstützungsangebot vermittelt werden. Ziel ist es, die Zahl derjenigen, die Tabak- und Nikotinprodukte konsumieren, nachhaltig zu verringern.
Neben der Evaluation des neuen Ansatzes zur Nikotin- und Tabakentwöhnung legt die Studie dabei auch Schwerpunkte auf den wirtschaftlichen Faktor und auf die digitalen Versorgungsmöglichkeiten in den teilnehmenden Hausarztpraxen. Prof. Dr. Sabrina Kastaun (Institut für Allgemeinmedizin) leitet den Teilbereich Weiterentwicklung und Digitalisierung von Fortbildungsangeboten für die hausärztlichen Praxen. Prof. Dr. Nadja Kairies-Schwarz (Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie) und ihr Team werden die Wirtschaftlichkeit der neuen Versorgungsform untersuchen.
Der Erfolg der neuen Versorgungsform wird im Rahmen der cluster-randomisierten, kontrollierten Studie untersucht. Primärer Endpunkt ist die Nikotin- und Tabakabstinenz nach zwölf Wochen. „Der Konsum von Nikotin- und Tabakprodukten hat gravierende negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und auf die Gesellschaft. Es gibt bereits viele Angebote zur Rauchentwöhnung, allerdings werden diese nur von einem kleinen Teil der Raucherinnen und Raucher in Anspruch genommen“, berichtet Prof. Kotz. „Das kann damit zusammenhängen, dass diese Therapien in der ärztlichen Versorgung nicht gezielt angeboten werden. Wir möchten im Rahmen der Studie untersuchen, wie viele Menschen wir erreichen können, wenn wir diese Angebote direkt in der hausärztlichen Praxis platzieren.“
Auch die Patientinnen und Patienten und die beteiligten Hausarztpraxen werden im Rahmen der Studie nach ihren Erfahrungen gefragt. Diese Ergebnisse werden in die Gesamtbewertung mit einfließen, um so eine nachhaltige neue Versorgungsform zur Nikotin- und Tabakentwöhnung zu etablieren.
Das Projekt wird durch den G-BA für drei Jahre mit circa 2,5 Millionen Euro gefördert.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Daniel Kotz
Weitere Informationen:
https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/nitab.825
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