Bundesregierung fördert Laserfusions-Hub in Hessen und um European XFEL
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat heute bekannt gegeben, einen Hub für Laserfusion mit Standorten in Hamburg/Schleswig-Holstein und Hessen bekannt gegeben. European XFEL steht dabei im Mittelpunkt eines Fusion R&D (Forschung und Entwicklung) Campus Hamburg/Schleswig-Holstein. Hier entsteht das Zentrum der deutschen Laserfusionsforschung und -entwicklung – mit dem klaren Ziel, den Bau des weltweit ersten kommerziellen Laserfusionskraftwerks in Deutschland vorzubereiten.
Die beiden deutschen Laserfusionsunternehmen Marvel Fusion und Focused Energy, Mitgründer und Mitgesellschafter des Hubs, entwickeln den Campus gemeinsam mit European XFEL, DESY, der Universität Hamburg, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität Rostock und einem breiten Netzwerk weiterer wissenschaftlicher und industrieller Partner sowie mit Unterstützung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Laser Fusion Hub umfasst einen weiteren Standort, den Fusion Industrialization Campus Biblis/Hessen, sowie Satellitenstandorte in der „Länderallianz Fusion“ ein. Das BMFTR fördert den Hub im Rahmen der Förderrichtlinie „Hubs für die Fusion“, die Teil der Hightech Agenda Deutschland der Bundesregierung ist.
Der Campus in Hamburg/Schleswig-Holstein konzentriert sich auf Laserphysik, Diagnostik und Materialforschung. European XFEL beabsichtigt, Kapazitäten auszubauen, um die präzise Vermessung von Laser-Target-Wechselwirkungen über einen breiten Parameterbereich zu ermöglichen – eine Grundvoraussetzung für die Validierung neuer Zünd- und Kompressionskonzepte auf dem Weg zum Fusionskraftwerk. Diese Infrastruktur ist in ihrer Form weltweit einzigartig: Der Hub kann auch auf eine etablierte wissenschaftliche Basis und jahrzehntelange Expertise von DESY in der Entwicklung von Hochleistungslasern zurückgreifen.
Der Hub wird von Marvel Fusion und Focused Energy gemeinsam mit dem noch zu gründenden Verein IFE Innovation Network e.V. getragen. Eine Vielzahl wissenschaftlicher und industrieller Partner hat ihr Interesse an einem Beitritt bekundet – darunter 15 Universitäten und Forschungsinstitute, 13 Industriepartner und drei Transfergesellschaften. Die Koordination der Vereinsgründung übernimmt European XFEL zusammen mit Hamburg und Schleswig-Holstein.
Der Laser Fusion Hub ist industriegeführt und wird durch öffentliche und wissenschaftliche Unterstützung ergänzt. Der Hub ist ausdrücklich offen für alle Akteure des Ökosystems. Er versteht sich als Koordinationszentrum für die gesamte Wertschöpfungskette, die der Bau eines Laserfusionskraftwerks braucht: von der Laserphysik über die Targetfertigung und Materialentwicklung bis zu den Lieferketten und den industriellen Partnerschaften.
Moritz von der Linden, CEO und Co-Founder, Marvel Fusion: „Fusionsenergie wird die Energiequelle des 21. Jahrhunderts – unbegrenzt, sicher und grundlastfähig. Mit der heutigen Förderentscheidung des BMFTR wird der Laser Fusion Hub zu dem Ort, an dem wir unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur Forschung beschleunigen und in marktreife Technologien überführen: industriegeführt, offen für das gesamte Ökosystem, und getragen von Weltklasse-Wissenschaft. Das sichert nicht nur saubere Energie für morgen, sondern Hightech-Arbeitsplätze, Lieferketten und wirtschaftliche Stärke, die Deutschlands Wohlstand über Generationen tragen werden.“
Thomas Forner, CEO und Co-Founder, Focused Energy: „Bezahlbare Energie ist der Engpass des 21. Jahrhunderts. Die Verfügbarkeit günstiger sauberer Energie wird darüber entscheiden, wo Industrie entsteht. Fusion ist für uns deshalb keine Technologie für den kurzfristigen politischen Takt, sondern für die langfristige Sicherung sauberer, sicherer und bezahlbarer Energie. Genau deshalb ist sind die Hubs so wichtig: Sie stärken nicht nur Forschung und Technologieentwicklung, sondern schaffen auch die industrielle Grundlage für eine neue Energieinfrastruktur.“
Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Freie und Hansestadt Hamburg: „Die Entscheidung des Bundes zur Förderung der Laserhubs ist ein starkes Signal – für den Norden und für Hamburgs Rolle bei der Entwicklung von Technologien, die unsere Zukunft prägen. Fusionsforschung kann ein entscheidender Faktor für die Energieversorgung von morgen werden. Mit European XFEL und PETRA am DESY bringen wir in Hamburg Forschungsinfrastruktur von Weltrang ein. Was Focused Energy und Marvel Fusion an Erfahrung aus der Anwendung mitbringen, trifft in der Science City auf ein höchst dynamisches und innovationsfreudiges Umfeld. Wir haben in den vergangenen Jahren gezielt investiert, um hier die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Ich freue mich, dass wir mit Schleswig-Holstein und Hessen den HUB gemeinsam unterstützen und gratuliere allen Beteiligten sehr herzlich zu diesem Erfolg!"
Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein: „Jede große Zukunftstechnologie beginnt mit der Entscheidung, loszulegen. Diese Entscheidung treffen wir heute gemeinsam. Mit European XFEL, der CAU und den engen Kooperationen zum DESY bringt der Norden nicht nur eine weltweit einzigartige Forschungsinfrastruktur in die Partnerschaft ein, sondern insbesondere auch seine Expertise im innovativen Nanomaterialdesign, in der Röntgendiagnostik, in der Plasmasimulation und in der Lasertechnologie. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Wissenschaft, sondern ein klares Signal: Schleswig-Holstein gestaltet als Innovationsstandort die Energie der Zukunft mit.“
Prof. Thomas Feurer, European XFEL:„Der European XFEL ist einer der leistungsstärksten Röntgenlaser der Welt – unsere hochpräzise Diagnostik für Kompressionsphysik ist weltweit einzigartig. Sie ist der Schlüssel, um Konzepte für die Laserfusion experimentell zu validieren und in der Entwicklung der Technologie die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Prof. Franz Kärtner, DESY/Universität Hamburg (UHH): „DESY und die Universität Hamburg haben bereits eine effiziente kryogene Hochenergie- und Hochleistungslasertechnologie entwickelt. Sie lässt sich auf die anspruchsvollen Anforderungen zukünftiger Laserfusionskraftwerke skalieren und ist mit verschiedenen Zündkonzepten kompatibel. Der neue Laser Fusion Hub ist unverzichtbar, wenn wir diese anspruchsvolle Skalierung auf bislang unerreichte mittlere Leistungsniveaus bei gleichzeitig hoher Effizienz in enger Zusammenarbeit mit der Industrie umsetzen wollen.“
Der Hub hat zum Start fünf konkrete Forschungsvorhaben zur Förderung eingereicht. Jedes adressiert einen technologischen und wissenschaftlichen Meilenstein auf dem Weg zum kommerziellen Kraftwerk:
• SAVGUR – Quelloffenes 3D-Simulationsframework für das Design von Fusionstargets: die Grundlage, um Targets kostengünstig und reproduzierbar zu entwickeln
• SCALABLE-FI – Hocheffizienz-Schnellzündung mit nanostrukturierten Metamaterial-Targets: neue Zündkonzepte, die den Energiebedarf des Lasers senken und damit die Wirtschaftlichkeit verbessern
• OCLIP – Lebensdauermodelle und Testprotokolle für optische Beschichtungen in Hochenergie-Lasersystemen: langlebige Optiken für den industriellen Betrieb
• SCOPE-IFE – Gemeinsame Diagnostikinfrastruktur mit KI-gestützter Laserstabilisierung: Präzision und Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb
• METROTARG – Messtechnik für Fusionstargets bei kryogenen Temperaturen: Qualitätssicherung als Voraussetzung für skalierbare Targetfertigung
Medienkontakte:
Marvel Fusion GmbH | Alena Bunz | alena.bunz@marvelfusion.com | +49 176 97706648
Focused Energy | Fink & Fuchs | press@focused-energy.com | +49 611 741310
Hamburg | Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung | pressestelle@bwfg.hamburg.de | +49 40 42863 2322
Schleswig-Holstein | Beate Hinse | beate.hinse@bimi.landsh.de | +49 431 988 5805
European XFEL | Dr. Bernd Ebeling | press@xfel.eu | +49 40 8998-6921
Weitere Informationen:
https://www.xfel.eu/aktuelles/news/index_ger.html?openDirectAnchor=3065&two_columns=0 Informationen bei European XFEL
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