Spatenstich für Neubau der Universitätsmedizin Oldenburg
Seit der Gründung ihrer Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften im Jahr 2012 machte die Universität Oldenburg immer wieder deutlich, dass eine wachsende Universitätsmedizin eigene Forschungs- und Lehrgebäude benötigt. Heute begannen im Beisein von Wissenschaftsminister Falko Mohrs mit einem symbolischen Spatenstich endlich die Arbeiten für das erste Unimedizin-Gebäude.
Dieser Spatenstich hat für Forschende und Studierende der Humanmedizin gleichermaßen eine wegweisende Bedeutung: Im Beisein von Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs sind heute an der Straße Am Technologiepark die Arbeiten für die neuen Gebäude der Universitätsmedizin Oldenburg (UMO) mit einem symbolischen Spatenstich gestartet. Der erste von insgesamt drei Bauabschnitten beherbergt neben Forschungsflächen auch eine Anatomie. Der Baubeginn markiert zugleich den nächsten Entwicklungsschritt der Universitätsmedizin Oldenburg.
„Mit dem heutigen Spatenstich beginnt ein neues Kapitel für die Universitätsmedizin Oldenburg: Wir als Land investieren hier gezielt und in großem Maße in moderne Bedingungen für Spitzenforschung und eine hochwertige Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte von morgen. Damit erhält die Universität Schritt für Schritt endlich die bauliche Infrastruktur, die sie für ihre weitere Entwicklung benötigt. Davon profitieren nicht nur Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern langfristig die gesamte Gesundheitsversorgung im Nordwesten. Der Neubau ist ein starkes Bekenntnis des Landes zum Wissenschaftsstandort Oldenburg und zur Zukunft der hiesigen Universitätsmedizin“, sagte Minister Mohrs.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 haben die Mitarbeitenden und Studierenden der Universitätsmedizin im Gebäudebestand der Universität, in angemieteten Räumen in der ganzen Stadt, in Modulbauten und Laborcontainern gelehrt, geforscht und gearbeitet – während die Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften stetig weitergewachsen ist. In den kommenden Jahren entsteht auf einer Fläche, die so groß ist wie drei Fußballfelder, zunächst ein Gebäudeteil mit rund 4.000 Quadratmetern Nutzfläche, der dringend benötigten Raum für die medizinische Forschung schafft. Außerdem beherbergt er die neue Anatomie: Sie ermöglicht, dass angehende Ärztinnen und Ärzte erstmals in Oldenburg an Spenderkörpern die Anatomie des Menschen studieren können. Bislang fahren sie dafür regelmäßig mit Bussen nach Groningen.
„Wir freuen uns sehr, dass der Bau des ersten Gebäudeteils nun beginnt und damit die benötigte Lehr- und Forschungsinfrastruktur für die Universitätsmedizin Oldenburg entsteht. Unser besonderer Dank geht an die Region, die die Universitätsmedizin permanent und beispiellos in allen Belangen unterstützt hat – so auch bei ihrem dringenden Appell, die erforderlichen Gebäude zu finanzieren“, sagte Jörg Stahlmann, Vizepräsident für Verwaltung und Finanzen der Universität.
Die Stadt Oldenburg gehört zu den Unterstützerinnen der Baumaßnahme. Sie hatte das Grundstück bewusst gesichert und 2022 an das Land verkauft, damit dort der Neubau für die UMO entstehen kann. „Ich freue mich, dass diese vorausschauende Entscheidung heute sichtbare Früchte trägt. Von der Weiterentwicklung der Universitätsmedizin profitieren nicht nur die Studierenden, sondern auch die Menschen in der gesamten Region, deren medizinische Versorgung langfristig gestärkt wird. Dass künftig 200 Studierende pro Jahr ihr Medizinstudium in Oldenburg beginnen, unterstreicht die wachsende Bedeutung unseres Universitätsmedizin-Standorts“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.
Verantwortlich für das Großprojekt ist das Staatliche Baumanagement Region Nord-West. „Mit dem neuen Campus für die Universitätsmedizin schaffen wir optimale Bedingungen für die wissenschaftliche Forschung und die Ausbildung künftiger Medizinerinnen und Mediziner“, sagte Cedrik Strüver, Leiter der Regionalstelle Oldenburg beim Staatlichen Baumanagement Region Nord-West. „Zugleich setzen wir ein starkes Zeichen für nachhaltiges Bauen. Denn der Campus wird weitestgehend klimaneutral sein, was dieses Bauprojekt weit über die Region hinaus zu einem Vorzeigeprojekt macht.“ Entworfen hat das Gebäude das Büro Gerber Architekten aus Dortmund.
Eine große Bedeutung hat der Spatenstich auch für Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften. „Der Spatenstich ist ein weiterer wichtiger Meilenstein in diesem Jahr und steht gleichzeitig symbolisch für die konsequente und stetige Weiterentwicklung der UMO: Mit einer neuen Rahmenvereinbarung haben das Land, die Universität und die Krankenhäuser erst kürzlich die Unimedizin organisatorisch auf ein neues Fundament gestellt. Der Herbst steht ganz im Zeichen unserer erstmals 200 Studienanfänger*innen“, sagte er.
Der erste Bauabschnitt im Überblick
Der erste Bauabschnitt umfasst ein Gebäude mit Untergeschoss, Erdgeschoss und drei Obergeschossen. Im Keller sind nicht nur Technikräume, sondern auch ausreichend Platz für mehr als 500 Fahrräder vorgesehen.
Im Erdgeschoss ist neben einem Foyer in erster Linie die Anatomie untergebracht. An 13 Untersuchungstischen werden Studierende dort künftig anhand von Spenderkörpern lernen, was die Anatomie des Menschen ausmacht. Neben der dafür benötigten Infrastruktur wie etwa Kühlvorrichtungen und Seziertischen findet im Erdgeschoss auch ein Körperspender-Sekretariat seinen Platz. Es ist künftig die erste Anlaufstelle für Menschen, die ihren Körper nach dem Tod für die medizinische Lehre und Forschung zur Verfügung stellen wollen.
In den oberen Geschossen finden verschiedene Forschungsabteilungen des Departments für Humanmedizin mit ihren Laboren ein neues Zuhause. Für rund 150 Personen ist das Gebäude nach Fertigstellung ihr Arbeitsplatz.
Eine Fassade aus beigem Klinker im unteren Bereich und Metall in den oberen Etagen prägen den langgezogenen Bau. Wie ein Balkon ragt ein Gebäudevorsprung über den Haupteingang hinaus: Dort befindet sich ein großer Seminarraum für 50 Personen. An das Kerngebäude schließt sich außerdem eine Energieleitzentrale an, die diesen und die beiden weiteren Gebäudeteile mit Energie versorgen wird. Strom kommt unter anderem aus der Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach. Erdwärme und Wärmepumpen sorgen für Heizenergie.
Mitte 2030 soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Er kostet 85 Millionen, von denen die Universität rund 18 Millionen Euro aus eigenen Mitteln bestreitet. Sie fließen in den Bau der Anatomie.
Die weiteren Bauabschnitte
Während im Technologiepark die Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt laufen, schreitet auch die Planung für die beiden weiteren Gebäudeteile voran. Ein zweites Forschungsgebäude mit rund 3.400 Quadratmetern Nutzfläche soll zwischen 2029 und 2032 entstehen. Die Kosten belaufen sich auf voraussichtlich 76 Millionen Euro. In den Gebäuden des ersten und zweiten Bauabschnitts entstehen neue Flächen für zahlreiche klinische und nicht-klinische Forschungsgruppen des Departments für Humanmedizin – von chirurgischen und internistischen Fächern bis zur Kinder- und Jugendmedizin. Dadurch können bestehende räumliche Übergangslösungen aufgegeben oder an neue Forschungsgruppen weitergegeben werden. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts entsteht auf dem Gelände auch ein Parkhaus mit etwa 130 Stellplätzen.
Der dritte Bauabschnitt bringt zusätzliche Flächen für die medizinische Lehre. Außerdem entsteht dort eine Cafeteria. Die UMO will das Gebäude mit 5.400 Quadratmetern Nutzfläche Mitte der 2030er-Jahre in Betrieb nehmen. Die Kosten dafür belaufen sich nach aktueller Schätzung auf 77 Millionen Euro.
Rückblick
Der Weg bis zum heutigen Spatenstich war lang. Seit der Gründung der Fakultät im Jahr 2012 machte die Universität immer wieder deutlich, dass eine wachsende Universitätsmedizin eigene Forschungs- und Lehrgebäude benötigt. Schon damals hatte ein externes Gutachten ein erhebliches Flächendefizit belegt. Als die Landesregierung 2020 zunächst keine Mittel für einen Neubau bereitstellen wollte, formierte sich in der gesamten Region ein außergewöhnlich breites Bündnis aus Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Wenige Wochen später sagte das Land die Finanzierung des ersten Bauabschnitts zu. Mit dem weiteren Ausbau der Universitätsmedizin und der Entscheidung für dauerhaft 200 Medizinstudierende pro Jahr folgten anschließend auch die Mittel für die weiteren Gebäude.
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