Kleine Anstöße, sichtbare Wirkung: Studierende testen „Weltverbesserungsprojekte“ an der THWS
Modul „Verhaltensorientierte Gesundheitsförderung“: Alltagsprobleme wissenschaftlich analysieren und kreative Lösungen finden
Wie bringt man Menschen dazu, beim Überqueren der Straße nicht auf das Smartphone zu schauen, in der Mensa häufiger Mehrwegboxen zu nutzen und im Hochschulgebäude öfter die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen? Mit solchen Fragen haben sich Würzburger Studierende des Bachelorstudiengangs Management im Gesundheitswesen im Sommersemester 2026 im Modul „Verhaltensorientierte Gesundheitsförderung“ bei Prof. Dr. Christoph Bördlein beschäftigt.
Die Studierenden führten sogenannte „Weltverbesserungsprojekte“ durch – alltagsnahe Interventionen zu Themen wie Nachhaltigkeit, Verkehrssicherheit oder gesundem Verhalten. Dahinter steht ein einfacher, aber wissenschaftlich anspruchsvoller Gedanke: Ein gesellschaftlich relevantes Problem wird nicht nur diskutiert, sondern als konkretes Verhalten beschrieben, beobachtet und anschließend durch kleine, gezielte Veränderungen der Umwelt beeinflusst. „Mir ist wichtig, dass Studierende erleben, dass angewandte Wissenschaft nicht bei der Problembeschreibung stehenbleiben muss“, sagt Prof. Dr. Christoph Bördlein. „Sie sollen lernen, Verhalten genau zu beobachten, Daten zu erheben und auf dieser Grundlage kleine Interventionen zu entwickeln, die im Alltag tatsächlich etwas verändern können.“
Ein besonders anschauliches Projekt widmete sich der Smartphone-Nutzung von Fußgängern an der Ampel am Sanderring zwischen den Hochschulgebäuden und der Stadtmensa. Die Studierenden beobachteten zunächst, wie viele Personen beim Überqueren der Straße auf ihr Smartphone schauten. Anschließend hielten sie Plakate mit dem Slogan „Handy weg. Augen auf.“ hoch und verteilten Sticker als kleine positive Rückmeldung. Während der Interventionsphasen ging der Anteil der beobachteten Smartphone-Nutzung deutlich zurück. Nach Ende der Intervention stieg er wieder an. Für die Studierenden war das ein Lehrstück darüber, dass Verhaltensänderungen im öffentlichen Raum möglich sind, aber oft nicht dauerhaft bestehen bleiben, wenn die unterstützenden Bedingungen wieder wegfallen.
Einsatz für Umweltschutz
Ein weiteres Projekt beschäftigte sich mit der Nutzung von Mehrwegboxen in der Mensa Hubland Süd. In Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk Würzburg untersuchten die Studierenden, warum das bestehende Mehrwegangebot noch nicht stärker genutzt wurde. Nach einer kurzen Befragung setzten sie auf direkte Ansprache, Social Media, Monitorwerbung und verständliche Informationen zum Ausleihprozess. Die taggenauen Nutzungsdaten wurden vom Studierendenwerk bereitgestellt und ermöglichten eine Auswertung der Nutzung vor, während und nach den Maßnahmen.
Im Projekt „StepUp THWS“ nahmen Studierende die Aufzugs- und Treppennutzung im Gebäude Münzstraße 12 in den Blick. Nach Verhaltenszählungen und Interviews entwickelten sie digitale Hinweise, Social-Media-Material und eine Treppen-Challenge. Bei dieser konnten Hochschulangehörige auf verschiedenen Etagen Stempel sammeln und erhielten am Ende eine kleine Belohnung. Auch organisatorische Hürden gehörten zum Projekt: Brandschutz, Zuständigkeiten und technische Abstimmungen machten deutlich, dass Verhaltensinterventionen im echten Hochschulalltag mehr brauchen als nur eine gute Idee.
Weitere Gruppen beschäftigten sich mit Trinkverhalten und Wasserspendern, Digital Detox während Vorlesungen sowie Bewegungspausen in Lehrveranstaltungen. Dabei zeigte sich auch, wie stark Feldprojekte von realen Bedingungen abhängen: Das Projekt zur Nutzung des Wasserspenders wurde beispielsweise durch das zeitweise Abkochgebot in Würzburg erheblich beeinträchtigt.
Die Projekte zeigen, wie wissenschaftliches Arbeiten, Gesundheitsförderung und praktische Veränderung im Hochschulalltag verbunden werden können. Für Bördlein ist gerade das der Wert des Formats: „Die Studierenden merken, dass Daten nicht nur für Hausarbeiten erhoben werden. Sie sehen, dass sie mit sauberer Beobachtung, etwas Kreativität und verhaltenswissenschaftlichem Denken reale Situationen verändern können.“ Die schriftlichen Projektberichte wurden im Anschluss an die Durchführung abgegeben und bewertet. Mehrere Gruppen dokumentierten ihre Interventionen zusätzlich mit Fotos, Plakaten, Stickern und Ergebnisgrafiken.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christoph Bördlein
christoph.boerdlein@thws.de
Weitere Informationen:
https://www.thws.de/studium-an-der-thws/studieren/studiengaenge/management-im-gesundheitswesen/
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